Biennathlon - Teamwettkampf 2017

Mein Bericht beginnt am Biennathlon 2016. Bei der Austragung im 2016 standen wir als Team am Start. Ich durfte die Bike-Strecke übernehmen und freute mich riesig, wieder einmal an einem Wettkampf zu starten. Ich war zu diesem Zeitpunkt im letzten Ausbildungsjahr zur Rettungssanitäterin und reduzierte mein Trainingspensum, da ich mit Diplomarbeit, Prüfungen und Abschlussstress irgendwo einen Abstrich machen musste. Meine Motivation nahm ich mir darin, dass ich bald diplomiert werde und anschliessend meine Freizeit wieder ganz dem Training widmen kann. Doch der Reihe nach.

Motiviert übernahm ich an diesem regnerischen Juni-Tag im 2016 den Chip unserer Schwimmerin Nicole. Schnell den Chip um den Knöchel binden und los. Bereits am Anfang des Anstieges nach Magglingen hatte ich ein komisches Gefühl auf der Brust, Herzrasen und starker Schwindel. Nach einer kurzen Pause konnte ich weiterfahren. In diesem Anstieg musste ich mehrmals vom Rad steigen und mich kurz erholen, da diese Symptome bei jeder Tempoverschärfung erneut auftraten. Die Bikestrecke kam mir unendlich lang vor und die Zeit war natürlich alles andere als gut. In der Wechselzone angekommen, übergab ich den Chip unserer Läuferin Katrin. Ich konnte anfangs das Erlebte nicht richtig einordnen, erzählte es im Verlauf meiner Freundin und Teamkollegin Chantale. Die Woche darauf entschied ich mich, einen Termin bei meinem Hausarzt zu organisieren. Dieser überwies mich anschliessend an den Kardiologen, bei welchem ich ein Belastungs-EKG machen musste. Die gleichen Symptome zeigten sich. Zuerst Druck auf der Brust, Herzrasen und anschliessend das Gefühl bald das Bewusstsein zu verlieren. Im EKG erkannte ich einen Rhythmus und eine Herzfrequenz, die ich eine Woche vorher bei meinen Zwischenprüfungen als Prüfungsbeispiel hatte. Ich wusste sofort, dass dies alles andere als normal ist. Es folgten weitere Untersuchungen. Da noch unklar war, wo das Problem liegt, durfte ich bis Ende Jahr nur ganz locker trainieren. Ende Jahr wurde das Problem dann definitiv eingeordnet und ich erhielt Tabletten, die ich jeweils vor dem Training einnehmen muss. Einzige Einschränkung, nicht mehr ans Limit zu gehen. Für mich und wahrscheinlich für alle leidenschaftlichen Sportler ist dies ein ziemlicher Einschnitt, der zuerst verdaut werden muss. Trotzdem entschied ich mich, dieses Jahr am Biennathlon wieder teilzunehmen.

Es starteten zwei X-Bionic-Teams und Cristina als Single-Athletin. Ich freute mich sehr und die anderen Ladies waren auch alle motiviert und voller Tatendrang. Die erste Strecke (Rennvelo) wurde von Katrin und Mélanie absolviert, ebenfalls natürlich von Cristina. Anschliessend sprangen Manuela und Nicole in den Bielersee und schwammen die 1.5km souverän. Jetzt ging es für Alex und mich auf die Bike-Strecke. Cristina war immer noch als Single unterwegs und brachte Strecke für Strecke in einem beachtlichen Tempo hinter sich. Im Aufstieg merkte ich bald, dass es anders ist als früher. Ich liebte es jeweils, im Wettkampf die glühenden und schmerzenden Beine zu spüren, die brennende Lunge und am Limit die Kilometer abzuspulen. Gleichzeitig hörte ich die Worte meines Kardiologen, der mir sagte: „einfach nicht ans Limit gehen“. Was ist nun erlaubt und wo ist zu viel? Dies waren die Gedanken, die mich bis Magglingen begleiteten und beschäftigten. Ich ertappte mich immer wieder, wie ich versuchte anderen Athleten die mich überholten nachzufahren. Gleichzeitig wusste ich, dass ich bald an der Belastungsgrenze bin, wo ich eben nicht hin darf – am Limit. Es war ein Kampf der Gedanken und ich merkte, dass die Freude am Wettkampf nicht mehr vorhanden ist. Endlich kam die langersehnte Abfahrt. Hier konnte ich es einfach fahren lassen ohne Rücksicht auf die Herzfrequenz. Im richtigen Moment etwas Balsam für meine Seele.

Im Ziel angekommen, war ich einerseits glücklich über meinen ersten Wettkampf seit einem Jahr, anderseits traurig und enttäuscht zu merken, dass ich mit dieser Vorgabe nie mehr richtiges Wettkampffeeling spüren werde. Es macht keine Freude, am Ende des Wettkampfes entspannt und ohne müde Beine nach Hause zu fahren.

Am Schluss durften die beiden X-Bionic-Teams glücklich ins Ziel einlaufen. Unsere Cristina erreichte den hervorragenden fünften Rang bei den Single-Damen. Herzliche Gratulation Ladies, ihr seid alle super!

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Kommentare: 1
  • #1

    Alex (Donnerstag, 22 Juni 2017 20:07)

    Liebe Nadine, vielen Dank für den eindrücklichen Bericht. Ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst, nicht an dein Limit gehen zu können/dürfen. Die Suche nach dem Limit, das Gefühl, alles gegeben zu haben, ist das Elixier, was uns im Wettkampf und auch im Training antreibt über uns hinaus zu wachsen. Es ist ein grosser Unterschied, ob man sich einfach bewegt der Gesundheit zu liebe oder ob man Leistungssport treibt. liebe Grüsse Alex