Erlebnisbericht Infernotriathlon 2016

20. August 2016, 4:30Uhr: der Wecker klingelte. Es stand ein langer Tag bevor, zum insgesamt 8. Mal hatte ich vor am Infernotriathlon teilzunehmen. Nach einem kleinen Frühstück und dem obligaten Kaffee-zu dieser Tageszeit ein Muss-radelte ich per E-Bike die rund 11 Kilometer bis zum Strandbad Thun. Dort angekommen, wimmelte es bereits von vielen Sportlern im Neoprenanzug. Nach einem kurzen Einschwimmen im warmen Schwimmbecken begab ich mich für den für meine Verhältnisse doch etwas kühlen Thunersee, obwohl die Wassertemperatur doch immerhin 18.5°C betrug.

Es war ein besonderes Ambiente am Start kurz nach Sonnenaufgang und bei noch sichtbarem Vollmond. Das grandiose Alpenpanorama vor Augen fiel um 6:30Uhr der Startschuss. Schnell fand ich meinen Rhythmus, das Gedränge unter den 400 Schwimmern hielt sich in Grenzen. In Gedanken versunken schwamm ich die 3.1km bis nach Oberhofen; nach 1h09min konnte ich dann endlich aus dem kalten Wasser steigen, zitternd am ganzen Körper. Ich war etwas enttäuscht über die schlechte Schwimmzeit, aber ich hatte den Wellengang und meine Unterkühlung etwas unterschätzt. In der ersten Wechselzone nahm ich mir viel Zeit, um mich komplett umzuziehen. Das bereits mit Regenkleidern, Kappe und Handschuhe bepackte Rucksäcklein hing ich über die Schultern. Die Wetterprognosen verhiessen nichts Gutes und ich wollte in bereits unterkühltem Zustand kein DNF (did not finish) riskieren in Anbetracht der bevorstehenden Strapazen und der Höhenexposition.

 

Beim ersten Aufstieg nach Beatenberg erwärmten sich meine Glieder wieder und die Freude kehrte zurück. Erstaunt war ich darüber, wie wenig Triathleten ich unterwegs sah im Vergleich zu früheren Jahren. War ich so weit hinten im Feld? Es sollte sich bald ändern, denn im Aufstieg zur Grossen Scheidegg, konnte ich auf etliche Radfahrer aufschliessen. Es war motivierend immer wieder Leute zu überholen. Auf der Passhöhe angekommen schienen die Meteorologen recht zu bekommen. Wie vorausgesagt fing es an zu regnen. Aber ich war ja perfekt ausgerüstet mit Regenjacke und –hosen, das Wetter wird mir jedenfalls keinen Strich durch die Rechnung machen. Unten in Grindelwald angekommen erfolgte der Wechsel aufs Mountainbike. Im Aufstieg zur Kleinen Scheidegg hörte es nach einer guten Viertelstunde auf zu regnen. Tolle Ueberraschung und wäre hätte gedacht, dass das Wetter sogar bis kurz vor dem Zieleinlauf trocken bleiben würde? Auf dem Bike konnte ich ein gleichmässiges Tempo fahren, plauderte zwischendurch mit Mitstreitern und bewunderte die imposante Eigernordwand über mir. Auch wenn ich das berühmte Dreigestirn der Alpen fast täglich vor Augen habe (zumindest wenn der Sommer nicht gerade so verregnet ist wie heuer), ist deren Anblick immer wieder beeindruckend.

 

Auf der Kleinen Scheidegg angekommen, machte ich mich für die spektakuläre Abfahrt bereit. Nur nicht übermütig werden, der Tag ist noch lang. An weidenden Kühen vorbei gings auf der Jungfraumarathon-Strecke (dieses Mal in umgekehrter Richtung) nach Stechelberg runter. Puhhh, war ich froh ohne Sturz und Panne die beiden Raddisziplinen absolviert zu haben. Insgesamt hatte ich zu diesem Zeitpunkt rund 127 Radkilometer mit 3325 Höhenmetern hinter mir. Das Schwimmen dazugerechnet war ich etwas mehr als 8h unterwegs. Nun sollte meine Lieblingsdisziplin folgen, dachte ich mir. Aber es sollte anders kommen. Nach einem kurzen Schwatz mit meiner ehemaligen Turnlehrerin Ruth, die als Speakerin amtete, gings dann los auf die 25 beschwerlichen Kilometer hinauf aufs Schilthorn, bespickt mit 2175 Höhenmetern. Auf dem ersten Teil bis nach Lauterbrunnen konnte man es schön „rollen“ lassen, die Temperaturen waren angenehm und der Fluss Lütschine plätscherte friedlich neben einem daher, idyllisch.

