Cristina Dähler

Wer bin ich:

Abenteuerlustige, sportliche, naturverbundene, fröhliche und unkomplizierte Bergliebhaberin

Lieblingsrennen:

Trans Rockies, Swiss Epic, Patrouilles des Glaciers... Hauptsache coole Singletrails oder Schnee ;-)

Lieblingsdisziplin:

Mountainbike, Bergsport

Hobbies:

Reisen, Abentuer in den Bergen, Bergsteigen, Klettern, Skitouren, Langlauf, Mountainbike, Road Trips mit dem Bus, mit Freunden Zeit in der Natur verbringen und Sport allgemein

Motivation Team:

Gemeinsame Trainingstage oder Weekends, lustiges Beisammensein, Austausch mit Gleichgesinnten, sich gegenseitig motivieren und an Rennen anfeuern und unterstützen, Frauenpower

Gommerlauf 21 km - 23.02.2019

Am letzten Samstag startete ich bei herrlichem Winterwetter an meinem ersten Langlaufrennen über die Halbmarathondistanz. Da es mein erstes Langlaufrennen war und ich noch keine Resultate vorweisen konnte, musste ich im letzten Startblock mit einer blauen Nummer starten. Da ich mich im Voraus nicht über das Startprozedere informiert hatte und erst 4 Minuten vor dem Start in den Startblock wollte, war natürlich schon alles voll und ich fand nur noch im hinteren Teil des Startblocks C eine Lücke wo ich mich anstellen konnte! Bereits kurz nach dem Start ging es von 6 Klassisch-Spuren auf knapp zwei Skating-Spuren über. Überholen war sehr mühsam. Ich fuhr die ersten paar hundert Meter in der klassischen Spur und versuchte mit grossem Armeinsatz möglichst viele Fahrer zu überholen. Immer wieder musste man stürzenden Fahrern ausweichen. Bei den kurzen Anstiegen stand ich jeweils fast still, weil praktisch nichts mehr ging. Für mich war das alles neu und ich hatte meinen Spass. In den kurzen Abfahrten griff ich jeweils an und versuchte, an den anderen Fahrern vorbeizukommen. Dann endlich in Münster auf dem Flughafen gab es etwas mehr Platz und ich konnte in gutem Rhythmus Fahrer um Fahrer ein- und überholen. Es motivierte mich, dass ich schon bald viele Läufer/Innen mit roten Nummern, also aus dem 3 Minuten vor mir gestarteten Startblock B, überholte. ;-) Leider war die Spur immer wieder so schmal, dass kaum zwei Skater nebeneinander Platz fanden und ich oft auf der klassischen Spur vorbei skaten und im Slalom um die Fahrer fahren musste!

 

Schon bald war ich in Oberwald und es ging die letzten Kilometer zurück in Richtung Ulrichen. Nach 1 Stunde und 9 Minuten erreichte ich total zufrieden und gut gelaunt das Ziel in Ulrichen. Ich habe mein Ziel von 1 h und 25 Minuten klar unterboten! J Ich hatte ja keine Ahnung wie ich mich einzuschätzen hatte!! Nun bin ich gewappnet für den in zwei Wochen stattfindenden Engadiner Skimarathon. Dort werden es dann noch viel mehr Läufer sein und auch dort muss ich wieder in einem der letzten Startblöcke starten. Aber Überholen macht ja mehr Spass als überholt zu werden! ;-) Der Gommerlauf ist ein mega cooler und gut organisierter Event und für Langlaufrennen-Neulinge super geeignet, kann ich wärmstens empfehlen!

Biennathlon, 18. Juni 2017 - als Single

Wenn der Wurm drin ist heisst es einen kühlen Kopf bewahren und wie es so schön heisst, wer zuletzt lacht, lacht am schönsten! ;-)

Eigentlich hatte ich nach meinem Bienenstich Disaster am Gigahtlon 2015 von solchen Giga- und Megathlons genug - doch manchmal nimmt das Leben unerwartete Wendungen und man braucht ein neues Ziel um die Balance zu behalten.

So setzte ich mir im Januar das Ziel wieder mal als Single Athletin am Biennathlon dabeizusein. Ich habe mich dann sofort angemeldet um es mir dann doch nicht wieder anders überlegen zu können! ;-)

 

Endlich, der Tag rückte näher und am Samstag vor dem Rennen suchte ich alle Sachen zusammen, damit ich gut vorbereitet am Sonntag am Start stehen konnte. Mein CC Bike hatte ich seit Oktober nicht mehr benutzt und es stand noch mit einem platten Vorderreifen da. Der flotte Velomech in Frutigen schaffte es, meinen Tublessreifen wieder abzudichten und ich war gerade daran mein Rennvelo zu putzen als es einen riesen Knall gab und es meinen frisch montierten MTB Reifen von der Felge jagte und die blaue, frische Milch überall klebte.... Der Veloladen war am Samstagnachmittag natürlich dann bereits geschlossen. Doch mit Telefonsupport von einem Kollegen bekam ich es dann einigermassen wieder hin. Der Pneu rollte zwar nicht schön rund, aber immerhin war er dicht! Das fängt ja schon mal gut an...

 

Dann am Sonntagmorgen nach einer erholsamen Nacht bei einer Freundin in Gerlafingen fuhr ich mit dem Auto zum Startgelände. Als ich das Vorderrad am Rennvelo montieren wollte, fiel mir auf, dass zwei Speichen fehlten und ein Teil der Nabe abgebrochen war! Shit auch das noch. Es war bereits 8.15 Uhr und um 9.00 Uhr war der Start. Ich rief Sabrina an und sie liess bei sich zu Hause alles stehen und liegen und machte sich sofort mit dem Bike und ihrem Rennvelovorderrad auf Richtung Biel.

 

Ich montierte die Startnummer und machte mich mit allem Material auf in die Wechselzone. Dort erwarteten mich bereits meine Teamgspändli und alle fragten mich natürlich warum ich am Rennvelo kein Vorderrad hatte?! Ich war so voller Emotionen und musste nur noch weinen. Meine lieben Freundinnen machten sich auf die Suche nach einem Ersatzrad, falls es Sabrina nicht reichen sollte. Sie versuchten mich zu beruhigen, halfen mir beim Einrichten der Wechselzone und sprachen mir gut zu. 10 Minuten vor dem Start kam Sabrina angebraust - ein riesen Stein fiel mir vom Herzen - ich umarmte sie und war so unendlich dankbar so tolle Freundinnen zu haben. Ich machte mich raceready und meine Freundinnen kümmerten sich um mein Rennvelo.

 

Dann um kurz nach 9.00 Uhr fiel der Startschuss und ich war einfach nur glücklich am Start sein zu können und genoss die herrliche Stimmung. Zuerst ging es neutralisiert und flach dem Bielersee entlang. Nach 8km wurde das Rennen lanciert. Es ging direkt in eine längere und zum Teil recht steile Steigung. Schon bald war ich oben und da bevolgte ich den Tipp von Sabrina und versuchte mich einer Gruppe anzuschliessen. Ein stetiges auf und ab - durch härzige Juradörfer - gespickt mit engen Kurven. Die Bise bliess wie verrückt und ich war froh, dass wir in der Gruppe bei der Führung regelmässig wechselten. Nach 1h und 30min war ich bereits wieder zurück in der Wechselzone.

 

Rein in den Neo und ab in den Bielersee. Ich wusste nicht wie es sich anfühlen wird, war ich doch seit 2 Monaten nicht mehr schwimmen und in einem See und mit Neo bin ich zueletzt am Gigathlon 2015 geschwommen! Doch ich liebe das Unerwartete und Spontane! :-) Wegen der Bise war es ziemlich wellig! Aber auch das machte mir nichts aus, nein ich fand es sogar ziemlich lustig so durch die Wellen zu paddeln und wie es einem immer wieder hin- und her schwappte! Und es lief mir super, es machte richtig Spass und nach 36 Minuten war ich wieder in der Wechselzone! Leider brachte ich dann meinen Neo nicht auf - doch solche Sachen brachten mich nicht mehr aus der Ruhe! Ein flotter Helfer schaffte es den verklemmten Reissverschluss zu öffnen und ich konnte mich fürs Biken parat machen.

 

Dann mit dem Bike aus der Wechselzone huschend, sah ich wie einer vor mir aufs Bike stieg. Ich dachte mir cool, man darf sogar schon hier aufsteigen! Keine 3 Sekunden später stieg er wieder ab - ich noch gleichzeitig am Bikehandschuhe anziehen - schaffte es nicht mehr aus dem Pedal und schwupps knallte es mich voll in Fahrt auf meine linke Seite auf den Boden. Zuerst wollte ich fluchen - doch dann dachte ich einfach - no stress Cristina. Stand auf, wischte mir den Staub von der Seite und zog gemütlich meine Handschuhe an! Wenn der Wurm drin ist - ist er drin!! ;-) Wir wollen ihn ja nicht noch weiter provozieren!

 

Die Bikestrecke war dann wie immer supercool und es hat einfach nur riesen Spass gemacht! Ich kam flott vorwärts und dass mich unterwegs noch Carol und Sabrina anfeuerten gab mir zusätzliche Energie! :-)

 

Nach weiteren 1h und 37min war ich wieder zurück in der Wechselzone und es folgte die letzte Disziplin. Es war bereits brütend heiss als ich aus der Wechselzone joggte. Wow, meine Beine fühlten sich immer noch super an und ich freute mich richtig auf den Lauf - obwohl ich diese Disziplin eigentlich überhaupt nicht mag! Irgenwann wurde ich von der Drittplatzierten Petra Eggenschwiler überholt und gleich stehengelassen. Sie joggte an mir vorbei wie ein kleines Rehlein - doch ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen - schliesslich wird man nicht zum Laufwunder wenn man es praktisch nie trainiert! ;-) Nur Skitouren machen aus einem leider keine Läuferin! Die Laufstrecke war wunderschön, über schöne Singletrails und praktisch keinen Asphalt. Die 9.4km und 340hm konnte ich trotz der Hitze ohne Zwischenfälle gut hinter mich bringen und nach 4h und 51 Minuten durfte ich als 5. Singlefrau überglücklich und total happy die Ziellinie in Biel überqueren.

 

Im Ziel wurde ich von meinen Freundinnen Carol und Sabrina sowie meinen Teamgspändli herzlich empfangen. Was für ein Tag - was für Emotionen. Danke an alle welche mich vor und während dem Rennen so tatkräftig unterstützt und mit mir all die Erlebnisse geteilt haben! :-)

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Tortour Challenge 524km/6800hm

Seit letztem Herbst, als ich mich für die Tortour Challenge angemeldet hatte, freute ich mich unglaublich auf dieses grosse Abenteuer. Als dann im Frühling leider zwei meiner Betreuer wieder abgesprungen sind, war ich etwas enttäuscht, fand aber zum Glück mit Res, meiner lieben Freundin Irène und meinem Schwesterherz Barbara schnell drei verlässliche Supporter welche sich bereit erklärten, mich bei diesem Abenteuer zu begleiten und vorallem zu unterstützen.

