Riesenbecker Sixdays

Vor einem knappen Jahr erzählte uns eine Laufkollegin von den Riesenbecker Sixdays, welche alle zwei Jahre in ihrer Heimat um Ibbenbüren stattfinden. Sie konnte sieben weitere Läufer begeistern, sich für diesen Event anzumelden, so auch Philippe und mich. Am Freitagnachmittag vor dem Anlass flogen wir nach Düsseldorf und von da ging es mit dem Zug weiter. Ibbenbüren liegt zwischen Münster und Osnabrück. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde, waren wir doch noch nie in dieser Region unterwegs. Als erstes wollte der Zugschaffner wissen, wo denn unser Grüppchen hinreisen würde. Als wir ihm sagten, dass wir nach Ibbenbüren wollten, sagte er nur erstaunt: "Was Urlaub in Ibbenbüren - da fahr ich jeden Tag mit den Zug durch." Im Hotel Leugermann angekommen, gab es relativ spät noch ein Abendessen.

Der Start der ersten Etappe war am Samstagnachmittag in Riesenbeck. Es war relativ kühl und regnerisch. Einlaufen wollte fast niemand, würden wir doch in den kommenden Tagen mit 120km noch genug zum Laufen kommen. Mit Musik und dem Riesenbecker-Medley wurden wir in Stimmung gebracht. Pünktlich um 14:00h wurde das etwa 550 Läufer umfassende Feld auf die knapp 19km lange Strecke geschickt. Philippe hatte bereits im Voraus entschieden, dass er die Etappen mit mir laufen würde. So war es für ihn ein gutes Training und er konnte die Aussicht geniessen, oder so ähnlich... Die erste Etappe war bis Km 15 flach. Danach ging es auf einem Trail 100hm hinauf und dann wieder runter, wo in Ibbenbüren das Ziel war. Ich bin wohl etwas zu schnell losgelaufen, weil ich kalt hatte. Nach knapp 1 1/2 h waren wir im Ziel. Die Rangliste interessierte mich nicht sonderlich, waren doch 34 Läuferinnen in meiner Kategorie angemeldet. Als mir dann Heike am Abend sagte, dass ich die Kategorie nach der ersten Etappe anführen würde und einen Vorsprung von über 9 Minuten auf die zweite hätte, da staunte ich schon etwas. Würde sich mein Schnellstart in den kommenden Tagen rächen?

Am Sonntag um 14:00h ging es bereits auf die Königsetappe, welche gut 20km lang und mit fast 400hm gespickt war. Der Start war in Ibbenbüren und wir liefen bei herrlichem Wetter in den malerischen Ausflugsort Tecklenburg. Etwa ein Drittel der Strecke war Offroad. Insbesondere die Trails waren nicht meine Stärke, da wurde ich oft von Männern überholt. Ist wohl auch eine Kraftsache, da schnell laufen zu können. Auf dem Asphalt lief es mir dann jeweils wieder besser. Bei dieser Etappe vernichtete man 5km vor dem Ziel auf dem Hexenpfad rund 100hm, welche es danach mit dem Aufstieg ins Himmelreich vor Etappenende wieder zu bewältigen galt. Nach 1 3/4h war das Tagesziel erreicht. In der Kategorie war mein Vorsprung nicht mehr ganz so gross wie am Vortag, aber ich konnte ihn um weitere fünf Minuten ausbauen.

Am Montag war der Start zur dritten Etappe um 18:00h in Tecklenburg. Von da ging rund 18km nach Mettingen. Die Trails im Wald waren anspruchsvoll, da die Sonne voll entgegen schien und man zeitweise nichts sah. Mich stresste das etwas, da ich nicht stürzen wollte. Plötzlich hörte ich ein Holpern hinter mir und hoffte, dass es nicht Philippe war. Nach etwa einer Minute hatte er wieder zu mir aufgeschlossen, er war tatsächlich gestürzt. Zum Glück hatte es ihm nichts gemacht. Er war bei weitem nicht der einzige Teilnehmer, welche in dieser Woche einen Abflug von der Piste gemacht hatte. Nach gut 1 1/2h Stunden war die Strecke mit rund 200hm auch geschafft.

