Challenge Roth 2017

Es ist der 9. Juli 2017; der längste Wettkampftag des Jahres, ein Datum, welches ich mir dick im Kalender angestrichen hatte. Vor zwei Jahren durfte ich hier in Roth meinen bisher erfolgreichsten Langdistanztriathlon feiern. Roth bedeutet mir mindestens soviel wie Hawaii und es ist immer wieder schön an den Ort seiner grössten sportlichen Erfolge zurückkehren zu dürfen.

Als mein Wecker um 4:30Uhr klingelte hatte ich eine kurze Nacht hinter mir. Ich war am Vortag zwar schon um 21:30 im Bett, aufgrund der schwülwarmen Temperaturen bin ich jedoch im 90min-Takt patschnass aufgewacht und glaubte während der ganzen Zeit kein Auge zugemacht zu haben. Zudem war Vollmond, nicht gerade förderlich für einen tiefen Schlaf.  Zum Frühstück gabs BEASTER Porridge und kurz darauf machte ich mich per E-Bike auf den 10km langen Weg zum Startgelände am Main-Donau-Kanal in Hilpoltstein. Es war der richtige Entscheid das Fahrrad zu nehmen, denn damit konnte ich die lange Autokolonne von Roth her kommend links überholen und ich kam pünktlich um 5:45Uhr an, Fahrzeit gerade mal 15min. In der Wechselzone angekommen sah ich auch bereits Katrin und ihren Freund Rolf. Katrin hatte ihr Rad gleich neben meinem stehen und es war schön, ein bekanntes Gesicht unter tausenden von Athleten und Zuschauern zu sehen. Es war ein riesiges Gewimmel im Startgelände; 5000 Teilnehmer und 25 000 Zuschauer, später an der Strecke sollten es 10x mehr werden. Die Challenge Roth ist der grösste Langdistanztriathlon der Welt, beeindruckende Zahlen.


Um 6:30Uhr ertönte der erste Startschuss, die Profis wurden ins Rennen gelassen. Der erste Frauenstart (Altersklasse) erfolgte um 6:55Uhr, von da an fing meine Uhr an zu laufen. Es galt 3.8km im knapp 23°C warmen Main-Donau-Kanal zu schwimmen. Neopren war zum Glück erlaubt und so bestand für mich keinerlei Gefahr der Unterkühlung. Ich genoss die frühmorgendliche Stimmung, der Himmel fast wolkenlos, 18°C Lufttemperatur. Die Zuschauer am Ufer feuerten uns tatkräftig an, und dies auf der gesamten Strecke, etwas das wohl weltweit einzigartig ist. Nach 1h18min und eine für mich enttäuschenden Zeit konnte ich dem Wasser entsteigen. Ich musste auf der zweiten Streckenhälfte den Beinschlag fast komplett einstellen, da ich kurz davor war einen Wadenkrampf zu kriegen. In den letzten Wochen hatte ich öfters mit Muskelkrämpfen zu kämpfen, möglicherweise eine Folgeerscheinung meiner Kreatin-Supplementation. Der Wechsel vom Schwimmen aufs Rad ging für meine Verhältnisse sehr flott, eine meiner schnellsten Wechselzeiten. Auf dem Rad fand ich schnell meinen Rhythmus; ich hatte mir vorgenommen konstant nach Watt zu fahren. Ich war zudem sehr bedacht darauf den Windschattenabstand von 12m nicht zu unterschreiten, denn nebst einer 5min Zeitstrafe blüht einem in Roth eine 1km Zusatzschlaufe auf der Laufstrecke, wohl die grösste Strafe auf dem abschliessenden Marathon.

 

Die Zeit auf den ersten 90km verging wie im Flug; eines der Highlights auf der Radstrecke ist sicherlich der Solarer Berg, ein für Schweizer Verhältnisse nicht allzu steiler Anstieg von höchstens 10%, gute 200m lang. Aber extrem spektakulär mit den unzähligen Zuschauern, die eine schmale Gasse bilden, durch die man hindurchfährt.... Alpe d`Huez Feeling für Amateursportler sozusagen. Nach 90km wurde mir jedoch schwindelig und erst jetzt bemerkte ich meinen Kapitalfehler; ich hatte während diesen rund 2.5h kaum etwas gegessen, schlichtweg vergessen. Zum Glück stand Rolf am Streckenrand, er überreichte mir den Laugenzopf, den ich ihm am Morgen vor dem Rennen in die Hand gedrückt hatte. Ich hatte unheimlich Lust auf etwas Salziges. Gleichzeitig versuchte ich auch meinen Zuckerspiegel mit Riegeln und Gels wieder in die Höhe zu treiben, was mit Bedacht erfolgen musste. Zuviel des Guten würde zu Uebelkeit und Magenproblemen führen. Ich konnte die zweite Streckenhälfte nicht mehr mit der gleichen Pace fahren, dennoch war ich mit meinen 5h37 doch sehr zufrieden, als ich die zweite Wechselzone erreichte.

 

Nun hiess es Laufschuhe schnüren und die 42km lange, hügelige neue Laufstrecke unter die Füsse nehmen. Bereits auf den ersten Kilometern verspürte ich Knieschmerzen, zudem merkte ich, dass meine Muskeln sich nicht so anfühlten wie ich es mir gewohnt war. Das war wohl der Tribut, den ich meinem Verpflegungsfehler auf dem Rad zollen musste. Zum Glück verschwanden die Knieschmerzen nach wenigen Kilometern.  Aber das Schweregefühl in den Beinen machte das Rennen zunehmend mühsamer. Den angepeilten 4:45min/km-Schnitt konnte ich auf der ersten Streckenhälfte zwar noch halten, danach ging nicht mehr viel. Ich dachte ans Aufgeben, habe mich von Verpflegungsposten zu Verpflegungsposten „gehangelt“, musste viele Gehpassagen einlegen. Die klimatischen Verhältnisse machten es auch nicht gerade leichter, 35°C Luftemperatur mit hoher Luftfeuchtigkeit; es waren subtropische Bedingungen. Mit Gels, Cola und Salztabletten sowie Kühlpackungen und Wasserschwämmen versuchte ich mich über die Runden zu bringen. Ca bei Kilometer 37 traf ich auf Katrin, die auch zu kämpfen hatte. Den Rest der Strecke bis kurz vor dem Ziel legten wir gemeinsam zurück. Nicht zuletzt dank ihr konnte ich den Marathon unter 4h in einer Zeit von 3h51 zurücklegen. Für mich zwar die schlechteste Zeit an einem „Ironmanmarathon“, aber mit all den Laufpassagen doch noch akzeptabel.

 

Erschöpft, aber glücklich meinen Schweinehund überlistet zu haben, erreichte ich das Ziel in 10h53, 30min langsamer als meine letztmalige Zeit. Es ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, aber man lernt nicht aus den guten Rennen, sondern aus den schlechten. Eine Ueberraschung war der 4. Rang meiner Alterskategorie. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich mich über diese Platzierung geärgert, heute bin ich mit mir im Reinen. Und das nächste grosse Ziel für 2017 wartet bereits, der Ironman Italy Ende September.
Hiermit möchte ich den unzähligen freiwilligen Helfern sowie meinen Sponsoren danken, allen voran X-Bionic, Sponser, Beaster und On.

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