Zwei Wochen vor dem Start wurde mir so langsam richtig bewusst, dass mein Traum bald wahr werden sollte. Ich war aber überhaupt nicht richtig nervös, sondern nur voller Vorfreude. Mein Bruder Friedrich gab mir noch wertvolle Tipps, half mir bei der Organisation von Funk und Ersatzlampen und erklärte mir die Navigation mit dem Garmin. Eine Woche vor dem Start absolvierte ich mit meiner Schwester Barbara noch eine Testtour auf der dritt- und zweitletzten Etappe der Tortour Strecke. Wir propten die Kommunikation über den Funk, ich konnte das Garmin testen und mir ein Teil der Strecke somit auch gleich schon anschauen.

 

Dann endlich war es soweit. Zusammen mit Res fuhr ich am Donnerstagvormittag mit dem Büsli nach Schaffhausen. Nach dem Check-In machten wir die letzten Vorbereitungen und um 15.42 Uhr startete ich zum 1km Prolog. Die Strecke des Prologes führte am Rheinfall entlang und wir mussten eine Rampe mit 16% Steigung bezwingen. Zu dritt wurden wir auf die Strecke geschickt. Ich mit zwei anderen Single Frauen. Weil die vielen Zuschauer mich so lauthals anfeuerten, konnte ich nicht anders, als den Berg hoch zu pushen! Ein richtig gutes Warmup!

Um 18.00 Uhr kamen dann Irène und Barbara in Schaffhausen an und gemeinsam konnten wir beim Abendessen noch letzte Unklarheiten beseitigen und unsere Taktik besprechen. Um 20.00 Uhr legten wir uns dann schlafen. Bereits um 24.00 Uhr hiess es für mich wieder aufstehen, frühstücken und mich für den Start bereit machen.

Am Freitagmorgenfrüh um 01.03 Uhr konnte das Abenteuer beginnen. In der IWC Arena wurde ich pünktlich, von den Organisatoren der Tortour, auf eine lange Fahrt in die dunkle Nacht hinausgelassen. Alle 30 Sekunden wurden Solofahrer, 2er- 3er- 4er und 6er Teams auf die Strecke gelassen.Die ersten 30km bis nach Frauenfeld mussten wir ohne Begleitfahrzeug zurücklegen. Es lief mir von Beginn an sehr gut und ich war so glücklich, weil mein grosser Tag endlich gekommen war, dass ich mich richtig bändigen musste und nicht zu fest in die Pedale trat. Mein Bruder, ein sehr erfahrener und erfolgreicher Ultra Cycling Fahrer, hat mir vor dem Start noch gesagt, dass ich mich nicht von den anderen mitreissen lassen soll, sondern einfach ganz locker ohne grossen Druck auf die Pedale mit einer hohen Kadenz die gesamte Strecke fahren soll. Auf meinem GPS Gerät hatte ich sowieso nur die Strecke hochgeladen. Auf eine Anzeige von Watt, Puls, Zeit oder irgendwelchen Geschwindigkeitsangaben habe ich absichtlich verzichtet, damit ich wirklich nur auf mein Gefühl und meinen Körper horchen konnte. Denn diesen kenne ich mittlerweile so gut, dass ich mich am besten von meinem Körpergefühl leiten lasse.
Also fuhr ich locker drauf los. Es war mit 15 Grad recht angenehm und noch trocken. Nur der dichte Nebel machte die Abfahrten und engen Dorfpassagen etwas schwieriger. In der Nacht verliert man jegliches Zeitgefühl und schon bald wurde ich in der Timestation in Frauenfeld von meinem tollen Betreuerteam mit Res, meiner lieben Freundin Irène und meinem Schwesterherz Barbara empfangen. Ich musste kurz auf einem Blatt Papier unterschreiben, bekam von meinen Betreuern einen neuen Bidon und einen Gel. Und weiter gings auf die nächsten 70km bis zur zweiten Timestation nach Unterwasser im Toggenburg. Ab hier durften mich meine Betreuer mit dem Auto im Followcar Modus begleiten. Zum Teil fuhren sie hinter mir und wenn es zu viele Fahrer unterwegs hatte und weil wir Fahrer untereinander jeweils 50m Abstand halten mussten und auch zu den Begleitfahrzeugen 50m Abstand einhalten mussten, war das Begleiten nicht immer möglich und dann fuhren sie wieder eine kurze Strecke Voraus und warteten dann wieder auf mich. Doch mit der Zeit wurde es ruhiger und ich hatte mein Team meistens um mich. Sowieso schauten die drei grandios zu mir. Ich bekam alle Stunde einen neuen Bidon mit einem Kohlenhydratgetränk  und dazu einen leckeren Marroni Gel. Sie schauten, dass ich genügend trank und vor allem genügend Kohlenhydrate, Salze und Proteine zu mir nahm. Ich konnte mich ganz einfach nur aufs Treten konzentrieren. Leider begann es auf der zweiten Etappe plötzlich wie aus Kübeln an zu regnen. Ich liess mich aber nicht beirren, sondern genoss die wunderschöne Stille der Nacht, die dunklen Dörfer und den Vollmond, den man ab und zu trotz den vielen Wolken zu Gesicht bekam. Auch einige Füchse und Fledermäuse säumten meinen Weg.
Auch die zweite Timestation erreichte ich ohne Zwischenfälle.  Danach folgte ein Pass und eine nasse und heikle Abfahrt mit engen Kurven. Res fuhr mit dem Begleitauto immer schön hinter mir, damit ich genügend Licht und somit gute Übersicht auf die Strasse hatte. Wir fuhren durch Liechtenstein wo meine Begleiter auf die Autobahn ausweichen mussten und ich die nächsten 25km alleine auf dem Veloweg einem Damm entlang fahren musste. Es regnete immer noch in Strömen und dazu blies ein fieser Gegenwind. Es lief mir aber immer noch gut und ich fuhr einfach konstant in meinem lockeren Tritt weiter und weiter. Das einzige was meine Stimmung etwas trübte, waren die doofen Teilnehmer, welche sich leider nicht an die Regeln hielten und Windschatten fuhren. Es hatte zu wenige Marshalls auf Motorrädern und es war für diese unmöglich alle Fahrer zu jederzeit unter Kontrolle zu halten. Wo es um sportliche Leistungen geht, wird nun halt mit allen Mitteln beschissen, das ist bei uns Hobbyfahrern leider nicht anders. :-(
Als ich die 3. Timestation in Chur erreichte wurde es langsam Tag und meine Betreuer konnten die Lichter an meinem Velo entfernen. Die vierte Etappe führte der wunderschönen Rheinschlucht entlang über Illanz bis nach Disentis. Es mussten einige Höhenmeter bezwungen werden, doch immerhin hörte es kurz nach Illanz auf zu regnen. Es wurde langsam etwas wärmer und die Sonne trocknete meine nassen Kleider. Kurz vor Disentis erblickte ich das erste Mal an einer Kirche die Zeit. Es war knapp nach 9.00 Uhr und ich wusste, dass ich also gut im Zeitplan lag.
Bei der 4. Timestation in Disentis wurde ich von meinen Betreuern gebeten, das erste Mal feste Nahrung zu mir zu nehmen. Ich brachte nur ein paar Bissen Zopf und Basler Leckerli runter und nahm dann lieber wieder ein paar Gel mit auf den weiteren Weg. Ab Disentis ging es nur noch bergauf. Diesen Abschnitt kannte ich vom Alpenbrevet und ich wusste, dass es streng werden wird. Auch hier versuchte ich möglichst kleine Gänge zu fahren und so praktisch ohne Druck auf den Pedalen die Serpentinen hochzukurbeln. Ich hatte das erste Mal eine richtige Müdigkeitsattacke. Mir fielen beim Fahren fast die Augen zu. Oben auf dem Pass gönnte ich mir rund 5 - 7 Min Pause. Irène massierte mir meinen Rücken, meine Schwester gab mir Bouillon zu trinken und dazu Paprikachips zu Essen. Ich zog mir oben frische und trockene Kleider an und nahm einen Bidon mit Cola in die Abfahrt, damit ich meine Müdigkeit überlisten konnte. Ab Andermatt wurde wegen einer Baustelle ein Teil der Abfahrt neutralisiert, bevor die Zeit ab Wassen im Aufstieg Richtung Sustenpass wieder zählte. Hier erwartete mich mit 18km die längste Steigung. Die Müdigkeit setzte mir immer noch zu, doch ich nahm einfach Tritt um Tritt, denn auch viele andere Fahrer waren hier am Leiden und einzelne standen am Strassenrand und sahen nicht mehr so spritzig aus.... Die vielen Zuschauer und auch die Betreuer von anderen Solofahrern und Teams applaudierten mir regelmässig und spornten mich richtiggehend an. Auch meine drei lieben Betreuer gaben alles, mich bei Laune zu halten und es war immer so schön, die drei wieder irgendwo am Strassenrand zu sehen. Als ich dann endlich den Sustenpass auf 2264müM erreichte, kullerten mir Freudentränen über die Wangen. Ich wusste, dass ich jetzt die meisten Höhenmeter geschafft hatte und für mich war dieser Pass von Anfang an der Point of no Return. Ich wusste, wenn ich hier oben ankomme, dann werde ich es schaffen können. Es waren zwar immer noch rund 240km, aber über die Hälfte und vorallem die anspruchsvollste Etappe war geschafft. Oben gönnte ich mir nochmals eine Pause, zog wieder frische Kleider an und nahm für die Abfahrt einen Koffeeinshot.
In Meiringen ging es wieder in den Aufstieg Richtung Brünnigpass. Dieser Pass ist zwar nicht mehr so lang, aber kurz und knackig. Dann folgte eine längere Abfahrt mit langen Flachpassagen bis zur 6. Timestation in Sachseln. Das heisst ich bin in der Zentralschweiz angekommen. Es folgte eine wunderschöne Strecke zuerst dem Sarnensee und dann dem Vierwaltstädtersee entlang. In Kriens erwarteten mich Conny und Nicole zusammen mit meinem Gottekind. Ich hielt ein paar Minuten bei ihnen an und musste natürlich über das bereits Erlebte berichten. Eine Umarmung von beiden und ein süsses Lächeln meines Gottemeitlis gaben mir wiederum frische Kraft und weiter gings durchs wunderschöne Oberaargau bis nach Hochdorf. Als ich in Hochdorf an der 7. Timestation angekommen bin, war ich doch langsam etwas müde. Wie immer gabs frische Bouillon, Chips, Cola und eine kurze Rückenmassage und Motivationsschübe meines Betreuerteams.
Ich wusste, dass die 8. Etappe wohl eine der härteren werden würde. Die knapp 80km gingen rauf und runter und hatten zwar nie lange, dafür umso knackigere Aufstiege zu bieten. Regelmässig gabs Koffeeintabletten um meine Konzentration aufrecht zu erhalten. Denn diese Etappe führte durch viele kleinere und grössere Ortschaften mit viel Verkehr. Bereits den ganzen Tag hatte ich das Gefühl die rote Welle erwischt zu haben, ich wusste gar nicht, dass in der Schweiz so viele Baustellen sind?! Praktisch auf jeder Etappe musste ich mehrmals an roten Ampeln warten. Am Anfang hat es mich noch etwas genervt, doch je länger ich unterwegs war, desto dankbarer wurde ich, als ich wieder an einer roten Ampel kurz anhalten, meine Beine und Rücken dehnen und etwas kleines Essen konnte! ;-) Da mich meine drei Betreuer ohne grosse Worte praktisch blind verstanden, haben sie automatisch gemerkt, dass sie ab der 8. Etappe öfters anhielten und mich mit grossem Applaus, Musik und "La Ola Wellen" anfeuerten. Dieses Gefühl zu wissen, dass drei sehr wichtige Menschen immer irgendwo auf mich warteten und um mich herum waren, ist unbeschreiblich. Ich musste zwar alleine trampen, doch ich war nie allein. Sie waren immer bei mir und gaben mir damit unglaublich Kraft. Und sie haben von Anfang an so fest an mich geglaubt, dass ich mit dieser Energie fast Bäume hätte ausreissen können!
So schaffte ich auch die 8. Etappe und erreichte überglücklich die 8. Timestation in Glattfelden. Die Dämmerung war angebrochen und ich musste wieder mit Licht und Leuchtweste fahren. Auf den letzten 50km durfte also mein Team wieder hinter mir herfahren und mir Licht geben. Ich war froh, denn die Strassen führten oft durch stockdicken Wald wo ich nicht viel sah nur die lauten Wildschweine hörte. Ich war froh nicht alleine zu sein, sonst hätte ich in diesen dunklen Wälder doch noch Angst bekommen. Dann 10km vor dem Ziel hatte ich meine erste und einzige mentale Krise. Denn als wir Schaffhausen erreichten wär nämlich noch nicht Schluss, es musste noch eine 10km lange Schlaufe nach Deutschland und zurück nach Schaffhausen absolviert werden. Diese unnötige Zusatzschleife mit mehreren kurzen und mega steilen Rampen nagte an meinen Nerven. Dann endlich, die letzten Kurven, die letzten Meter, der Zielbogen und der Speaker welcher mich mit Applaus empfing und gleich in die Arme schloss. Meine Betreuer kamen angerannt, nahmen mich in die Arme, Freudentränen, unbeschreibliche Glücksgefühle, Hühnerhaut und Schlotterattacken überkamen mich. Ich konnte es kaum fassen, ich hatte es tatsächlich geschafft. In 21 Stunden und 58 Minuten hatte ich als 3. Solofrau die 524km und 6800 Höhenmeter erfolgreich hinter mich gebracht. Ein Traum wurde wahr. Anschliessend wurde ich mit meinem Finishersong in die IWC Arena eingelassen und unter Applaus durfte ich auf die Bühne fahren. Drinnen in der Arena empfingen mich meine Eltern und meine 3 Betreuer, sowie einige fremde Leute applaudierten und freuten sich für und mit mir! Beim Interview brachte ich nicht mehr viele schlaue Sätze raus, zu viel ging mir gerade durch den Kopf. Dann noch ein paar Erinnerungsfotos mit meiner Familie und meinen Betreuern, bevor wir uns alle in die Traumwelt verabschiedeten!
Am Samstag durfte ich mich während des Brunches noch als 3. Solofrau auf dem Podest feiern lassen. Was für ein Event, was für ein Tag. Auch heute drei Tage dannach, kann ich es immer noch nicht richtig einordnen und fassen, dass ich die Tortour Challenge tatsächlich so gut hinter mich bringen konnte.
Ein riesen grosses Merci an meine drei so wundervollen Betreuer. Res, Irène und Barbara ihr wart einfach unglaublich und es ist so schön, dass ich diese intensiven knapp 22 Stunden mit euch verbringen durfte. Dieses Erlebnis wird mir ewigs in Erinnerung bleiben und werde ich für immer mit euch teilen dürfen! Ich bin euch so unglaublich dankbar. Eure Ruhe, eure lieben Worte, eure pure Anwesenheit, eure Anfeuerungsrufe und vorallem euren grossen Glauben an mich hat mich Bäume versetzen lassen! Nur dank euch war dieses Abenteuer überhaupt möglich!!
Und auch ganz herzlichen Dank an meinen Bruder Friedrich, auch du hast immer an mich geglaubt und obwohl du wegen einer Verletzung selber nicht starten konntest warst du am Start dabei und hast mir wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben. Und meine Eltern, herzlichen Dank für euren warmherzigen Empfang in der IWC Arena. Es war so schön, diesen Erfolg mit euch teilen zu dürfen. Und auch vielen, vielen Dank an alle Freunde, welche mich in Gedanken, mit SMS, an der Strecke oder sonst irgendwie in der Vorbereitung oder während der Tortour mental unterstützt haben!!!
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Patrouille des Glaciers 19./20. April 2016

