Patrouille des Glaciers 19./20. April 2016

Sag niemals Nie! Als ich nämlich vor zwei Jahren an der PdG das Ziel in Verbier erreichte, habe ich allen gesagt, dass ich mir sowas nie, nie wieder antun werde. Doch kaum waren die Strapazen vergessen, haben die schönen Erinnerungen überwogen.

Da ich bereits zwei Mal dieses Rennen von Zermatt nach Verbier, gespickt mit 4.000 Aufstiegshöhenmetern und einer Distanz von 53 Kilometern, erfolgreich finishen konnte und bekanntlich alle guten Dinge drei sind, wollte ich es also nochmals wissen und ging am 19. April 2016 an den Start.

Bereits im September 2015 haben Maria, Sybille und ich uns für dieses Rennen eingeschrieben. Da die Teilnehmerzahl beschränkt und die Nachfrage sehr gross ist, wurden wir erst Mitte Dezember informiert, dass wir einen der begehrten Plätze ergattert hatten. Somit konnte das Training beginnen. Im Dezember und Januar lag so wenig Schnee wie schon lange nicht mehr und es war schwierig auf „Touren“ zu kommen. Im Februar und März kam dann der langersehnte Schnee und wir konnten viele und auch längere Skitouren gemeinsam – oder jede für sich – unternehmen. Schlussendlich konnte ich auf meinen Skitouren 52.000 Höhenmeter sammeln und war somit gut vorbereitet auf das kommende Abenteuer.

 

Dann war es endlich soweit. Als wir am Nachmittag in Zermatt ankamen ging es zuerst zur Materialkontrolle. Unsere gesamte Ausrüstung wurde durch die Schweizer Armee kontrolliert und gekennzeichnet. Alles war perfekt, nur mein Seil entsprach nicht der Norm, obwohl ich dieses extra von einem Bergführer als PDG-Seil gekauft hatte. Der Ärger begann früh, doch schlussendlich kamen wir noch zu einem passenden Seil und alles war für den Start parat .

 

Um 22.00 Uhr war der erste Start. Es gab verschiedene Startblöcke und wir waren im zweiten Starterfeld eingeteilt. Endlich, um 22.45 Uhr ertönte unser Startschuss und gemeinsam mit 78 anderen Dreierpatrouillen ging es den ersten Kilometer durch die Strassen in Zermatt, wo wir alle von Hunderten von Zuschauern lauthals angefeuert wurden. Die erste Stunde waren wir zu Fuss mit Turnschuhen unterwegs. Die Ski inklusive Skischuhe waren am Rucksack befestigt. Beim „Stafel“ wechselten wir von den Turn- in die Skischuhe und weiter ging’s im Gleitschritt über den Schnee. Wir kamen sehr gut voran und dank Mond und Sternen war es ziemlich hell und die Stirnlampen konnten auf Sparflame geschaltet werden.


Um 01.00 Uhr erreichten wir die Wechselzone „Schönbiel“. Alles war super organisiert und von den Armeeangehörigen wurden wir freundlich empfangen. Ab hier waren wir angeseilt unterwegs, weil die Strecke über Gletscher führte. Ich war Seilführende und versuchte ein möglichst gleichmässiges Tempo zu laufen. Schon bald wurden wir aus unserem Rhythmus geholt. Es gab Stau, weil die Spuren ziemlich vereist waren und die Felle keinen Gripp mehr hatten. Mit Spitzkehren und einem kurzen Abschnitt zu Fuss, konnten wir diese Passage gut meistern. Bald waren wir auf 3.000 Metern über Meer und ich bekam wieder etwas Mühe. Doch weil Maria mit Übelkeit und Unwohlsein zu kämpfen hatte, mussten wir das Tempo etwas drosseln und meine Höhenbeschwerden hielten sich in Grenzen. Sybille unterstützte Maria mithilfe eines „Abschleppseils“. Maria biss sich durch und wir erreichten schliesslich den höchsten Punkt „Tête Blanche“ auf knapp 3.700 Metern. Die Soldaten empfingen uns auch hier wieder äusserst freundlich und halfen uns bei der Demontage der Steigfelle und beim Umrüsten für die Abfahrt. Maria wurde von einem äusserst "hübschen" :-) Militärarzt speziell betreut und er schaffte es, sie irgendwie zu motivieren weiterzumachen. Wir gönnten ihr eine etwas längere Pause und dann ging es weiter in die Abfahrt – immernoch am Seil. Wir harmonierten bestens und konnten wieder etwas Zeit gut machen. Kaum unten angekommen hiess es wieder Felle montieren und nochmals aufsteigen. Maria litt und kämpfte wie verrückt. Doch irgendwann hatte ihr Körper wohl genug und sie musste sich mehrmals übergeben. Wir waren froh, als wir dann den Col de Bertol erreichten und uns abseilen und für die längere Abfahrt nach Arolla bereit machen konnten.


