Trans Portugal MTB Stage Race 5. – 13.5.18

Wie kommt man auf die Idee sich für ein MTB Etappenrennen in Portugal anzumelden? Im letzten Herbst hat mir Susanne erzählt, dass Markus, ihr Partner, sich zusammen mit seinem Freund Reto für das Trans Portugal MTB Stage Race angemeldet hätte und dass das sicher auch was für Philippe und mich wäre. Schnell begeistert und kurz entschlossen, haben wir uns für diesen Event angemeldet, ohne alle Details genau studiert zu haben. Das MTB Trans Portugal Stage Race geht in acht aufeinanderfolgenden Etappen über 920 km und 16'000 hm von Chaves im Norden nach Sagres im Süden. Die Strecke ist nicht ausgeschildert, die Tracks werden den Teilnehmern auf das GPS geladen. Beim genaueren Studieren des Reglements haben wir dann noch herausgefunden, dass Philippe und ich am Morgen jeweils nicht zusammen starten können, da je nach Alter und Geschlecht ein Handicap berechnet wurde. Um diese Zeitbonifikation durften die älteren Männer sowie die Frauen am Morgen früher starten. Etappensieger wird somit nicht der Schnellste, sondern derjenige, welcher zuerst das Ziel erreicht. Zwei Wochen vor dem Anlass begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen, da mit dem Versand des Racebooklets alle Details inklusive Zeitlimiten publiziert wurden. Zeitlimiten? Ich dachte, ich könnte einfach fahren, bis es dunkel würde, aber dem war nicht so. Zudem führt die längste Etappe über 188 km und 2000 hm, mit Start für die ersten Fahrer kurz vor 7 Uhr und Zielschluss um 20:30 Uhr. Bei den kürzeren Etappen steht dann natürlich entsprechend weniger Zeit zur Verfügung.

 

Am Donnerstagabend 3. Mai startete unsere Reise nach Portugal. Wegen eines medizinischen Notfalls im Anflug nach Zürich, landete unser Flieger mit 2 ½-stündiger Verspätung in Lissabon. Wir hatten geschlagene 4 Stunden auf unseren Abflug in Zürich gewartet. Es konnte also nur noch besser kommen, und so war es zum Glück auch. Am Flughafen wurden wir von Fred, dem Race Director, abgeholt und ins Hotel gefahren. Am Freitag blieb noch etwas Zeit, um Lissabon anzuschauen. Wir besichtigten den Torre de Belém und genossen natürlich auch ein paar Pastéis de Belém in der dort ansässigen Konditorei. Für den Abend empfahl uns Fred ein feines Fischrestaurant in Hotelnähe, wo wir uns zusammen mit Markus und Reto verwöhnen liessen. Diverse andere Teilnehmer waren inzwischen auch angereist, so auch Kathi und Felix aus Zürich. Insgesamt waren rund 90 Teilnehmer aus diversen Nationen gemeldet, davon 7 Frauen. Neben den Portugiesen bildeten die Südafrikaner das zweitgrösste Teilnehmerfeld. Es gab aber auch Fahrer aus Amerika, Kanada, Belgien, Holland, Frankreich und Österreich.

 

Am Samstagmorgen wurden wir mit einem Car in den Norden nach Chaves gefahren. Dort galt es die Bikes zusammenzusetzen und die vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Rolltaschen zu packen. Vor dem Abendessen gab es eine längere Informationsveranstaltung zum Rennen und danach noch das halbstündige Racebriefing für die kommende Etappe. Hier informierte Tiago, der zweite Race Director, jeweils über die Details der Strecke, z.B. über steile Anstiege, technische Passagen, wo es Wasserhähnen oder Kaffee gibt. Obwohl, Zeit für einen Kaffee gab es nicht wirklich. Zwei oder dreimal gönnten wir uns eine Cola.

Man merkte schon bald, dass dies ein Anlass war, der jeweils mit viel Herzblut organisiert wird. Insgesamt sind neben den Teilnehmern noch etwa 40 Personen als Staff dabei, viele schon seit mehreren Jahren. Jeder hat seine Zuständigkeit, von den beiden Race Directoren, über Medical Staff, Masseure, Bikemechaniker, Zeitmess-, Catering- sowie Transportverantwortlichen bis zur Journalistin war alles dabei. Der Event wurde bereits zum 16. Mal durchgeführt und immer wieder optimiert. Dieses Jahr wurden die Teilnehmer erstmals mit Trackern ausgerüstet. So wusste der Veranstalter immer, wo die Teilnehmer sind. Das Finishershirt bekommt nur, wer alle acht Etappen innerhalb der Zeitlimiten finishen kann und nie mehr als 100 m vom Track entfernt war, d.h. man durfte sich schon vom Track entfernen, musste ihn aber da fortsetzen, wo man ihn verlassen hatte.

