Frauenfelder Waffenlauf

So wie man als Läufer einmal zum 100-Kilometer Lauf nach Biel muss, so muss man einmal an den Frauenfelder Waffenlauf. Dies sagte ich mir vor einem Jahr, als ich erstmals in Frauenfeld am Halbmarathon teilgenommen hatte. Gesagt - Getan! Obwohl die Vorbereitungen nicht ideal waren, hatte ich mich vor etwas einem Monat dafür angemeldet. Suboptimal einerseits, weil ich seit längerem keine Lust auf längere Läufe von über zwei Stunden verspürte, andererseits fehlte mir zeitweise schlicht die Energie für härtere Einheiten, weil ich geschäftlich ziemlich unter Druck stand.

Am Tag vor dem Frauenfelder Waffenlauf war ich überhaupt nicht nervös. Die einzige Sorge war, ob ich am Start wirklich eine Packung erhalten würde. Mir wurde jedoch bestätigt, dass solche zur Verfügung stünden. Ich machte mir nicht mehr viele Gedanken, falls es am Start keine Packung geben würde, würde ich mich für den normalen Strassenmarathon ummelden.
Am Sonntag reiste ich frühzeitig mit dem Zug nach Frauenfeld. Den Anzug (TAZ) konnte ich sogleich in der kleinsten regulären Männergrösse und mit dem kürzesten Gurt beziehen. Packungen gab es auch gegen ein Depot von 50 CHF. Das Problem war jedoch, dass die Packung leer war und ich nun am Sonntagmorgen irgendwoher 5 Kilo Inhalt auftreiben sollte. Zudem war die Packung ein altes nicht sehr komfortables Modell. Ich irrte etwas fragend auf dem Gelände umher, bis der Zufall es wollte, dass ich auf Emil Berger traf (Organisator vom Wiedlisbacher Waffenlauf). Ich hatte Glück, und er hatte eine Ersatzpackung dabei. Diese konnte ich ausleihen und mein Problem war gelöst. Jetzt stand also einem Start nichts mehr im Weg.
Die Stimmung bei den Waffenläufern war sehr entspannt und freundlich. Um 9:30h mussten wir einstehen und marschierten danach gemeinsam zum Start auf dem Marktplatz in Frauenfeld. Dass die meisten vor dem Start nochmals auf Klo mussten war auch klar. Die Schlange bei 22 startenden Frauen mit einer verfügbaren Toilette war entsprechend lang.

Um 10:00h ertönte ein lauter Knall. Ich machte es wie die anderen und hielt mir die Ohren zu. Dann ging es los. Schon bald einmal gab es die ersten 100hm zu bewältigen. Ich startete nicht zu schnell, wusste ich doch, dass es mit dem Kräften zu haushalten galt, damit auf der zweiten Streckenhälfte noch genügenden Reserven vorhanden sein würden. Die ersten 13km lief ich im mystischen Nebel, danach zeigte sich die Sonne. Das Teilnehmerfeld von knapp 220 Waffenläufer zog sich schnell in die Länge. Einige Kilometer vor der Streckenhälfte überholten uns die ersten Marathonläufer, welche 1/2h später gestartet waren. Immer wieder waren Zuschauer an der Strecke, besonders durch das Städtchen Wil zu laufen war sehr motivierend. Dort machten sich die Halbmarathonläufer bereit, welche ab 12:30h ins Rennen geschickt wurden. Nach rund zwei Stunden waren die ersten 21 Kilometer mit rund 400hm geschafft. Die Sonne wärmte immer mehr, und es wurde warm im Anzug. Das Gewicht am Rücken machte sich zunehmend bemerkbar und bei den Anstiegen hatte ich das Gefühlt richtig in den Boden gedrückt zu werden. Auf den letzten Kilometern war dann richtig viel Betrieb, da wir von den schnelleren Halbmarathon-Läufern ein- und überholt wurden. Nicht wenige liessen aufmunternde Worte fallen beim Vorbeiziehen. Nach 4h10m hatte ich es dann auch geschafft und überquerte um die Ziellinie in Frauenfeld. Da wollte ich möglichst umgehend die Packung an Emil Berger zurückgeben. Leider habe ich ihn nicht auf Anhieb gefunden. Da hat man mir bei der Kleiderrückgabe versprochen, dass man sie ihm übergeben würde. Wie sich nachher herausstellte, hat das leider nicht geklappt, was mir sehr unrecht war. Zum Glück wurde die Packung im Verlauf vom Montag gefunden und kommt nun nach Wiedlisbach zurück. Wegen der ganzen Geschichte hatte ich vergessen meine Erinnerungsmedaille abzuholen, doch auch diese wurde mir postwendend nachgeschickt. So bin ich nun wieder um eine Lauferlebnis reicher.

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