Am Dienstagmorgen fuhren wir nach Münster, wo wir an einer Stadtbesichtigung teilnahmen. Eine sehenswerte Studentenstadt, wo alle mit dem Fahrrad unterwegs sind. Am Nachmittag ging es wieder zurück nach Ibbenbüren und Werner brachte uns gegen Abend nach Mettingen. Hier gab es leider nur ein WC pro Geschlecht, so dass wir 15 Minuten vor dem Start immer noch am Anstehen waren. Irgendwie schafften wir es ins Startfeld, als das Medley lief, welches einen schon vor dem Start zum Hüpfen und Tanzen motivierte. Bis nach Ibbenbüren Dickenberg stand mit gut 17km und knapp 300hm die kürzeste Etappe auf dem Programm. Auch diese bewältigten wir in 1 1/2h. Langsam machten sich die Kilometer in den Beinen bemerkbar und es wurde immer wichtiger, sich bis am nächsten Tag gut zu erholen.

Um die Beine zu lockern gingen ein Teil unserer Gruppe in die Massage, ich machte am Mittwochmorgen einen Ausflug ins fast leere Aaseebad in Ibbenbüren, wo ich gemütlich einen Kilometer geschwommen bin. Am Abend fuhr uns Werner nach Ibbenbüren Dickenberg zum Start der fünften Etappe. Diese war mit gut 22km und knapp 300hm die zweitlängste Etappe. Auch hier wurden wir fünf Kilometer vor dem Ziel noch einmal gefordert, wo es auf einen schmalen Trail und Treppen runter ging. Nun merkte ich nicht nur die Beine, sondern auch langsam die Füsse, vor allem die Zehen und die Zehennägel. Wir schafften es ins Ziel beim Aasee in Ibbenbüren und das sogar noch unter zwei Stunden.

Am Auffahrtsdonnerstag war der Start zur sechsten Etappe wieder um 14:00h. Mit knapp 23km und 200hm war die letzte auch gleich die längste Strecke. In der Zwischenzeit war es ordentlich warm geworden. Die Strecke führte von Ibbenbüren Aasee zurück nach Riesenbeck, wo wir sechs Tage zuvor zu unserem Abenteuer aufgebrochen sind. Noch ein letztes Mal wurde das Medley gespielt und die Läuferschar auf die Strecke geschickt. Die ersten Kilometer waren flach, doch bei Kilometer 8 ging es wieder auf einen Trail. Bis Kilometer 12.5 waren wir Offroad unterwegs und man musste sich mit den müden Beinen ordentlich konzentrieren, damit man nicht über eine Unebenheit stolperte. Ab Kilometer 10 vor dem Ziel waren das erste und einzige Mal bei dieser Veranstaltung Kilometertafeln angebracht. Nun ging es zuerst runter und die letzten Kilometer waren schliesslich flach, so dass ich noch in einem zügigen Marathontempo ins Ziel laufen konnte, Zum Glück hatte ich auf dem Trailteil noch nicht alle Körner verschossen.

Im Ziel gab es das begehrte Finisher-Shirt und am Abend noch das Abschlussfest, wo die ersten fünf aller Altersklassen geehrt wurden. So durfte ich, nachdem ich in allen Etappen die Altersklasse W45 gewonnen hatte (so zu sagen "Start-Ziel-Sieg"), auch auf die Bühne und einen Rucksack sowie einen Check über 55 Euro entgegen nehmen.

Es war ein toller Anlass, welcher von Michael Brinkmann und seinem Team alle zwei Jahre mit viel Herzblut organisiert wird. Wer weiss, vielleicht sind wir 2018 wieder dabei. Uns hat es gefallen, der Lauf, die Gesellschaft, die Landschaft und das Essen (insbesondere Kuchen, Waffeln und Co. :o).

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin (Donnerstag, 19 Mai 2016 07:45)

    Du bisch eifach de Hammer Ursi. Chapeau, für all das wo du leistisch!!!

  • #2

    kathrin (Sonntag, 22 Mai 2016 09:42)

    Ursi - du bist unverschämt