Sag niemals Nie! Als ich nämlich vor zwei Jahren an der PdG das Ziel in Verbier erreichte, habe ich allen gesagt, dass ich mir sowas nie, nie wieder antun werde. Doch kaum waren die Strapazen vergessen, haben die schönen Erinnerungen überwogen.

Da ich bereits zwei Mal dieses Rennen von Zermatt nach Verbier, gespickt mit 4.000 Aufstiegshöhenmetern und einer Distanz von 53 Kilometern, erfolgreich finishen konnte und bekanntlich alle guten Dinge drei sind, wollte ich es also nochmals wissen und ging am 19. April 2016 an den Start.

Bereits im September 2015 haben Maria, Sybille und ich uns für dieses Rennen eingeschrieben. Da die Teilnehmerzahl beschränkt und die Nachfrage sehr gross ist, wurden wir erst Mitte Dezember informiert, dass wir einen der begehrten Plätze ergattert hatten. Somit konnte das Training beginnen. Im Dezember und Januar lag so wenig Schnee wie schon lange nicht mehr und es war schwierig auf „Touren“ zu kommen. Im Februar und März kam dann der langersehnte Schnee und wir konnten viele und auch längere Skitouren gemeinsam – oder jede für sich – unternehmen. Schlussendlich konnte ich auf meinen Skitouren 52.000 Höhenmeter sammeln und war somit gut vorbereitet auf das kommende Abenteuer.

 

Dann war es endlich soweit. Als wir am Nachmittag in Zermatt ankamen ging es zuerst zur Materialkontrolle. Unsere gesamte Ausrüstung wurde durch die Schweizer Armee kontrolliert und gekennzeichnet. Alles war perfekt, nur mein Seil entsprach nicht der Norm, obwohl ich dieses extra von einem Bergführer als PDG-Seil gekauft hatte. Der Ärger begann früh, doch schlussendlich kamen wir noch zu einem passenden Seil und alles war für den Start parat .

 

Um 22.00 Uhr war der erste Start. Es gab verschiedene Startblöcke und wir waren im zweiten Starterfeld eingeteilt. Endlich, um 22.45 Uhr ertönte unser Startschuss und gemeinsam mit 78 anderen Dreierpatrouillen ging es den ersten Kilometer durch die Strassen in Zermatt, wo wir alle von Hunderten von Zuschauern lauthals angefeuert wurden. Die erste Stunde waren wir zu Fuss mit Turnschuhen unterwegs. Die Ski inklusive Skischuhe waren am Rucksack befestigt. Beim „Stafel“ wechselten wir von den Turn- in die Skischuhe und weiter ging’s im Gleitschritt über den Schnee. Wir kamen sehr gut voran und dank Mond und Sternen war es ziemlich hell und die Stirnlampen konnten auf Sparflame geschaltet werden.


Um 01.00 Uhr erreichten wir die Wechselzone „Schönbiel“. Alles war super organisiert und von den Armeeangehörigen wurden wir freundlich empfangen. Ab hier waren wir angeseilt unterwegs, weil die Strecke über Gletscher führte. Ich war Seilführende und versuchte ein möglichst gleichmässiges Tempo zu laufen. Schon bald wurden wir aus unserem Rhythmus geholt. Es gab Stau, weil die Spuren ziemlich vereist waren und die Felle keinen Gripp mehr hatten. Mit Spitzkehren und einem kurzen Abschnitt zu Fuss, konnten wir diese Passage gut meistern. Bald waren wir auf 3.000 Metern über Meer und ich bekam wieder etwas Mühe. Doch weil Maria mit Übelkeit und Unwohlsein zu kämpfen hatte, mussten wir das Tempo etwas drosseln und meine Höhenbeschwerden hielten sich in Grenzen. Sybille unterstützte Maria mithilfe eines „Abschleppseils“. Maria biss sich durch und wir erreichten schliesslich den höchsten Punkt „Tête Blanche“ auf knapp 3.700 Metern. Die Soldaten empfingen uns auch hier wieder äusserst freundlich und halfen uns bei der Demontage der Steigfelle und beim Umrüsten für die Abfahrt. Maria wurde von einem äusserst "hübschen" :-) Militärarzt speziell betreut und er schaffte es, sie irgendwie zu motivieren weiterzumachen. Wir gönnten ihr eine etwas längere Pause und dann ging es weiter in die Abfahrt – immernoch am Seil. Wir harmonierten bestens und konnten wieder etwas Zeit gut machen. Kaum unten angekommen hiess es wieder Felle montieren und nochmals aufsteigen. Maria litt und kämpfte wie verrückt. Doch irgendwann hatte ihr Körper wohl genug und sie musste sich mehrmals übergeben. Wir waren froh, als wir dann den Col de Bertol erreichten und uns abseilen und für die längere Abfahrt nach Arolla bereit machen konnten.


Die Abfahrt verlief gut, obwohl der Schnee pickelhart und zum Teil sogar richtig eisig war. Wir fuhren vorsichtig und wollten nichts riskieren. Es war ja schliesslich immer noch Nacht und der Weg noch weit.
Um circa 5.00 Uhr morgens erreichten wir Arolla, wo uns der Bruder von Maria mit frischen Getränken und Essen versorgte. Maria konnte sich in der Abfahrt zwar ziemlich gut erholen, doch weil sie nichts mehr essen konnte und auch nichts mehr im Magen hatte, entschloss sie sich schweren Herzens, Sybille und mich alleine weiterziehen zu lassen. Man darf die PdG auch zu zweit beenden, wird dann aber nicht mehr klassiert.


Von Arolla ging’s dann direkt eine steile und sehr eisige Piste hoch. Sybilles Felle hielten, aber meine wollten nicht so wie ich es wollte und ich rutschte immer wieder nach hinten und musste mühsam mit Spitzkehren die Piste hochlaufen. Dies war nicht nur anstrengend für meinen Körper, sondern noch viel mehr für meine Psyche. Alles Fluchen war vergeblich und schliesslich gab es nur den einen Weg und der führte nach Verbier. Also Zähne zusammenbeissen und sich mental ablenken.


Kurz bevor die Sonne zum Vorschein kam, erreichten wir die Portage auf den Col de Riedmatten. Hier konnten wir die Ski am Rucksack befestigen und weiter ging’s zu Fuss ein steiles Couloir hoch. Diese Abschnitte liebe ich am meisten. Das Hochsteigen bringt mir jeweils Abwechslung in das sonst so monotone Gleiten und ich kann mich in diesen Passagen immer gut erholen.
Dann ging es wieder runter und den See entlang Richtung La Barma. Ab da wurde es richtig warm. Die Sonne strahlte auf uns nieder und nur dank einem leichten und kühlen Lüftchen sind wir nicht total überhitzt. Wie bereits die zwei Male zuvor, musste ich in dieser Sektion wieder leiden und mich richtig durchbeissen. Ich wusste, es ist alles nur im Kopf und ich versuchte Sybille nicht aus den Augen zu verlieren und ihren Schritt mitzugehen. Merci Sybille für deine Geduld.