 

Nach fast 7h auf dem Fahrrad war es eine Wohltat wieder einmal aufrecht stehen und laufen zu können. Ab Lauterbrunnen wurde das Tempo aber zwangsläufig gedrosselt, von nun an ging es bergauf. Immer noch sehr angenehm von der Steigung her, geschätzte 10% bis nach Mürren. Ich hatte mir vorgenommen die rund 17km bis nach Mürren im Laufschritt zu bewältigen, danach würde ich mir erlauben zu marschieren. Aber mir fehlte irgendwie die Kraft in den Beinen und ich hatte eine mentale Krise. Immer wieder musste ich marschieren, es benötigte viel Selbstüberwindung das gewohnte Lauftempo wieder aufzunehmen. So quälte ich mich bis nach Mürren. Dort gönnte ich mir eine kurze Verschnaufpause, wechselte meine superleichten Laufschuhe mit geländetauglichen Trailschuhen aus, deckte mich mit warmen Kleidern ein und auf gings der Skipiste entlang in Richtung Schilthorngipfel. Das Wetter war noch immer stabil, zwischendurch zeigte sich sogar die Sonne zwischen den Wolken. Dies gab mir Zuversicht. Unterwegs im steilsten Abschnitt des Laufes, dem berühmt-berüchtigten Kanonenrohr, traf ich zwei Freundinnen, die am Inferno-Halbmarathon teilgenommen hatten und zum Auslaufen runterwanderten. Was für ein Motivationsschub, denn ich hatte keine Betreuer, die mich anfeuerten. Umso mehr freute ich mich auf bekannte Gesichter.

 

Nach einem kurzen Schwatz gings auch schon weiter...“skyway to heaven“ könnte man fast meinen. Und je dünner die Luft wurde, desto besser fühlte ich mich. Das Höhentraining im Engadin hat wohl Wirkung gezeigt. Zwischendurch konnte ich wieder Läufer überholen, wenn auch marschierend und nicht rennend, zu steil war das Gelände. So kämpfte ich mich langsam hoch bis zum kleinen Pass zwischen der Station Brig und dem Schilthorn. Einige Male musste man das Rennen wegen schlechten Wetters abbrechen und das Ziel wurde auf diese Passhöhe runterverlagert, zum Glück nicht dieses Mal. Den Schilthorngipfel und damit das Ziel vor Augen nahm ich auch noch die letzten 1.5 Kilometer und 300 Höhenmeter in Angriff. Kurz vor dem Ziel fing es an zu regnen, aber das war mir nun egal. Erschöpft, aber glücklich konnte ich den Zielbogen in einer Zeit von 12h17 überqueren. Meine Zeit-und Rangvorstellungen habe ich zwar nicht erfüllt, aber in Anbetracht der Umstände und des fehlenden Berglauftrainings bin ich trotzdem zufrieden. In diesem Rahmen möchte ich den Sponsoren X-Bionic, Beaster, Sponser und ZEROD bedanken. Eure Produkte haben mich auf Training und Wettkampf durch die ganze Saison begleitet und mir geholfen mein volles Leistungspotenzial auszuschöpfen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathrin (Sonntag, 11 September 2016 20:06)

    Merci für den spannenden Bericht Alex - Booh, selbst mit diesen Wetter-Kapriolen lässt Du Dich nicht aus dem Konzept bringen und machst das Beste daraus. Ein schöner Erfolg und einmal mehr einen gesunden Zieleinlauf mit einem Strahlen im Gesicht:-)))
    Du bist und bleibst eine Ausdauer-Power-Frau!