Ironman Italy 2017

Die Vorbereitungen auf meinen Hauptwettkampf sind alles andere als ideal verlaufen. Angefangen hat die Odysee mit einem Occasion-Velokauf Ende August diesen Jahres, bei dem viele versteckte Mängel zum Vorschein kamen. Dieser Aerger hat mir viel Energie geraubt. Ich hoffte, dass mir dies nicht zum Verhängnis werden sollte so kurz vor dem Ironman Italy. Ich liess mein altes Zeitfahrvelo wieder in Stand setzen, da das neue in diesem Zustand nicht fahrtüchtig war. Am Dienstag, den 19.9.2017 reiste ich alleine per Zug via Milano über Bologna nach Cervia, an den Austragungsort. Es fiel mir dieses Mal schwerer als sonst mich alleine auf eine solche Reise zu begeben, das trübe Wetter drückte zusätzlich auf mein Gemüt.

Cervia ist ein kleines Fischerörtchen an der Adria gelegen mit einer wunderschönen Altstadt und charmanten kleinen Läden und Restaurants. Touristen hat es ausser Ironmanteilnehmer und Begleitpersonen praktisch keine mehr, es ist Nebensaison.
Im Verlauf der Rennwoche liefen die Vorbereitungen auf den grossen Tag, den ersten Ironman auf italienischem Boden, auf Hochtouren, so wie auch das Wetter. Es zeigte sich von seiner besten Seite, Sonne pur und warme 23°C.
Nachdem die Nervosität langsam ins Unerträgliche stieg ging es dann endlich los am 23.9.2017. Kurz nach 8Uhr (für einen Ironman relativ spät) fiel der Startschuss für uns Agegroupers. Die Profis wurden eine halbe Stunde früher ins Rennen geschickt. Die Bedingungen waren geradezu perfekt, wolkenloser Himmel und angekündigte 23°C, Wassertemperatur 18.5°C ohne Wind und Wellen. Der Rollingstart kam mir entgegen, da man von Anfang an ohne „Gemetzel“ sein Tempo schwimmen konnte und nicht von schnelleren Schwimmern überschwommen wurde.  Das Meerwasser war wunderbar klar, so dass man zwischenzeitlich auch den Sandboden erblicken konnte. Irritierend waren für mich die Quallen, die man ab und zu vor der Schwimmbrille vorbeischweben sah; aber mit dem Neoprenanzug war die Haut geschützt vor den brennenden Tentakeln. Nach „kurzweiligen“ 3.8km (geschwommen wurde eine 2.2km und eine 1.6km lange Schlaufe mit einem Landgang, sog „australian exit“ dazwischen) in 1h09 und somit neuer persönlicher Bestzeit konnte ich die erste Disziplin ohne Probleme hinter mir bringen. Die Wechselzone ist einer der längsten weltweit; rund 1km galt es zu rennen, vom Strand barfuss und dann mit Veloschuhen bis man aufs Rad steigen konnte (daher auch die langen Wechselzeiten).

 

Ich freute mich auf die Radstrecke, von der ich nur die ersten und letzten 20km kannte. Es war ein 2-Schlaufen-Kurs von jeweils 90km, komplett flach bis auf einen kleinen Hügel von ca 250m.ü.M, auf dem ein kleines Dörfchen thronte. Diesen Hügel galt es nach 45km und 135km zu erklimmen. Da ich lieber Berge statt flache Strecken befahre, war dies jeweils eine willkommene Abwechslung. Ansonsten hiess es Aeroposition halten und rollen, was die Beine hergaben. Die Strassen waren für den Verkehr komplett gesperrt, was sehr angenehm war. Man durchquerte pittoreske Dörfer, fuhr durch Weinanbaugebiete und passierte die Naturreservate des Po-Deltas, wofür Cervia bekannt ist. Derzeit kann man viele Zugvögel inklusive Flamingos beobachten, die hier einen Halt einlegen auf ihrer langen Reise in den Süden. Die Zeit verging relativ schnell, die Beine fühlten sich gut an und ich konnte mich gut verpflegen (nie mehr sollte mir so ein Missgeschick wie an der diesjährigen Challenge Roth passieren, wo ich zu wenig Kalorien zu mir nahm und es später büssen musste). Zwischenzeitlich machte sich zwar die muskuläre Verspannung im unteren Rücken bemerkbar, die ich mir durch das Heben des schweren Rucksacks auf der Hinreise zugezogen hatte und trotz Massage nicht wegbekam, aber die Beschwerden waren erträglich, vor allem wenn ich den Pedaldruck etwas reduzierte. Nach 185km (die Strecke ist 5km länger als üblich) und total 700Höhenmetern (flacher geht’s kaum) erreichte ich in 5h39 die 2. Wechselzone. Auf die 180km runtergerechnet war es wieder eine persönliche Bestzeit. Und erneut musste man durch die lange Wechselzone rennen bis man-mit Laufschuhen ausgerüstet-den Marathon in Angriff nehmen durfte.