 

Dann endlich kam die Portage auf die Rosablanche. Dieser Abschnitt gehört für mich zum schönsten am ganzen Rennen. Erstens konnte ich mich wieder gut erholen und zweitens wurde man oben von Hunderten von Fans euphorisch begrüsst und angefeuert. Richtig beflügelt und emotional aufgewirbelt nahmen wir dann die letzten Abschnitte unter die Ski. Ich wusste, nun haben wir es bald geschafft. Uns konnte eigentlich nur noch ein Materialdefekt oder Unfall aufhalten. Eine kurze Abfahrt mit Traversierung und dann den letzten kurzen Aufstieg von 200 Höhenmetern bewältigten wir rasch und schon ging’s in die letzte, lange Abfahrt bis nach Verbier.


Unten, am Ende der Skipiste, wurden wir von meinen Eltern mit Applaus empfangen. Jetzt hiess es nochmals die letzten Energiereserven auspacken und trotz Blasen an den Füssen den allerletzten Kilometer zu Fuss durch Verbier zu joggen. Auf dem ganzen Kilometer wurden wir von den Zuschauern angefeuert und dann endlich überquerten wir nach 13 Stunden gesund und glücklich die Ziellinie, wo uns Maria bereits sehnsüchtig erwartete.

 

Ein grosses Merci an Maria und Sybille für dieses unglaubliche Abenteuer. Ihr wart einfach Spitze!!!!

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Eigernordwand 5./6. Dezember 2015

Neben dem Velofahren sind alle Arten von Bergsport meine andere grosse Leidenschaft. Seit eh und je faszinieren mich die Berge und Natur und ich liebe es, mich darin mit Skis, zu Fuss oder mit Seil und Bergschuhen zu bewegen. So gibt es auch Berge oder Routen, welche mich faszinieren und von denen ich träume, sie irgendwann selber durch- oder besteigen zu können. Wer kennt sie nicht, die Eigernordwand? Eiger - Mönch und Jungfrau, drei Berge die wohl jeder kennt. Den Mönch und die Jungfrau habe ich beide bereits vor längerer Zeit bestiegen, mir fehlte nur noch der Eiger. Am Eiger gibt es verschiedene Routen, die "normal" Route verläuft über den bekannten Mitellegigrat. Und dann gibt es eben noch diese eine Wand, die Wand der Wände, wegen der so viele Bergsteiger seit Jahren ins Berner Oberland reisen. Genau, die Eigernordwand. Seit Jahren ein Traum und eigentlich habe ich immer gedacht, es werde ein Traum bleiben......

Bis ungefähr vor drei Jahren, als ich mit meinem Chef wieder mal über die Eigernordwand sprach und er plötzlich meinte. Cristina wenn du 5 Jahre bei bergpunkt arbeitest, dann schenke er mir die Eigernordwand zusammen mit einem Bergführer. Ja und im letzten Juni hatte ich mein 5 jähriges Jubiläum und somit konnte das versprochene Geschenk eingelöst werden. In Ralf Weber habe ich einen sehr guten Bergführer gefunden, mit welchem ich im Voraus als Trainingstouren das Crack Baby und den Frendo Pfeiler machte. Ralf glaubte immer an mich und meinte ich habe die Fähigkeiten um mit ihm in die Eigernodwand zu steigen. Bereits diesen Oktober hätte ich einen Termin mit ihm gehabt. Doch beim Bergsteigen entscheiden immer noch die Berge über ein Go oder Nogo. Und die Verhältnisse und das Wetter waren dann noch nicht gut.... Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben und wir sind so verblieben, dass er mich spontan informiert wenn die Verhältnisse stimmen und er Zeit hat.

Und ja, letzten Mittwoch war es soweit und ich bekam einen Anruf von Ralf. Bis es am Samstag früh dann endlich losging, konnte ich kaum mehr essen, schlafen und alles drehte sich in meinem Kopf nur noch um diese Wand. Ich hatte grosse Angst und Respekt... Konnte ich das wirklich? Bin ich überhaupt bereit... und und und...

Ich sagte mir, wenn du es nicht probierst, weisst du es auch nicht. Also stieg ich am Samstagmorgen beim Stollenloch mit Ralf in die Wand ein. Seit dem letzten Schneefall war Niemand mehr in der Wand. Ralf musste alles spuren und zum Glück war er bereits mehrmals in der Wand und wusste haargenau wo es durchgeht. Ich konzentrierte mich auf meine Tritte mit den Steigeisen und meine zwei Eispickel. Ich war wie im Film, konnte es gar nicht fassen und bewegte mich einfach immer weiter. Der schwierige Riss war wirklich schwierig. Ich habe mich im Vorfeld so oft mit dem Eiger beschäftigt, dass ich all die Namen der Schlüsselstellen kannte und ungefähr wusste was noch kommt. Und dann der Hinterstoisserquergang an alten Fixseilen, ob die wohl halten? Ja ja die halten... ;-)

Am meisten Angst machte mir die Kälte. Doch ich hatte gar keine Zeit zum frieren. Entweder musste ich Ralf sichern oder einfach nachsteigen und wir waren gleichzeitig unterwegs. Irgendwie war ich laufend in Bewegung und schwitzte eher als dass ich fror. Der erste Tag verging wie im Nu und die letzten drei Stunden kletterten wir mit den Stirnlampen. Gerade dann als es so richtig schwierig wurde. Die Felsen waren mit einer dünnen Schicht Wassereis bedeckt, was alles noch viel schwieriger machte. Puh war ich froh als wir vor dem Götterquergang angekommen sind. Hier machten wir unser Biwak. Ich schlief, oder versuchte es zumindest auf einem schmalen Band. Gerade breit genug für mein dünnes Mätteli. Angeseilt mit Klettergurt lag ich im Schlafsack. Die herrliche Sicht auf das beleuchtete Grindelwald, Thun etc. und der wunderschöne Sternenhimmel liessen alles vergessen. Ich wusste dass die wenigen Leute, welchen ich es im Vorfeld erzählt habe, an mich denken und mir Wärme ins Biwak schicken. Ich hatte wirklich angenehm warm und die Nacht verging schnell, obwohl ich praktisch keine Auge zugemacht habe.

Dann am Sonntag kurz nach sieben Uhr starteten wir mit dem Götterquergang. Was dieser mit den Göttern zu tun hat weiss ich nicht, aber ich dachte während dem Klettern öfters an die Götter und dass sie mich doch gefälligst beschützen sollen. Es war ein schwieriger Start und von Anfang an war vollste Konzentration gefordert. Dann in der Spinne erwartete uns schönste Eiskletterei, so wie ich es liebe. Nur die Waden brannten und ich war froh wenn ich ab und zu wieder mit dem ganzen Fuss abstehen konnte. Beim Quarzriss war dann so richtig murksen angesagt. Zum Glück hatte es Schlingen und alte Hacken wo ich mich irgendwie hochwürgen konnte. Elegant sieht definitiv anders aus! ;-) Auch die beiden Ausstiegsrisse waren mit Wassereis und wenig Pulverschnee übergossen und dementsprechend schwierig. Doch ich war ja immer von oben gesichert, machte mir mehr Sorgen um Ralf im Vorstieg. Ein kleiner Fehler von ihm und es hätte fatale Folgen für ihn haben können. Doch er war die Ruhe selbst und es war faszinierend ihm zuzuschauen. Dann beim Gipfeleisfeld litt ich total, die Höhe machte mir extrem zu schaffen. Doch mit dem Ziel vor Augen schaffte ich auch das noch. Und ich war überglücklich als wir kurz vor ein Uhr auf dem Gipfel standen. Meine Gefühle die in mir herrschten sind unbeschreiblich. Freudentränen kullerten mir über die Augen und versuchte ich vor Ralf zu verstecken. Wir umarmten uns und er gratulierte mir und ich dankte ihm für die suveräne Führung. Doch wie jeder Bergsteiger weiss, auf dem Gipfel hat man erst die Hälfte und der Abstieg bedarf dann immer noch volle Konzentration. Für den Abstieg nahmen wir die Westflanke unter die Füsse. Es wurde nochmals alles abverlangt. Da es keine Spur hatte mussten wir alles spuren. Und weil im Abstieg der Gast voraus geht, lag die Spurarbeit an mir. Doch weil ich so im Flash war liess ich mich nicht gross beirren. Und als wir dann Seilfrei unterwegs waren übernahm Ralf die Spurarbeit und es ging noch flotter vorwärts. Um 17.00 Uhr haben wir die Station Eigergletscher erreicht und um 17.10 fuhr auch schon die letzte Bahn nach Grindelwald....

Und heute, einen Tag dannach, sitze ich zu Hause in der warmen Stube. Immer noch müde, aber mit einer unglaublichen inneren Zufriedenheit. Diese zwei Tage werde ich wohl mein Leben lang nie mehr vergessen und all das erlebte kann mir Niemand nehmen und wird mir bestimmt auch an Sportwettkämpfen in Zukunft hilfreich sein, wenn ich wieder mal meine ich kann nicht mehr. Denn irgendwie geht es immer weiter und so schnell haut einem nichts um! ;-)

Denn träume nicht dein Leben sondern lebe deine Träume!!! :-)

Danke an bergpunkt und Ralf, die mir diesen riesen Traum erfüllt haben!!

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Alpenbrevet 276m und 7035Hm

Als ich letzten Sommer mit Nicole die Tortour Challenge so erfolgreich finishen konnte, hat mich der Rennvelovirus so richtig gepackt. Gerne hätte ich mich natürlich zusammen mit Nicole an die grosse Tortour Strecke im Couple gewagt. Doch bereits bald nach der Tortour 2014 war klar, dass bei Nicole schon bald eine andere Challenge ansteht. :-)

Per Zufall wurde ich im Dezember 2014 im Internet auf das Alpenbrevet aufmerksam. Ich musste nicht lange überlegen und habe mich kurzerhand für die längste, sogenannte Platin Strecke über 5 Pässe angemeldet!

Wie immer steht bei mir im Winter aber der Wintersport mit Skitouren und einwenig Langlauf im Vordergrund. Das Velo hole ich jedes Jahr nach Ostern aus dem Winterschlaf und so begann meine eigentliche Vorbereitung auf das Alpenbrevet. Wie bereits in einem früheren Post geschrieben, haben mich im Frühjahr gesundheitliche Probleme etwas zurückgeworfen oder besser gesagt gebremst. Doch mit dem klaren Ziel vor Augen, blieb ich trotz allem immer ziemlich motiviert.

Als ich im Mai wieder mal mit meinem guten Freund Robi im Ausgang war, erzählte ich ihm von meinem Projekt. Nach zwei Bier war er sofort total begeistert und motiviert, mich zu unterstützen und mit mir die gesamte Strecke zu fahren. Robi, ehemaliger Profibiker, war in den letzten Jahren nicht mehr so aktiv und total motiviert wieder mal ein solches Ziel vor Augen zu haben. Auch mich spornte es natürlich umso mehr an zu trainieren. Hatte ich doch grossen Respekt mit einem ehemaligen Elitebiker an den Start zu gehen.

