Erlebnisbericht Ironman70.3 Aix-en-Provence vom 1.5.2016

Die Wetterprognosen vor dem Rennen bereiteten mir Einiges an Kopfzerbrechen, das Wasser war knapp 14°C und die Lufttemperatur im einstelligen Bereich. Zudem wurden Winde in Orkanstärke prognostiziert. Deshalb kaufte ich mir am Vortag auf der Ironman Expo noch ein Paar Neoprenfüsslinge; diese sind zwar im Rennen nicht erlaubt, aber wenigstens könnte ich mir so meine Füsschen vor dem Schwimmstart etwas warm halten und man kann die Füsslinge leicht im Neoprenanzug verstauen, wenn der Startschuss fällt.

Am frühen Morgen des Renntages begab ich mich per Shuttlebus ins Zielgelände. Es war 6Uhr morgens und ein eisiger Wind fegte mir um die Ohren. Mit Daunenhosen und Windstopperjacke konnte ich mich bei 5°C einigermassen warm halten, aber meine Motivation fürs Schwimmen war auf dem Nullpunkt. Dann kam die erlösende Botschaft des Veranstalters: „swim cancelled because of strong winds and too low water temperatures“. Ausserdem durfte man ausnahmsweise den Laufradsatz wechseln, es wurde von Hochprofilfelgen und Scheibenrädern abgeraten aufgrund der stürmischen Winde auf der Radstrecke. Ein Raunen ging durch die Menge, für mich die Erlösung. Nun konnte ich mich auf meine beiden stärkeren Disziplinen fokussieren. Leider hatte ich keinen zweiten Laufradsatz dabei, so hatte ich keine andere Wahl als mit meinen ZIPP 404 Felgen zu starten. Aber was solls, ich war nicht die Einzige.
Es wurde ein „Rollingstart“ durchgeführt, immer 5 Starter gleichzeitig, diejenigen mit den tiefsten Nummern zuerst. Mit der Nummer 180 war ich relativ weit vorne im Feld.
Ohne das Schwimmen hatte man den Vorteil, dass man mit trockenen Kleidern aufs Rad steigen konnte. Ich habe mich für die Variante lang/lang mit Winterbikejacke, 2 Paar Socken und Handschuhen entschieden. Die richtige Wahl, wie sich herausstellen sollte. Die Radstrecke war sehr coupiert, 1100 Höhenmeter auf 90km. Sie führte uns durchs wunderschöne Hinterland der Provence. Aufgrund der sehr starken böigen Seitenwinde bis 100km/h musste ich mich sehr stark auf die Strasse konzentieren und ich hatte wenig Möglichkeiten die Landschaft zu geniessen. In den oft sehr windexponierten Abfahrten musste ich teils gegen die angezogenen Bremsen treten um den Druck auf die Pedale nicht zu verlieren, was sonst zu einem Sturz hätte führen können. Im Gegensatz zu einer meiner Kolleginnen, die vom Wind von der Strasse gefegt wurde (zum Glück unverletzt), hatte ich mehr Glück und konnte ohne Sturz die Wechselzone erreichen. Ich war froh, den Radteil abgeschlossen zu haben. Ich wusste aber nicht, wieviele Körner ich schon vergeben hatte im Kampf gegen den Sturm und die vielen Höhenmeter. Allzu frisch fühlten sich meine Beine nicht mehr an. Zudem waren meine Füsse mittlerweile gefühllos durch die Kälte.
Der Wechsel aufs Laufen verlief jedoch wunschgemäss ohne Schwierigkeiten, das Gefühl in den Zehen kam bald wieder zurück.  Ich konnte mein angepeiltes Tempo halten. Die Laufstrecke kam mir durch die steten Steigungen und Gefälle sehr entgegen; sie war mental sehr abwechslungsreich und das Laufstück durch den Stadtpark von Aix-en-Provence war geradezu idyllisch mit dem kleinen Bächlein und den zwitschernden Vögeln in den grossen Bäumen. Drei Runden à 7km mussten absolviert werden. Die Stimmung im Stadtzentrum war grandios, man schwebte förmlich durch die Zuschauermenge. Und dann endlich, die ersehnte „Finishline“. Zu fetziger Musik konnte ich mein Tempo auf den letzten 200m noch etwas aufdrehen und ich durfte als Zweite meiner Agegroupe hinter der Schweizerin Sandra Dänzer, der amtierenden Ironman Weltmeisterin meiner Agegroupe, die Ziellinie überqueren. Ich habe vom 2. Rang geträumt, aber nie zu hoffen gewagt. Das gibt mir die Bestätigung, dass ich auf Kurs bin für mein nächstes Projekt, die Hawaii-Qualifikation am Ironman Austria Ende Juni. Aus diesem Grunde habe ich den Slot für die Ironman70.3 WM in Australien im September 2016 nicht angenommen. Ich hoffe nur, dass ich jetzt nicht zu hoch gepokert habe.
Ich möchte hiermit auch die Gelegenheit nutzen unseren Team-Sponsoren zu danken, allen voran X-Bionic, Sponser Sportfoods, ZEROD und ON Schuhe.

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Kommentare: 1
  • #1

    kathrin (Montag, 09 Mai 2016 07:42)

    Alex du bist eine Wucht