Ironman Zürich 2017

3.8 – 180 – 42.2 Kilometer an einem Tag, wenn mir das bewusst wird, kann ich es mir selber nicht richtig vorstellen, dass man dies an einem Tag schwimmend, radfahrend und laufend absolvieren kann. Einen Ironman tönt da doch schon einfacher, den muss man als Triathlet einfach mal machen ;-) und ich für mich selber wollte mir beweisen, dass es besser geht als im letzten Jahr. Wo ich mich am Schluss nur dank meinen Betreuern und einer mentaler Meisterleistung ins Ziel schleppte.

Gefühlt einigermassen locker ging ich morgens um 6.45 Uhr zum Schwimmstart, wo man sich nach geschätzter Schwimmzeit einreihen konnte. So ganz wohl war mir in den hintersten Reihen doch nicht, ich hörte innerlich die Stimme meines Trainers, welcher mir schon öfters sagte, du schwimmst nicht schlecht, glaube an dich und schlich mich langsam nach vorne. Da war ich auch schon im Wasser. Immer schön von Boje zu Boje Crawlen. Wow es ging super. Zug um Zug, ganz locker, denn der Tag war noch lange. Ungefähr bei der Hälfte spürte ich einen Schlag am Fuss und dass mich etwas am Fussgelenk stört, was könnte es sein. Oh nein, der Zeitmesschip war ganz locker und ich hatte ihn schon fast verloren. Zwei, dreimal musste ich runter Tauchen und den Chip wieder unter dem Neo verstauen. Ein Rettungsschwimmer war auch schon bei mir und fragte ganz erstaunt was ich da machte. Zeitchip verstaut und weiter gings. Zug um Zug von Boje zu Boje. Ich wusste, dass ist mit Abstand der beste Start in ein Wettkampf aller Zeiten. Ich war glücklich aber auch etwas geschockt als ich auf die Uhr schaute beim Schwimmausstieg, nicht unbedingt von der Zeit nein eher von der Distanz. Die Strecke schien wohl etwas länger und Madame hat wohl wieder mal ein paar Bogen zu viel geschwommen – egal ich fühlte mich super!

 

Ab aufs Rad.
Radfahren meine Lieblingsdisziplin, aber die Höhenmeter sind ja nicht gerade meine Stärke so ist das Rennen auch gestartet, erstaunt über meine frischen Beine konnte ich am See entlang einige Athleten überholen, konzentrierte mich aber immer darauf nicht zu schnell zu fahren und achtete auf meine Verpflegung.  Ich freute mich auf die Penalty Box in Hombrechtikon, nicht weil ich ein Strafe erhielt, sondern weil ich wusste, dass mich da Beate und die Jungs von Tri Frauenfeld erwarteten. Bei einem so langen Wettkampf freue ich mich jeweils über alle bekannten Gesichter an der Strecke. Die Stimmung an der Strecke auf der ersten Runde war grandios, aber ich fühlte mich auch alleine. Ab und zu fuhr jemand am mir vorbei oder ich konnte wieder jemanden überholen, aber es war schwierig eine Rennpace zu halten. Fühlte sich eher nach einer Sonntagsaufahrt an. Leider… Bereits auf der ersten Runde spürte ich auch eine Verkrampfung in der Hüfte. Versuchte diese zu Ignorieren und konzentrierte mich aufs weiterfahren und auf die schöne Aussicht.  Bald war ich dann am Hartbreak Hill und wooow was für eine Stimmung, kein Wunder die Spitze der Profi Männer war kurz davor mich zu überrunden. Das ist sicher ein einmaliges Erlebnis 100 Meter vor Ronnie Schildknecht den Hartbreak Hill zu befahren, richtiges Hühnerhautfeeling!! Susanne, eine X-Bionic Teamkollegin und Freundin, welche mich an diesem Tag betreut hat, sah mein Grinsen schon von weitem. Bei der Verpflegung erwartete sie mich mit dem Sponser Ultra Pro, welches ich dort auch  brav trank, während sie mir die Flaschen austauschte und mein Trikot mit den Riegel und Gels befüllte.
Leider wurden die Schmerzen in der Hüfte immer Schlimmer und die Tortour begann. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich diese zweite Runde fertig fahren soll und dann noch einen Marathon absolvieren sollte.  Eigentlich hatte ich auch gar keine Lust mehr dazu. Laufen ist ja eh nicht meine Stärke und ich hatte im Kopf leider immer wieder die Bilder vom letzten Jahr, wo der Marathon zur mentalen Tortour wurde.  Richtung Wechselzone fahrend sah ich aber meine ganze Familie und Susanne auf mich warten. Da wusste ich, da musst du durch. Einfach mal Loslaufen, die Verkrampfungen etwas lockern und sehen was passiert. Und siehe da…. Bereits nach wenigen Metern spürte ich keinen Schmerz mehr und ich wusste. Ich schaffe das, das kommt richtig gut! Ich lief in einem guten Rhythmus immer bis zur nächsten Verpflegung, da liess ich mir jeweils genügend Zeit um genug Energie und Flüssigkeit aufzunehmen. Susanne war mit dem Kick Board unterwegs und motivierte mich immer wieder an der Strecke und auch meine Familie sah ich mehrmals pro Runde. Ich war fast während der ganzen Zeit richtig im Flow und konnte diese 42 Kilometer fast durchgehend richtig geniessen. Auf der letzten Runde meldete sich mein Magen doch noch und ich durfte zweimal das Toitoi aufsuchen. Ich wusste dann aber, dass ich mein Ziel entspannter zu finishen erreichen werde und war überglücklich als ich die Finishline erreicht habe.
Jetzt auch in paar Tage später bin ich noch immer stolz und glücklich mein Ziel des Jahres erreicht zu haben.


Ein solch Zeitaufwändiges Hobby und solche Wettkämpfe kann man nur erfolgreich absolvieren wenn man das richtige Umfeld hat. Ich danke meiner Familie, meinen Freundinnen, Kollegen und Arbeitskollegen für das Verständnis in den letzten Monaten und für die unglaublich wichtige Motivation in den letzten Tagen und Wochen und dass ihr mir dabei Hilft die nötige Balance zu halten!! Ein grosser Dank geht auch an meinen Trainer. Als wir mit der Zusammenarbeit gestartet haben, hätte ich mir nicht vorstellen können, mal auf dem jetzigen Fitnesslevel zu sein.

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Kommentare: 2
  • #1

    Alex (Freitag, 04 August 2017 21:36)

    Ein wirklich lesenwerter Bericht und die Fotos sind einfach super. Unglaublich, immer ein Lächeln auf dem Gesicht und dies trotz der Strapazen, bewundernswert. Ich gratuliere dir noch einmal zu deinem Ironman Finish.

  • #2

    Nicole (Freitag, 01 September 2017 13:38)

    Mängisch brucht alles si Ziit zum Läse. Grossartige Bricht Manu. Danke für di Iblick "hinger d Kullisä" - bliib ja wie du bisch :-), smiliii Ironlady!