Meine Vorbereitung lief immer wie besser, bis mich am Gigathlon diese doofe Biene stach und ich als Allergikerin ins Spital musste und mit starken Medikamenten vollgepumpt wurde. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, dass mich ein Bienenstich dermassen zurückwerfen kann? Fast drei Wochen ging gar nichts mehr. Zum Glück halfen mir wieder mal tolle Berg- und Klettertouren mit Maria und Res um mich langsam aber sicher wieder zurück zu kämpfen.

Am letzten Freitag, 28. August war es dann endlich soweit. Am Abend traf ich mich mit Robi in Meiringen. Nach einer Henkersmahlzeit auf unserem Gaskocher legten wir uns im Auto schlafen. Doch an Schlaf war für mich nicht zu denken. Die ganze Nacht wälzte ich mich hin und her und konnte vor lauter Aufregung und Nervosität kein Auge zu tun. Sorry Robi, natürlich konnte er dadurch auch nicht wirklich schlafen. Ich war heilfroh, als wir um 5 Uhr endlich aufstehen und frühstücken konnten.

Dann um 6.45 Uhr ertönte der Startschuss und langsam kamen die 2500 Fahrer in Bewegung. Zuerst 10km einfahren und dann ab Innertkirchen in den ersten langen Aufstieg Richtung Grimsel. Ich fühlte mich gut und liess mich nicht stressen. Fuhr einfach mein Tempo, immer schön neben oder hinter Robi. Alle 20 Minuten hiess es von Rob: "so, Cristina wieder was essen". Meistens ass ich auch was, erst gegen Schluss wollte ich ihm nicht mehr so richtig gehorchen! ;-) Unterwegs trafen wir immer wieder auf bekannte Gesichter aus meinem ehemaligen VC Reinach oder natürlich kennen viele Fahrer meinen Bruder und da auf meiner Startnummer mein Name stand, haben mich einige auf ihn angesprochen. So wurde es auf alle Fälle nicht langweilig.

Am zweiten Pass, dem Nufenen, hatte ich meine erste Krise. Mein Rücken schmerzte höllisch und strahlte ins rechte Bein aus. Mein Oberschenkel krampfte und ich litt. Doch zum Glück habe ich die Motivationssprüche meines Bruders auswendig gelernt und ich sagte mir immer wieder: "Allez Cristina, nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch." In der Abfahrt bis nach Airolo konnten wir dann voll Gutzi geben und ich hockte mich einfach in den Windschatten der Männer und blochte volle Kanone den Pass runter. Hirn ausschalten inklusive! ;-)

Ab Airolo war es dann ein Zeitfahren mit kurzen Intervallen bis nach Biasca. Wir waren eine Gruppe von rund 10 Fahrern, doch leider beherrschen nicht alle das Gruppenfahren, so musste ich ab und zu wieder Lücken schliessen, damit ich Robi nicht aus den Augen verlor. Wieder krampfte mein rechter Oberschenkel... In Biasca verpflegte ich mich gut, trank viel Cola und nahm mehrere Salztabletten...

Dann folgte der wohl längste Aufstieg bis auf den Lukmanier. Die Gegend war wunderschön und praktisch kein Verkehr. Nur die Mittagssonne brannte vollgas auf uns nieder. Wir fuhren ein konstantes angenehmes Tempo und an diesem Pass half mir der Spruch: "Cristina, du musst nur drei Sachen tun trinken, essen und trampen." Genau das tat ich und so waren wir schon bald auf dem dritten Pass. Die Abfahrt war dann wieder genial, wir überholten wie immer ein paar Fahrer und ich versuchte Robi in den Kurven am Hinterrad zu bleiben, was natürlich nicht immer ganz einfach war! Ab Disentis empfing uns ein übler Gegenwind. In einer wieder rund 10 köpfigen Gruppe fuhren wir auf den Oberalp, wobei Robi alles führte, keinem anderen Typen kam in den Sinn je Führungsarbeit zu leisten.... Kein Wunder hatte dann Robi auf dem Oberalp seine erste ernsthaftere Krise. Nach einer kurzen Pause und Verpflegung fuhren wir nach Andermatt und weiter nach Wassen.

Bereits im Vorfeld wusste ich, dass der Susten der härteste Pass werden würde. Vielleicht deshalb oder auch sonst, war es dann wirklich so... Ab Meien hatte ich echt zu kämpfen.. ich mochte einfach nichts mehr Essen, schon nur beim Gedanken daran wurde mir übel. Doch irgendwie zwang ich mich zum Glück trotzdem ab und zu noch einen Schluck aus der Geltube zu nehmen. Auch Robi litt und wir fuhren beide mit starrem Blick auf den Asphalt und unser Vorderrad den Berg hoch. Der Spruch von meinem Bruder: "Geniesse die Landschaft, das schöne Wetter etc." half mir da auch nicht mehr viel, irgendwie konnte ich den Blick nicht mehr heben. Hier motivierte mich eher der Spruch: "Cristina, was de hesch, das hesch... " so fuhr ich Kilometer um Kilometer den Berg hoch. Als ich oben auf dem Pass durch den Tunnel fuhr, musste ich kurz ein paar Tränen verdrücken. Ich wusste, jetzt hast du es geschafft, nur noch sorgfältig runterfahren und den Bienen ausweichen, dann bist du im Ziel. Die letzte Abfahrt konnte ich dann noch so richtig geniessen und der letzte kurze Aufstieg bei der Aareschlucht war nur noch Zuckerwasser.... da pushten wir uns gegenseitig hoch. Und nach 13 Stunden und 13 Minuten erreichten wir beide gemeinsam und überglücklich das Ziel in Meiringen und haben die 276km und 7035 Höhenmeter erfolgreich hinter uns gebracht. Ich konnte es kaum fassen und war total überwältigt. Viele Männer haben mir gratuliert und gemeint ich sei sackstark gefahren. Das hat mich natürlich schon etwas geehrt! ;-) Auch die vielen SMS von meinen Freunden, Eltern, Bruder und Schwester berührten mich sehr! Und das schönste ist, dass ich es nicht alleine erleben musste. Robi war ein absolut genialer Begleiter und wie an der Tortour ist geteilte Freude noch viel schöner!

Herzlichen Dank auch an unsere Teamsponsoren, die X-Bionic Bekleidung war sensationell und mit den Sponser Gels kann man es nicht nur länger, sondern auch noch besser! ;-)




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Tour de Suisse Challenge - Morgarten Memorial 14.6.15

Nach dem Höhenflug an der Tortour Challenge im August 2014 zusammen mit Nicole folgten für mich einige Tiefschläge. Nach einem Bergunfall Anfang September, wo ich mir ein Schleudertrauma zuzog, meinte ich, mich ziemlich rasch erholen zu können. Die Psyche war bald wieder parat und auch die Wunden heilten ziemlich rasch. Doch das eine solche Verletzung viel tiefgründiger ist, ahnte ich zu dieser Zeit noch nicht.

Im Herbst und Winter hatte ich dann ständig mit mir unbekannter Müdigkeit zu kämpfen und war viel krank und langsam aber sicher nagten diese Umstände an meiner Psyche. Auch auf meinen geliebten Skitouren konnte ich nicht mehr das gewohnte Aufstiegstempo laufen und war oft, wenn ich wieder mal zu viel wollte gleich wieder krank.

Eine Blutuntersuchung brachte mir dann das Resultat Pfeifferisches Drüsenfieber. Eine unnötige und demotivierende Diagnose. Aber immerhin wusste ich nun was los war und ich versuchte alles etwas ruhiger zu nehmen. Trotzdem konnte ich natürlich nicht auf Sport verzichten. Jedoch nehme ich nun alles etwas gemütlicher.

Nach Ostern holte ich dann mein Rennvelo und das Bike aus dem Winterschlaf und die ersten Ausfahrten bei frühlingshaften Temperaturen warteten auf mich. Auch hier fuhr ich einfach jeweils mein Tempo und liess mich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mich wieder mal jemand in einem Aufstieg oder so überholte.

Die ersten zwei Juniwochen verbrachte ich zusammen mit meinem Freund in Italien. Wir genossen das herrliche Wetter und die schöne Landschaft in der Toscana bei ausgedehnten Ausflügen mit dem Rennvelo. Als Abwechslung zum Velofahren nutzten wir den guten Wind für ein paar Tage Kitesurfen in Talamone. Auch ein Abstecher mit dem Bike auf die coolen Freeridetrails in Punta Ala durfte nicht fehlen. Als krönender Abschluss absolvierten wir noch ein paar lange Pässefahrten im Vinschgau. Noch nie habe ich so viele Velofahrer auf einem Haufen gesehen wie am Stilfser Joch! ;-) In diesen zwei Wochen konnte ich meine Form wieder etwas aufbauen und die Freude ist zurück. Auch wenn es noch nicht so schnell geht wie vor einem Jahr! ;-)

Gut trainiert und total motiviert stand ich am 14. Juni an der Tour de Suisse Challenge in Rotkreuz am Start. Leider habe ich mich zu langsam eingeschätzt und ich musste im zweitletzten Startblock starten. Ein grosser Fehler. Denn die meisten Frauen starteten in den Startblöcken vor mir, einige sogar im ersten Startblock. Die Zeit zählte direkt nach dem Startschuss, obwohl es für mich noch einige Sekunden wenn nicht eine Minute ging bis auch ich endlich in Bewegung kam! Die ersten paar Kilometer war ich dann damit beschäftigt volle Pulle nach Vorne zu fahren. Ich gab einfach alles was ich hatte und überholte Fahrer um Fahrer. Doch die vordersten Gruppen waren einfach schon zu weit weg. Dann kam auch schon der erste längere Aufstieg Richtung Sattel. Den Bergpreis konnte ich somit begraben, weil ich die Frauen aus den ersten Startblöcken natülich nicht einholen konnte. Ich fand dann irgendwann meinen Rhythmus und eine gute Gruppe wo ich mich anschliessen konnte.

Zusammen fuhren wir um den Aegeri und Zugersee. Es war ein riesen Erlebnis, bei den Abahrten keine Angst vor Gegenverkehr zu haben, denn alle Strassen waren für uns gesperrt. Überall Fans am Streckenrand, Begleitfahrzeuge, Polizeicorps etc. Ich fühlte mich fast wie ein Profi! ;-) Die Jungs in meiner Gruppe pushten jeweils die kleinen Rampen hoch und ich legte dann jeweils einen Sprint hin um den Anschluss nicht zu verpassen. Schon bald holten wir andere Gruppen und auch Frauen ein. Bei der ersten Zieldurchfahrt nach 60km waren wir eine Gruppe von rund 20 Fahrern, darunter mit mir vier Frauen.

