Ironman Zürich

Während meinem Sprachaufenthalt auf Hawaii im Jahr 2006 wollte ich unbedingt als Zuschauer am legendären Ironman dabei sein. Ich überredete Karin dazu und kurzfristig entschieden wir uns für den Ausflug nach Big Island. Während Karin absolut fasziniert war, war für mich klar, die sind nicht ganz normal. So was mach ich ganz sicher nie! Tja wie so oft im Leben, kommt es anders als man denkt.

10 Jahre später gehörte ich auch zu diesen Verrückten. Ich stand morgens um 6.40 angespannt an der Startlinie zum Ironman Switzerland in Zürich. Nun war er also da, der Tag X. Fürs Schwimmen habe ich mir vorgenommen nicht zu viele Gedanken zu machen und einfach den vorderen Füssen zu folgen. Dies gelang mir bis zur ersten Boje sehr gut und weiter gings…. Wow dieser Rolling Start ist super, ich habe sogar Platz… Bis plötzlich alle langsamer wurden, dann ein Gepfiffe aus einem Boot. Wir schwimmen zur falschen Boje… Richtung wechseln und im Kopf nochmals von vorne beginnen. Bei dieser für mich vierten, offiziell aber zweiten Boje angekommen, war ich da, wo ich eben nicht sein wollte. Inmitten von den ganz langsamen und älteren Schwimmern. Wie eine Wand, wo soll ich nun vorbei. Also sagte ich mir, keine Panik – das gibt eh keinen Rekord mehr, also ganz locker und einfach Schwimmen, damit ich den Überblick behielt sogar viel zu oft im Bruststil. Ich fühlte mich gut, Schwimmen im See ist schön. Und die Zeit ging ziemlich schnell vorbei.
Beim Schwimmausstieg erwarteten mich auch schon meine Freundinnen, wie ich halt bin, musste ich natürlich zuerst schnell erzählen, dass ich mich verschwommen habe und weiter gings Richtung Wechselzelt – ach ja, nicht mal den Neo musste ich selber ausziehen. Was für ein Service dieser netten Helfer.

 

Dann kam der Zeitpunkt auf den ich mich seit Monaten gefreut habe. Die Radstrecke, ich konzentrierte mich darauf nicht zu schnell zu fahren und trotzdem überholte ich einen nach dem anderen. Das motivierte natürlich mega. Vor allem in der ersten Runde ging die Zeit sehr schnell vorbei. Ich war erstaunt wie viele bekannte Gesichter an der Strecke waren und freute mich über jeden einzelnen Zuruf. Beim letzten Anstieg hatte ich sogar noch eine persönliche Begleitung – Tom machte schnell ein Video für die mitgereisten Freunde und weiter gings ;-).  Ich fühlte mich gut, wollte aber nicht überpacen und merkte so schon bald, dass ich einiges länger unterwegs sein werde als ursprünglich gedacht. Aber der wohl wertvollste Tipp von allen Ironmännern und Frauen die ich kenne war, beim ersten Mal ist die Zeit egal. Einfach geniessen und dankbar sein, dass du es so weit geschafft hast. Auf der zweiten Runde musste ich diese Gedanken öfters hervorholen. Ich fühlte mich nicht schlecht, hatte aber trotz guter Verpflegung irgendwie keinen Pfuff und keinen Bock. Das kanns doch nicht sein, ich mache doch gerade das, was ich am liebsten mache und die Sonne scheint. Also habe ich bei der Verpflegung bei ungefähr Kilometer 150 kurz angehalten und eine halbe Flasche Cola getrunken. Nach der nächsten Abfahrt fühlten sich meine Beine so an, wie ich es mir gewünscht habe für die ganze Strecke, ich hatte das Gefühl ich fliege… endlich :-).
Mit diesem guten Gefühl gings in die Wechselzone. Ja nicht daran denken was jetzt kommt, einfach mal ein Läufchen. Mein Empfangskomitee bei der Wechselzone war riesig. Wow sind die wirklich alle wegen mir nach Zürich gekommen. Ich lief los… oh ja es geht ja, die Beine haben sich schon schlimmer angefühlt… langsamer, sonst kommt das nicht gut. Ich hatte am Anfang fast alle 100 Meter ein bekanntes Gesicht an der Strecke, was alles einfacher macht. Bis zum ersten zuschauerlosen Abschnitt, da sagt der Kopf das erste Mal,  mach doch einfach schnell Pause, weg mit diesen Gedanken und weiter rennen.  Diese Pausen machte ich jeweils bei der Verpflegung und versuchte nachher wieder mein Tempo aufzunehmen, was mir die ersten 2 Runden durch den unermüdlichen Einsatz von meinen Freunden, Familien und vielen bekannteren oder unbekannten Gesichtern auch meistens gelang. Anfangs zweiter Runde fing mein Magen an sich zu melden wenn ich lief. Ich versuchte es zu ignorieren, und lief weiter, marschierte wieder ein Stück und wieder anlaufen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr und ich wusste, ich schaffe es. Ich brauche viel länger als ursprünglich gedacht, aber das ist egal. Ich habe bis 23 Uhr Zeit und das schaffe ich… Auf der 3. Runde hat Sara zu mir gesagt, Manu einfach Laufen und sonst marschieren und trotz allem immer Energie zu dir nehmen. Einfach weiter machen, aber wenn dir schwindlig wird, dann ist fertig. Kurz vor der Hälfte der letzten Runde war mir schwindlig, ich wusste gar nicht, ob ich überhaupt noch gerade ging. Also marschierte ich die letzten Kilometer und sammelte unterwegs meine wartenden Freundinnen ein. Die Finishline dauerte für mich ca. 2.5 Kilometer lang. Mit Rahel marschierte ich zu Sara weiter zur nächsten Rahel, wir freuten uns alle mega und machten noch ein paar dumme Sprüche. Kurz vor dem Abzweiger zum Ziel wartete auch noch meine Familie. So nun war der Deal, bis zum Teppich marschieren und dann nochmals Rennen. Wie schon die ganzen 42 Kilometer gehorchte ich und rannte die letzten Meter ins Ziel. Dieser schon so oft geträumte Moment erlebte ich wie hinter einer Scheibe. So kaputt war ich.
Sehr Emotional war für mich dann zu Hause alle Nachrichten und Chats zu lesen, welche ich während dem ganzen Tag erhalten habe. Wir hatten einen Chat mit meinen Begleitern vom ganzen Tag mit unzähligen Fotos und Videos. Auch der Chat unsereres Tri Teams war überwältigend. Ich bin stolz und unendlich dankbar solche super Freunde und die beste Familie zu haben. Was ich genau realisiert habe und dass mein grosses Ziel erreicht ist, realisierte ich eigentlich erst am Montagabend und in den darauffolgenden Tagen so richtig.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ursi (Dienstag, 02 August 2016 21:42)

    Hammerleischtig, Manu - Chasch stolz si!

  • #2

    Kathrin (Montag, 08 August 2016 16:42)

    Liebe Manu, gratuliere - Du hast es wirklich mega weit gebracht und Deine Dankbarkeit und Deine Freude schwingen mit. Merci für Deine Stimmungsbilder und Emotionen. Halt echt Manu:-)))