Am Sonntagmorgen 6. Mai startete das Rennen mit den älteren Teilnehmern und den Frauen zuerst. Ich war jeweils in der dritten Startgruppe. Wir waren sieben in unserem Block, vier Frauen und drei Männer. Die anderen waren alle schneller und nach spätestens 5 km sah ich sie nicht mehr. Ich war supernervös, da ich nun alleine nach GPS fahren musste. Dies klappte aber trotzdem von Anfang an recht gut, so dass, wenn ich zwischendurch mal falsch abbog, dies nach wenigen Metern merkte und wieder auf den richtigen Kurs einschwenken konnte. Nur einmal hatte das GPS nach 10 km ein schwarzes Display und ich stand alleine irgendwo. Nach zwei Hardresets hatte ich das Ding dann zum Glück wieder zum Laufen gebracht. Nach etwa 1 ½ Stunden konnte ich zu Kathi aufschliessen, die vor mir gestartet war und nach gut 2 Stunden hatten mich dann Philippe, Markus und Reto eingeholt. Markus und Reto zogen weiter. Der Plan von Philippe und mir war, die Etappen jeweils zu zweit zu Ende zu fahren. Diesen Plan hatten auch Kathi und Felix. Die Zeitlimite war schon am ersten Tag eine Herausforderung, hatte es doch schon ein paar sehr steile Offroad-Rampen, wo ich schieben musste und auch ein paar technische, insbesondere vom Regen ausgewaschene Stellen, wo ich auch nicht alles fahren konnte. Einen Sturz musste ich schon am ersten Tag wegstecken, als ich in einer Rille hängen blieb und nicht mehr rechtzeitig aus den Klickpedalen kam. Auf den letzten 20 km ging es einer Bahnlinie entlang immer leicht runter jedoch mit Gegenwind. Wir wurden auf unseren Hardtails ziemlich durchgeschüttelt, waren aber schliesslich 25 Minuten vor Zielschluss am ersten Zielort. Im Ziel gab es immer feine Zielverpflegung. Von Kartoffelsalat, Tomatensalat, über Käse, Brot, Cola, Bier, Recovery Shake bis zum Fruchtsalat war alles da.

 

Ich war happy, die erste Etappe geschafft zu haben und nahm es nun von Tag zu Tag. Dass es mir gelingen würde, alle acht Etappen innerhalb der Zeitlimiten zu finishen, davon hatte ich nicht mal zu träumen gewagt. Insbesondere die dritte Etappe, mit über 3000 hm und die fünfte Etappe mit 188 km, lagen mir ziemlich auf dem Magen. Auf der letzten Etappe bekam ich dann nochmals kurz Panik, ob wir diese in der Zeitlimite schaffen würden. Wir mussten bei aufkommender Flut 700 m einem Strand entlanglaufen und ich wurde von einer Welle erwischt, so dass ich von Kopf bis Fuss inkl. Helm und Handy nass wurde. Bis zum Ziel waren es noch 30 km und wir hatten noch 2 Stunden Zeit. Zum Glück waren die letzten 25 km nicht mehr technisch, trotzdem bin ich im tiefen Sand nochmals zu Fall gekommen und habe mein bereits aufgeschürftes Knie nochmals aufgeschlagen. Wir schafften es auch am letzten Tag noch vor der Zeitlimite die Ziellinie zu überqueren.

 

Fazit: Für mich war es eine sehr intensives und körperlich herausforderndes Erlebnis, wenn nicht sogar das sportlich Anstrengendste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Die vom bergigen Norden, ins wellige Mitteland bis ans Meer in den Süden immer wieder abwechselnde Landschaft war sehr eindrücklich. Ich habe in diesen Tagen viele interessante, engagierte und liebenswürdige Menschen sowie ein schönes Land kennengelernt: Acht Tage war ich in einer anderen Welt und möchte das Erlebnis nicht missen, auch wenn der Körper zwei Wochen danach noch nachbrennt und ich dauernd Hunger habe.

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