Dann kam schon bald der steile 5km Anstieg. Leider habe ich mir das Höhenprofil zu wenig gut angeschaut, dachte ich doch der Aufstieg sei nur kurz eine steile Rampe. Also drückte ich von Anfang an grosse Gänge und versuchte die anderen drei Frauen abzuschütteln. Als dann plötzlich ein Zuschauer meinte, weiter so, es sind nur noch 3km Aufstieg!! phhuuu da wusste ich so kann ich nicht weiterdrücken, das verbläst mich. Und ich musste runterschalten. Die drei Frauen schlossen dann bald zu mir auf. Ich versuchte dran zu bleiben, doch ich mit meiner Grösse und meinem Gewicht bin nicht gerade ein Bergfloh und musste die drei irgendwann ziehen lassen. :-( Da wünschte ich mir wieder mal etwas kleiner und zierlicher zu sein! Aber was solls. Die letzten 10km waren dann nochmals ziemlich flach. Doch alleine konnte ich den Anschluss nicht mehr schaffen. Kurz vor dem Ziel konnte ich dann einer Gruppe anschliessen, doch ich schaffte es nicht mehr die drei Frauen einzuholen. Nach 82km mit einer Fahrzeit von 2h und 26min überquerte ich glücklich und zufrieden die Ziellinie. Ich habe alles gegeben, nie überdreht und mein Ziel mehr als erreicht. Beim nächsten Mal werde ich mich einfach auch in den ersten Startblock stellen!

Dank Manuela habe ich dann noch zusammen mit ihr die Rangverkündigung abgewartet und war total überrascht dass ich bei den Frauen Masters (bin halt schon über 30) sogar gewonnen habe! :-) Welch Überraschung. Ein 12-Pack Bier und Shampoo für das Haar ab 40ig ;-) war dann mein Preisgeld!

Ein cooler Event und guter Saisonstart und merci Manuela fürs Anfeuern und die Bilder!!

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Tortour Challenge, 15. August 2014

Auch nach drei Tagen bin ich immer noch völlig im Flash wenn ich an das Abenteuer Tortour Challenge zurückdenke. Es ist immer noch wie im Traum und ich bin überglücklich, dass Nicole und ich dieses Abenteuer so souverän gemeistert haben.... Nun der Reihe nach.

Als wir uns im Januar für dieses Abenteuer eingeschrieben haben, war alles noch so weit weg und uns wurde erst im Verlauf der letzten zwei Monate während der Vorbreitung bewusst was da auf uns eigentlich zukommen sollte. Noch nie hatten wir ein Rennvelorennen absolviert - geschweige denn waren wir so lange am Stück auf dem Rad. Doch wie soll man wissen ob man es schafft wenn man es nicht einfach probiert.

 

Das Wetter war seit Juni ein stetiges auf und ab genau gleich wie meine Motivation. Im Mai war das Wetter so gut, dass ich so viele Kilometer abspulte wie noch nie zuvor und schon bald im Juni hatte ich meine erste Motivationskrise... doch zum Glück habe ich neben dem Radsport noch das Klettern und Bergsteigen welches mir immer wieder die nötige Distanz und Abwechslung brachte.

 

Denn genau eine Woche vor der Tortour konnte ich zusammen mit meinem Chef ein weiteres langersehntes Projekt realisieren. Gemeinsam haben wir den Salbit Westgrat unter 11 Stunden erklettert. Leider mussten wir dann noch einen Abstieg von 2000 Höhenmetern zu Fuss bewältigen... der daraus entstandene Muskelkater begleitete mich dann tatsächlich noch bis zwei Tage vor der Tortour... doch ich war frei und bereit für das nächste grosse Abenteuer.

 

Am Donnerstagmorgen früh fuhr ich zusammen mit meinem Vater nach Basel zur Settelen AG. Dank Stephan Settelen bekamen wir ein günstiges Mietbüsli für unser Projekt. Anschliessend fuhr ich alleine mit dem Büsli weiter nach Schaffhausen in unser Bed & Breakfast wo ich mich mit Nicole und unserem Betreuer Werner traf. Gemeinsam gings zum Check-In und anschliessend direkt zum Briefing in die IWC Arena, welches auch unser Start- und Zielpunkt sein sollte. Nach der wohlverdienten Pasta Party gings zurück zu unserer Basis dem Bed & Breakfast wo wir ein ganzes Haus zur Verfügung hatten. Herzlichen Dank an Beat Hofstetter. Dieses B&B können wir nur weiterempfehlen.

 

Kurz nach 18 Uhr trafen dann auch unsere zwei weiteren Supporter Maria und Dani in Schaffhausen ein. Die Henkersmahlzeit, eine selbstgemachte Lasagne von Nicole und die letzten Teambesprechungen rundete den Tag für Nicole und mich ab. Während wir uns kurz für knapp 3 Stunden aufs Ohr legten machten unsere Supporter noch die letzten Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf während der Tortour. An Schlaf war nicht zu denken, zu viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Ich war froh als ich endlich aufstehen und mich fürs Rennen bereit machen konnte.

 

Dann um 01.15 Uhr wurden Nicole & ich in die dunkle Nacht entlassen. Die ersten 50km absolvierten wir gemeinsam. Unser Teambus fuhr hinter uns her und per Funk wurden wir richtig geleitet. Es war ein riesen Chaos, so viele Fahrer und immer diese Teambusse die im Weg waren. Ein stop and go.... und dann noch der Fight mit dem anderen Frauen Couple. Die beiden waren mit Triathlonrennrädern unterwegs und dementsprechend windschnittig und schnell...

Bei der ersten Timestation passierte schon das erste Missgeschick. Für Nicole war hier Pause angesagt und ich musste weiterfahren. Zuerst wollte ich aber noch kurz meinen Bidon bei den Betreuern wechseln, steuerte in Richtung Trottoirauffahrt, als mir irgend so ein komischer Zuschauer in die Quere kam, ich kurz ausweichen wollte und mein Vorderrad wegrutschte und ich voller Wucht seitwärts auf den Asphalt knallte. Meine rechte Hüfte und der rechte Unterarm sowie der Kopf schmerzte.... ich hob mein Rennvelo auf und stürmte mit sturmen Kopf meinen Betreuern entgegen. Kurz was essen und weiter gings. Die Schmerzen waren hart und ich musste echt beissen. Ich konnte nicht mehr wie gewünscht Druck auf die Pedale geben und auch mein Schädel brummte. Ach wie ich mich verfluchte.... warum dieses Missgeschick.... ich war zu fest im Rennfieber... irgendwie versuchte ich die schlechten Gedanken wegzubringen... es wird schon irgendwie gehen sagte ich mir. Die nächsten 65km war ich alleine unterwegs und versuchte die Pace möglichst hoch zu halten... doch mein rechter Rücken schmerzte und ich musste mich immer wieder aus dem Sattel heben....

Dann bei der zweiten Timestation passierte nochmals ein Missgeschick. Im Roadbook unserer Betreuer war die Timestation falsch eingezeichnet... als ich dort ankam herschte ein riesen Chaos, keine Timestation war da und auch andere Fahrer waren da gestrandet und wussten nicht wie weiter. Ein Begleittöff war am Funken mit der Zentrale... so gingen die Minten vorbei. Irgendwann packte ich wieder das Velo und sagte bei mir auf dem GPS stand noch 1.5km... Nicole und alle Betreuer stiegen wieder ins Auto und folgten mir. Dann tatsächlich nach 1.5km kam die richtige Timestation... auch das kostete uns wieder wertvolle Minuten....Nun konnte ich eine Pause einlegen, während Nicole die nächsten 70km von Obrriet bis Chur absolvierte...

 

In Chur hatte ich gerade noch kurz Zeit für einen Toitoi Stop bevor Nicole auch schon mit einem riesen Smile angebraust kam. Der Wechsel funktionierte tadellos und für mich ging es weiter auf die nächsten 65km bis nach Disentis... Dank der Massage von Maria ging es dem Rücken wieder besser... nur jetzt strahlte es ins rechte Knie aus... auch dies versuchte ich wegzudenken und ich konzentrierte mich aufs Fahren.... dieser Streckenabschnitt war landschaftlich sehr schön und liess die Wehwechen etwas vergessen. Es lief mir gut und unser super Betreuerteam unterstützte mich wo sie nur konnten mit Anfeuerungsrufen, Cola- und Bouillonstops etc... Dank den Sonnenstrahlen war es angenehm warm. Ich war froh als ich endlich Disentis erreichte und dort sogar von Res und Christof (Mann von Nicole) empfangen wurde. Sowieso herschte unter den Fahrern und den anderen Betreuerteams immer eine super Stimmung und man feuerte sich gegenseitig an.

 

Nun kam die happigste Etappe für Nicole. Von Disentis musste sie zuerst den Oberalp und dann noch den Furka bezwingen. Zuerst schien die Sonne und dann auf dem Oberalp wurde es arschkalt und regnete in Strömen. Zum Glück war dann der Aufstieg auf den Furka wieder trocken und dank der Bouillon konnte sich Nicole jeweils wieder etwas von innen wärmen...

 

Auf dem Furka übernahm wieder ich den Chip. Bei Regen und Nebel ging es gleich in die erste Abfahrt nach Gletsch... von Gletsch kam der kurze Gegenanstieg auf die Grimsel... es blies ein fieser Gegenwind, dass ich zum Teil richtig hart trampen musste um überhaupt vorwärts zu kommen. Oben auf der Grimsel empfing mich strömender Regen und dicker Nebel. Ich liess mich nicht beirren und fuhr gleich in die Abfahrt. Wegen dem Wind musste ich auch in der Abfahrt derart trampen, dass ich nie kalt hatte... ich überholte einige Fahrer und auch Autos und war so richtig im Flow... das nasse Terrain und die difuse Sicht machte mir unheimlich Spass... meine Supporter kamen anscheinend etwas ins Schwitzen weil sie mir fast nicht folgen konnten und sich anscheinend (unbegründent) auch noch Sorgen um mich machten, weil ich doch tatsächlich bis zu 90km/h runterblochte!! ;-)

Im Aufstieg zum Brünig wurde es dann wärmer und in meinen Regenhosen schwitzte ich gehörig, doch abziehen kam für mich nicht in Frage, ich wollte ohne Pause durchziehen. Die Abfahrt vom Brünig war dann trocken und dort konnte ich nochmals richtig Gas geben, nurz zwei Rotlichtsignale haben meine rasante Abfahrt leider etwas gebremst. Zum Glück gab Dani mit dem Teambus nochmals richtig Gas, so dass sie Nicole gerade rechtzeitig an der Timestation ausladen konnten!

 

Nicole absolvierte dann die nächsten 50km bis nach Sempach und zog ein super Tempo durch, obwohl sie die letzten 5km noch so richtig verschifft wurde.

 

Meine letzte Etappe von Sempach nach Glattfelden startete auch bei Regen. Mittendrin hörte es wieder auf, bevor es dann nochmals bis am Ende so richtig aus Kübeln regnete. Auf dieser letzten Etappe lief so einiges schief, einmal habe ich mich kurz verfahren und dann gleich verflucht und weiter musste ich an jedem Lichtsignal warten, ich hatte die Rote Karte gezogen.... das nervte mich gehörig... doch über Rotlicht fahren war an der Tortour leider nicht erlaubt! ;-) Und dann bekam ich rund 20km vor Schluss auch noch Besuch vom berühmt berüchtigten Hammermann!! Er zeigte es mir so richtig und nur dank meinem super Team im Hintergrund konnte ich diese schlechte Phase überwinden und für die letzten Kilometer nochmals ungeahnte Energie freischaufeln... in Glattfelden wurden wir von meinen Eltern, meiner Schwester, Res, Christof, Conny, Katrin und Rolf und vielen weiteren Fans mit Applaus empfangen... Hühnerhaut pur... ich konnte es kaum fassen, für mich war hier Schluss und wir waren immer noch so gut drin und Nicole musste es nur noch heim fahren...