 

Die Sonne brannte auf den Asphalt, fast keine Wolke am Himmel. Aber die Organisatoren hatten sich etwas überlegt, denn der grösste Teil der Laufstrecke (hier galt es 4 Runden à 10.3km zu absolvieren) verlief im Schatten einer langen Baum-Allee und ein Teil auch durch einen wunderschönen Pinienwald. Erinnerungen an frühere Trainingslager in Cecina (Toskana) wurden wach. Aber obwohl ich zu Beginn der Laufstrecke noch relativ frische Beine hatte, war irgendwie der Wurm drin. Ich konnte meine angepeilte Pace von 4:45-5:00min/km nicht halten. An der Verpflegung konnte es nicht liegen, ich achtete auf eine regelmässige Einnahme von Kalorien in flüssiger und etwas festerer Form-sprich Gels. Nach 21km wurden die Beine zunehmend schwerer. Kurz darauf holte ich die im Vorfeld als Siegesanwärterin gepriesene Martina Dogana ein, die auf ihrer letzten Runde war. Entweder hatte sie einen schlechten Tag erwischt oder meine Laufzeit war doch nicht so übel. Wie auch immer, wir liefen eine Zeitlang gleich auf bis ein Dixiklo-Halt meinerseits uns wieder trennte. Irgendeinmal war dann die letzte Runde angebrochen und die Lebensgeister erwachten wieder etwas in mir. Von einer guten Marathonzeit träumte ich schon lange nicht mehr und die Hawaii-Quali hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch schon begraben. Mein Ziel war mit einer doch noch halbwegs passalben Zeit zu finishen. Das trieb mich an keine Gehpausen einzulegen, sondern konstant durchzurennen, was mir auch gelang, wenn auch nicht konstant, sondern linear abfallend. Die letzten Kilometer eines Ironmans sind immer schmerzhaft, aber ein DNF war zu keinem Zeitpunkt eine Option. Nach einer Marathonzeit von 3h45 und einer Gesamtzeit von 10h48 durfte ich den Zielbogen durchlaufen. Es ist immer wieder ein unvergleichlich schönes Gefühl, wenn man auf die Finishline einbiegt. Auf den letzten Metern legte ich noch einen Endspurt hin, um eine Altersklassenkonkurrentin zu überholen (obwohl es ja wenig Sinn macht, da man zu unterschiedlichen Zeiten gestartet ist....aber meinem Ego zuliebe ). 
Meinen verkrampften Beinen gönnte ich nach dem Zieleinlauf eine Massage und meine blutunterlaufenen Blasen an den Zehen wurden durch sehr gewissenhafte Samariterinnen versorgt. Es war ein gelungener Saisonabschluss mit dem 6. AK-Rang. Für die Hawaii-Quali hat`s zwar nicht gereicht (nur 1Slot), die Zeit der Siegerin meiner Agegroupe war auf profi-niveau und für mich unerreichbar. Aber ich habe mich nur kurz darüber aufgeregt und bin sehr zufrieden mit meinen beiden persönlichen Bestzeiten und dass ich den Ironman mehr oder weniger beschwerdefrei absolvieren konnte.

 

Ich möchte hiermit die Gelegenheit nutzen den Sponsoren X-BIONIC, ZEROD, SPONSER, ON-RUNNING und BEASTER zu danken. Auch nicht zu vergessen ist die Unterstützung durch unser tolles und einzigartiges X-BIONIC LADIES TRI TEAM, Radsport GROSS für den gewissenhaften Veloservice und Swimhohlic für die abwechslungsreichen und produktiven Schwimmtrainings und –kurse.
Hiermit verabschiede ich mich in die Offseason.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0