Die Abfahrt verlief gut, obwohl der Schnee pickelhart und zum Teil sogar richtig eisig war. Wir fuhren vorsichtig und wollten nichts riskieren. Es war ja schliesslich immer noch Nacht und der Weg noch weit.
Um circa 5.00 Uhr morgens erreichten wir Arolla, wo uns der Bruder von Maria mit frischen Getränken und Essen versorgte. Maria konnte sich in der Abfahrt zwar ziemlich gut erholen, doch weil sie nichts mehr essen konnte und auch nichts mehr im Magen hatte, entschloss sie sich schweren Herzens, Sybille und mich alleine weiterziehen zu lassen. Man darf die PdG auch zu zweit beenden, wird dann aber nicht mehr klassiert.


Von Arolla ging’s dann direkt eine steile und sehr eisige Piste hoch. Sybilles Felle hielten, aber meine wollten nicht so wie ich es wollte und ich rutschte immer wieder nach hinten und musste mühsam mit Spitzkehren die Piste hochlaufen. Dies war nicht nur anstrengend für meinen Körper, sondern noch viel mehr für meine Psyche. Alles Fluchen war vergeblich und schliesslich gab es nur den einen Weg und der führte nach Verbier. Also Zähne zusammenbeissen und sich mental ablenken.


Kurz bevor die Sonne zum Vorschein kam, erreichten wir die Portage auf den Col de Riedmatten. Hier konnten wir die Ski am Rucksack befestigen und weiter ging’s zu Fuss ein steiles Couloir hoch. Diese Abschnitte liebe ich am meisten. Das Hochsteigen bringt mir jeweils Abwechslung in das sonst so monotone Gleiten und ich kann mich in diesen Passagen immer gut erholen.
Dann ging es wieder runter und den See entlang Richtung La Barma. Ab da wurde es richtig warm. Die Sonne strahlte auf uns nieder und nur dank einem leichten und kühlen Lüftchen sind wir nicht total überhitzt. Wie bereits die zwei Male zuvor, musste ich in dieser Sektion wieder leiden und mich richtig durchbeissen. Ich wusste, es ist alles nur im Kopf und ich versuchte Sybille nicht aus den Augen zu verlieren und ihren Schritt mitzugehen. Merci Sybille für deine Geduld.

 

Dann endlich kam die Portage auf die Rosablanche. Dieser Abschnitt gehört für mich zum schönsten am ganzen Rennen. Erstens konnte ich mich wieder gut erholen und zweitens wurde man oben von Hunderten von Fans euphorisch begrüsst und angefeuert. Richtig beflügelt und emotional aufgewirbelt nahmen wir dann die letzten Abschnitte unter die Ski. Ich wusste, nun haben wir es bald geschafft. Uns konnte eigentlich nur noch ein Materialdefekt oder Unfall aufhalten. Eine kurze Abfahrt mit Traversierung und dann den letzten kurzen Aufstieg von 200 Höhenmetern bewältigten wir rasch und schon ging’s in die letzte, lange Abfahrt bis nach Verbier.


Unten, am Ende der Skipiste, wurden wir von meinen Eltern mit Applaus empfangen. Jetzt hiess es nochmals die letzten Energiereserven auspacken und trotz Blasen an den Füssen den allerletzten Kilometer zu Fuss durch Verbier zu joggen. Auf dem ganzen Kilometer wurden wir von den Zuschauern angefeuert und dann endlich überquerten wir nach 13 Stunden gesund und glücklich die Ziellinie, wo uns Maria bereits sehnsüchtig erwartete.

 

Ein grosses Merci an Maria und Sybille für dieses unglaubliche Abenteuer. Ihr wart einfach Spitze!!!!

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Kommentare: 4
  • #1

    Kathrin (Freitag, 22 April 2016 23:38)

    Liebe Cristina, liebe Sybille und liebe Maria -
    Hey, ich kenn' diese Variante von Herausforderung schlicht nicht. Merci für die spannende Beschreibung. Ihr seid echte Power-Frauen, dass und 'wie' ihr ein solches Abenteuer angeht. Ihr dürft mega stolz auf euch sein! Gratuliere! Grandios, was ihr wagt, aushält und dies alles stets mit einer grossen Verbundenheit zur Bergwelt. Sind wirklich alle guten Dinge drei? Oder vielleicht 3+;-)?
    Tragt euch Sorge und ich freue mich auf unsere nächste Begegnung, wenn ihr mich am Motivations-Seil eines Trainingstages oder Teamwettkampfes mitreissen werdet! Gute Erholung und Herzgruess Kathrin.

  • #2

    Chänti (Samstag, 23 April 2016 10:22)

    Gratuliere Ladies! Hammer Leistig!!!!
    Gueti Erholig öich aune...

  • #3

    Nadine (Samstag, 23 April 2016 13:10)

    Wow, grossartige Leistung! Gratuliere

  • #4

    Karin (Samstag, 23 April 2016 15:58)

    Hammerleistig Gratuliere euch drü ganz herzlich Ihr chönnt mega stolz uf euch sii