 

Nicole absolvierte dann die letzten 44km bis nach Schaffhausen. Unterwegs hatten wir oder besser gesagt Nicole nochmals ein paar Schutzengel. Auf einer unübersichtlichen Strasse kam eine Autofahrerin mit einem viel zu hohen Tempo entgegen und als sie abbremste schlidderte sie geradewegs auf Nicole zu... ich musste es zum Glück nicht mitansehen, doch unsere Supporter waren richtig geschockt denn nur ganz knapp vor Nicole kam das Auto zum Glück zum Stillstand.... Werner hat ihr dann klar gemacht, dass noch weitere Velofahrer unterwegs sind und sie doch bitte anständig fahren soll... Nicole liess sich gar nicht viel anmerken und fuhr weiter.... Dann schon bald waren wir in Schaffhausen angekommen und wir fielen uns vor Glück in die Arme...

 

Eine Begleiteskorpe mit zwei Töffs begleitete uns noch bis ins Ziel in die IWC Arena wo wir mit tosendem Applaus von unseren Fans empfangen wurden... Glücklich, zufrieden und total happy haben wir gemeinsam dieses Abenteuer geschafft. Mit 22h Fahrzeit waren wir sogar über eine Stunde schneller als auf unserem geplanten Timetable und dies bei den schwierigen Verhältnissen! Ich bin unglaublich stolz auf uns und kann es immer noch kaum glauben.

 

Ein herzliches Dankeschön an unsere drei super und unglaublichen Supporter Maria, Dani und Werner. Dank euch war dieses Erlebnis erst überhaupt möglich ihr wart einfach Weltklasse. Danke auch an X-Bionic für die super Bekleidung für jedes Wetter, Sponser für die Energie unterwegs, Swiss Cycling für den tollen Funk, Settelen für unsren Teambus und natürlich an alle die an uns gelaubt haben und uns auf I believe in you finanziell unterstützt haben! Auch die vielen SMS, Mails und Unterstützung unterwegs am Streckenrand...

 

und der grösste Dank gilt Nicole - merci für dieses geniale Abenteuer, die vielen gemeinsamen Trainings die Unterstützung bei Hochs und Tiefs, die vielen Lacher unterwegs und einfach alles! Du warst Spitze.

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Tourtour Challenge 2014 – 2 Ladies - 1 Ziel!

Im Januar 2014 hat mich Nicole angefragt mit ihr an der diesjährigen Tortour Challenge – einem nonstop Radrennen mit 560km und mehr als 8000 Höhenmeter quer durch die Schweiz – in einem Frauencouple teilzunehmen. Ich musste natürlich nicht lange überlegen und war sofort Feuer und Flamme!

Total motiviert sind wir beide im Frühling in die Rennvelosaison gestartet und haben gemeinsam schon einige Kilometer abgespult. Für die freien Tage über Auffahrt haben wir uns vorgenommen an zwei Tagen 6 Etappen abzufahren.

 

Am Auffahrtsdonnerstag trafen wir uns kurz vor 7 Uhr in Bern am Bahnhof. Ausgerüstet mit X-BIONIC-Bekleidung, unseren BMC-granfondo-Rennvelo und natürlich mit Kaffee und Brötli gings auf den Zug Richtung Luzern und von dort weiter bis nach Sachseln. In Sachseln angekommen erwartete uns zum Glück recht mildes und vor allem trockenes Wetter. Mit Karte und GPS ging es los auf die erste Etappe von 50 km bis nach Sempach. Wir harmonierten gut und wechselten uns bei der Führung ab. Zweimal hat uns das GPS kurz im Stich gelassen und uns falsch geleitet, doch dank der „altmodischen“ Art mit Karte fanden wir schnell den Weg zurück auf die Originalstrecke.

 

Da in Sempach an diesem Feiertag leider alle Kaffees geschlossen waren, verpflegten wir uns mit unseren Sponser Riegeln und weiter gings auf die zweite Etappe von 90 km. Zuerst kam ein „kleiner“ Berg (Vogelsang) bevor es durch wunderschöne Landschaften, Wälder, Wiesen und herzige Dörfer ging. Kurz vor der nächsten Wechselzone Glattfelden kam noch der «Siglisdorfer-Hoger», ein kurzer aber heftiger Gegenanstieg. In Glattfelden genehmigten wir uns eine kurze Pause auf der sonnigen Gartenterrasse vom Hotel riverside mit Sandwich und Cola.

 

Frisch gestärkt ging es auf die letzte Etappe von 44 km bis nach Schaffhausen. Friedrich (mein Bruder) hat mich noch davor gewarnt, dass wir uns bei der Einfahrt in Schaffhausen noch nicht am Ziel wähnen sollen, denn es folgte noch eine wirklich unnötige Schlaufe über Deutsches Gebiet und einen letzten kurzen „Hoger“ bis wir endlich bei der BBC Arena eintrafen. Nach rund 185km und einigen Höhenmetern kamen wir müde, aber glücklich im Tortour Ziel an. Zum Glück hatte es gleich nebenan ein schönes Hotel ,wo wir als sogenannte Walk-Ins (Nicole als Hotelfachfrau wusste wie zu märten) ein Doppelzimmer zu einem Spezialpreis bekamen! :-)

 

Ein feines Abendessen mit Pizza und Lasagne und dazu einem feinen Glas Wein rundete den tollen Tag ab.

Am Freitag ging es um 9 Uhr nach einem reichhaltigen Morgenessen weiter. Die Wolken waren bereits dunkel und die Temperatur einiges frischer als noch am Vortag. Eigentlich wollten wir die Tour am Startpunkt bei der IWC Arena starten, doch weil wir zweimal falsch geleitet wurden verliessen mich die Nerven und wir starteten unten am Rhein auf die 50km Etappe welche wir an der Tortour gemeinsam fahren werden. Doch schon bald mussten wir einen Umweg fahren, weil die Tortour Strecke über Schnellstrassen führt welche für Velofahrer tabu sind. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Bruder, der uns bestätigte dass das wirklich die Tortour Strecke ist und das Fahren am Rennen erlaubt ist, fuhren wir weiter. Kurz vor Kreuzlingen kamen wir noch in ein riesen Verkehrschaos. Zum Glück sind wir an der Tortour auf dieser Strecke um 2 Uhr morgens, also mitten in der Nacht und wohl ohne grossen Verkehr unterwegs. Zudem stoppten uns die ersten Regentropfen – es wurde nass und kalt.

 

Die zweite Etappe war nochmals 64km. Weil es bereits geregnet hatte und die Strasse nass war, waren auch wir schon bald von oben bis unten durchnässt und hatten dementsprechend auch ziemlich kalt. Weiter war auch der zweite Abschnitt sehr langweilig, die ganze Zeit auf der Schnellstrasse mit viel Verkehr und man musste die ganze Zeit aufpassen, dass wir nicht von einem Auto abgeschossen wurden. Kurz vor der nächsten Wechselzone suchten wir ein gemütliches Kaffee auf, stärkten uns mit einem warmen Getränk und Käsekuchen und besprachen das weitere Vorgehen. Zum Glück war auch Nicole die Motivation vergangen – wir waren beide am schlotterten und ein Weiterfahren bis Chur hätte keinen Sinn mehr gemacht. Wir entschieden uns die Tour kurz vor Oberriet abzubrechen und trockene Kleider anzuziehen. Wir kommen dann bestimmt zurück wenn das Wetter wieder besser ist.

 

Schon eine halbe Stunde später waren wir im Zug zurück nach Bern. Auf der Reise hatten wir dann genügend Zeit uns über das Projekt und die Finanzierung zu unterhalten. Da wir noch mit einigen Auslagen zu rechnen haben sind wir auf die Unterstützung von Gönnern angewiesen. Wenn du uns bei unserem grossen Projekt mit einem „Batzen“ unterstützen möchtest, freuen wir uns sehr. Hier erfährst du mehr über unser Projekt und wie und mit was du uns dabei unterstützen kannst!

 

Wir freuen uns und geben alles, damit wir im August gemeinsam innerhalb der 24 Stunden das Ziel in Schaffhausen glücklich und gesund erreichen werden!

Nicole & Cristina

 

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Patrouille des Glaciers

"Weiterkommen am Berg" genau nach dem Slogan unseres Startplatzsponsors und meines Arbeitgebers bergpunkt.ch kann man unsere Teilnahme an der diesjährigen Patrouille des Glaciers in kurze Worte fassen. Aber nun der Reihe nach:

Im September letzten Jahres kam mir spontan die grandiose Idee an der nächsten Patrouille des Glaciers teilzunehmen. Bereits im 2010 als absoluter Skitourenneuling bin ich kurzfristig in einem Frauenteam eingesprungen und habe damals mit den beiden finishen können. Eigentlich wollte ich mir diese Strapazen nie mehr antun, doch irgendwie glustete es mich trotzdem wieder.

In meinen zwei Kletter- und Bergsteigerkolleginnen Andrea und Maria fand ich sofort zwei begeisterte und total motivierte Teamgspändli. Ich musste den beiden zwar am Anfang schon sehr gut zureden, doch schon bald waren sie Feuer und Flamme und ich meldete uns an. Dann begann die Geduldsprobe, denn erst Ende Dezember 2013 wurde bekannt, dass wir einen der begehrten Startplätze ergattern konnten.

 

Das Training konnte beginnen. Nur wo blieb der lang ersehnte Schnee. Meine Skitourensaison begann erst im Januar und auch hier liess der Schnee zu wünschen übrig. Gemeinsam unternahmen wir auch ein paar Mal ein Abendtraining der Piste entlang - nicht gerade etwas was wir den Tag durch machen würden! Aber in der Nacht sah uns ja niemand und wir mussten uns nicht schämen! ;-)

 

Aber mehrheitlich unternahmen wir gemeinsame Skitouren abseits des Rummels in tollem Pulverschnee und konnten uns so aneinander gewöhnen.

 

Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war es April und der Schnee bei uns praktisch weg. Und so stieg die Nervosität. Plötzlich verfielen auch wir in Gewichtssparirsinn. Eine leichte Schaufel und Sonde konnten wir zum Teil ausleihen oder besorgten wir uns günstig. Zum Glück haben wir alle drei neben unseren breiten Latten, einen etwas schmäleren, aber immer noch recht breiten aber immerhin leichteren Ski. Ich besorgte mir noch einen leichten Dynafit Rucksack (den kann ich auch auf dem Bike gebrauchen). Nur leider waren meine Skis für die Halterung zu breit und ich musste etwas improvisieren. Nur einen engen Rennanzug, nein das war dann doch zuviel und um so etwas anzuziehen hatten wir dann doch zuviel stolz! :-)

 

Dann die Hektik ein paar Tage vor Start. Es schneite und schneite und die Wetterprognosen versprachen nichts Gutes. Dann die Nachricht, dass der Start um 24 Stunden auf den nächsten Tag verschoben wurde. Mit grossem Ungewissen ob wir wohl überhaupt starten können, reisten Andrea, Maria und ich am 30. April ganz nervös mit dem Zug nach Zermatt. Ab Visp war der Zug pumpenvoll mit 3er Patrouillen. Zum Glück hat uns während der Fahrt nach Zermatt keiner zugehört. Aus lauter Nervosität plapperten wir so viel Mist zusammen, dass man hätte denken können wir sind pupertierende Jungs!! ;-)

 

In Zermatt ging es direkt zur Material und ID Kontrolle. Es lief alles wie am Schnürchen und die Militärjungs hatten bestimmt Freude an uns! Ein Witzchen da und ein Lächeln dort und geschmeidig kamen wir durch jede Kontrolle und bekamen sogar noch Schokolade und sonstige Süssigkeiten! Auch sah ich einige bekannte Gesichter von Gigathlon und sonstigen Ausdaueranlässen. Dann bekamen wir ein tolles 4-Sternhotel zugeteilt wo wir uns auf den Start vorbereiten konnten.

 

Dann endlich um 21.45 Uhr war es endlich soweit und der Startschuss ertönte. Zusammen mit rund 75 anderen 3er Patrouillen machten wir uns auf den Weg. Zuerst ging es rund 550hm zu Fuss mit den Skis am Rücken auf Richtung Stafel. Wir starteten gemütlich. Es war sowieso eine riesen Kolonne auf dem Wanderweg und überholen hätte nur Kraft gekostet. Dann in Stafel erwartete uns Domi, der Freund von Maria. Es hiess Turnschuhe ausziehen, Skischuhe an und ab auf die Skis Richtung Schönbielhütte. Zeitlimite bis Schönbiel war drei Stunden. Da ich nicht genau wusste wie weit es noch war drückte ich etwas aufs Gaspedal, damit es auch reichen wird. Dann bei der Schönbielhütte hatten wir genügend Reservere und mussten ab sofort angeseilt den weiteren Weg unter die Skis nehmen.

 

Weiter gings Richtung Tête Blanche. Es hatte zwei Spuren und kamen immer mehr Patrouillen, auch schnellere die später gestartet sind. Schon bald mussten wir anstehen, weil eine etwas steilere Querpassage kam und viele Patrouillen mit den schmalen Skis und dem eisigen Gelände überfordert waren. Das kostete Nerven und Geduld war nicht gerade unser dreier Stärke. Doch aufregen nutzte auch nicht viel. Sowieso war es ein riesen Durcheinander mit den Seilen, den Überholenden etc. oft liess ich einfach andere Patrouillen passieren, weil es mir zu doof war in ein Seilgerangel zu kommen. Und selber überholen liessen wir aus Kraftgründen bleiben, dann trotteten wir halt einfach hinterher. Dann auf ca. 3200müM bekam ich plötzlich wie aus dem Nichts grosse Probleme mit der Höhe. Mir wurde kotzübel und ich fühlte mich total scheisse. Wir mussten wegen mir etwas langsamer laufen, Cola trinken und gutes Zureden und verjagen von negativen Gedanken halfen mir über die Runden. Doch der Weg bis Tête Blanche kam mir sehr sehr weit vor... und dann noch die Kälte. Mit dem Windchill ergab es auf der Tête Blanche -18 Grad. Ich war gottenfroh um meine warme Daunenjacke, die Daunenhandschuhe und dass ich nicht in einem solchen dünnen Renndress unterwegs war. Ein netter Angestellter der Schweizer Armee half mir meine Schuhe für die Abfahrt zu schliessen, weil ich die Finger nicht mehr spürte.

 

Dann kam die Abfahrt am Seil. Maria und ich, wir haben das zum Glück zusammen geübt. Ich war Seilerste und Maria hatte den schwersten Part in der Mitte. Für Andrea war es das erste Mal und deshalb natürlich auch noch etwas ungewohnt, aber gemeinsam meisterten wir die erste Abfahrt durch tollen Pulverschnee, hier waren Maria und ich dankbar für unsere breiten Skis!! :-) dann kam nochmals ein kleiner Gegenanstieg. Und hier hatte Andrea leider mit starken Bauchkrämpfen zu leiden. Wir kamen nur sehr schleppend voran und mussten Andrea motivieren weiterzugehen, sie biss sich super durch. Die Abfahrt war für Maria und mich ziemlich spassig, wir genossen den Pulverschnee und liessen einige Juchzer fallen. Andrea hatte zu kämpfen und es musste hart für sie gewesen sein. Doch zum Glück kamen wir noch rechtzeitig nach Arolla. In Arolla erwarteten uns die Eltern von Andrea mit Esswaren und frischen Getränken. Leider war mein Appetit nicht wirklich gross und ich brachte praktisch keinen Bissen runter, wenn das nur gut kommt?

Wir wussten nun wird es eng, die nächsten Zeitlimiten sind streng und wir müssen wieder etwas mehr Gas geben. Andrea wusste, dass es mit solchen Bauchschmerzen nicht weitergeht und sie liess Maria und mich zu zweit weiterziehen und beendete in Arolla das Rennen.

 

Und weiter gings. Ab Arolla folgten 700 steile Höhenmeter den Skipisten entlang. Gleichzeitig sind Patrouillen auf der kleinen Strecke von Arolla nach Verbier gestartet. Diese waren natürlich noch frisch und munter und es war schon ziemlich hart wenn dich diese wie aus dem nichts überholten. Wir trafen aber immer wieder dieslben Patrouillen an. Dann kurz vor der ersten Portage überholte uns die schnellse Frauenpatrouille. Mit Andrea Huser und Milena waren Sportprofis am Werk und die hatten natürlich eine Hightech Ausrüstung. Aber es tat gut als ich sah, dass Andrea von ihrer Teamkollegin an einer Reepschnur abgeschleppt wurde. Das machen übrigens ganz viele Patrouillen. Wenn der eine nicht mehr mag, wird er am Klettergurt mit enem Karabiner und Reepschnur angemacht und der fitteste der Patrouille schleppt diesen ab. Leider hatten Maria und ich keinen Abschleppdienst!! ;-)

 

Dann beim Col de Riedmatten, welchen wir in einer super Zeit erreichten mussten wir rund eine Stunde anstehen bis wir endlich am Fixseil runter konnten. Das war eine Geduldsprobe und auch eine ziemlich kalte Angelegenheit. Die schnellen Teams wurden auf der rechten Spur einfach durchgelassen.... Der Event ist einfach mittlerweile viel zu gross, es kann doch nicht sein dass man unterwegs eine Stunde warten muss.... sie würden besser die kleine Strecke nicht mehr anbieten. Dann gäbe es auch keinen grossen Stau.

 

Dann kam schon bald der mühsame Streckenabschnitt, die 4km dem Stausee entlang bis La Barma. Wir fellten auf und kamen ziemlich zügig vorwärts, doch es war bereits brütend heiss und die Sonne strahlte mit voller Kraft auf uns runter. Beim Streckenposten in La Barma verpflegten wir uns und Maria sass gemütlich in den Schnee. Irgendwann ging es weiter. Am Anfang noch recht gut. Wir beide liefen einfach unser Tempo und Maria hatte zum Glück ihren I-Pod dabei, da war ich auch etwas eifersüchtig! Plötzlich wie aus dem Nichts wurde mir wieder kotzelend, die Hitze machte mir zu schaffen. Ich überhitzte fast. Maria versuchte mich zu motivieren, wollte mir den Rucksack abnehmen, doch ich zickte nur rum. Ich legte mich kurz in den Schnee, zog Jacke, Stirnband, Handschuhe einfach alles aus. Und versuchte mich zu kühlen, leider gab es aber niergends einen schattigen Platz. Ich wusste es gab nur einen Weg und zwar den Richtung Rosablanche. Irgendwie schleppte ich mich zum nächsten Wechselpunkt wo wir wieder die Skis auf den Rucksack binden mussten und es zu Fuss weiter ging. Auch hier gingen wir beide unser Tempo. Wow... es lief plötlich wieder wie am Schnürchen, die neue Bewegung tat gut und je höher ich kam, je mehr kam ein frischer, kühler Wind auf, der in mir wieder das Leben erweckte. Ich überholte viele Läufer und war richtig im Element. Oben angekommen empfing mich Alain, der Freund von Andrea, mit Cola, Käse und netten Worten. Ich wusste nicht, dass der Hammermann nun bei Maria angekommen war. Sie litt und hatte Mühe. Oben wartete ich sehnsüchtig auf sie und war fro als ich sie sah. Nun war die Zickerei auf ihrer Seite. Wir sind halt einfach Weiber und wenns nicht läuft wird gezickt. Zum Glück wissen wir beide, dass wir es sowieso nicht so meinen und es war nie ein Problem. Ich versuchte einfach nicht zu viel zu sagen und sie irgendwie zu motivieren. Dass noch so eine doofe lange Traverse mit Skaten und Stöckeln kam wusste ich echt nicht, aber auch diesen Abschnitt und den letzten kurzen Aufstieg von 200 Höhenmeter auf den Col de la Chaux meisterten wir. Dann kam die letzte langersehnte Abfahrt nach Verbier. Zum Teil mussten wir kurz aus den Skiern und die Skis ein Stück weit tragen.

 

Als wir in Verbier ankamen waren am Dorfrand meine Eltern und meine Schwester die uns in Empfang nahmen. Ich musste meine Tränen unterdrücken als ich sie sah... so schön, die haben so lange ausgeharrt und waren so stolz auf uns beide.... dann mussten wir noch rund einen KM durch das Dorf marschieren bis wir endlich überglücklich und auch stolz über unsere Leistung und den grossen Durchhaltewillen die Ziellinie überqueren konnten. Wir fielen uns in die Arme und ein riesen Steinbrocken fiel mir vom Herzen. Diese Strapazen zu teilen war einfach unglaublich und ich bin so stolz auf Maria, sie ist unglaublich fit und ohne sie hätte ich mich unterwegs irgendwo in den Schnee gelegt und wäre nicht mehr aufgestanden.

 

Andrea erwartete uns bereits sehnsüchtig im Ziel und es war schön sie wieder zu sehen und gemeinsam über das Erlebte bei einem Bierchen anzustossen.

 

Unterwegs habe ich mich tausendmal verflucht, dass ich mir sowas antun muss. Doch nun nach einem Tag wieder im Büro und gutem Schlaf überwiegen nur noch die positiven Gefühle und ich bin einfach nur dankbar dass wir es geschafft haben und die Freundschaft zu Maria und Andrea hat dieses Erlebnis nur vertieft und wir kennen uns noch besser und werden bestimmt noch in 10 Jahren darüber lachen und Witze erzählen können.

 

Merci an alle die an uns gedacht haben uns mit SMS und lieben Worten vor und nach dem Rennen unterstützt haben. Das ist einfach der Wahnsinn.... merci liebe Frauen des X-Bionic Ladies Team

 

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