Engadiner Skimarathon, 13. März 2016

Bereits zum 4. Mal reisten wir an den Engadiner Skimarathon. Aber noch nie waren die Emotionen so hoch. Nach einer Rücken-Operation (ich bekam eine Bandscheiben-Prothese im Nacken, was sich negativ auf die ganze Wirbelsäule auswirkte) im Früh-Sommer hatte ich eine 8 monatige Trainingspause, in dieser Zeit ich zum Teil fast nicht mehr spazieren, mich bewegen konnte und ich viele Tage nicht wusste, wie ich aus dem Bett kommen soll. Viele Tränen wurden vergossen, Hoffnungslosigkeit trat sich breit, bis dann endlich Ende letztes Jahres langsam eine Besserung eintrat. Und ja, jetzt stehe ich nach 2,5 Monaten sanftem Training hier im Engadin.

Wir reisten am Samstagmorgen ins Engadin, wo uns strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und warme Temperaturen erwarteten. Herrlich. Bereits bei der Start-Nummer-Ausgabe waren bei mir die Tränen weit vorne, vor Freude, weil ich dabei sein konnte. Doch auch die Angst war da, ob ich das schaffe. Vor allem die Abfahrt im Stazerwald und die letzten 6km mit den Golan-Höhen machten mir grosse Sorgen, denn während dem Training fuhr ich immer nur flache Distanzen, da die Hügeln mit dem Rücken einfach nicht gingen.

Wir schlenderten noch ein bisschen durchs Marathon Village und liessen uns von der Stimmung anstecken. Um 14h traf ich meine zwei Team-Kolleginnen, Tanja Meier und Nadine Marbot, vom X-Bionic Ladies Tri Team, für ein Fotoshooting und um ein bisschen fach zu simplen. Ich freute mich sehr, meine Team-Kolleginnen zu treffen und uns noch die besten Wünsche auf den Weg zu geben.

Nach einer Stärkung mit Kuchen ging es zurück nach Samedan, wo wir unser Hotel hatten. Da am Sonntag bereits um 4.45h Tagwache war, gingen wir bereits um 18h Abendessen und lagen um 20h schon im Bett. Trotz Nervosität schlief ich erstaunlich gut. Eigentlich meldeten sie wieder super Wetter für den Sonntag, doch der Himmel blieb bewölkt und ziemlich frisch. Bereits um 6.30h ging es mit dem Zug nach St. Moritz und weiter mit dem Shuttlebus ins Startgelände nach Maloja, wo immer mehr Läufer eintrafen und schon eine tolle Stimmung herrschte.

Um 9.23h ging es dann für mich los. Da ich letztes Jahr viel zu weit hinten bei den Volksläufer starten musste und überall eine lange Warteschlange herrschte, sobald es ein wenig bergauf ging, war ich dieses Jahr schon um 9h am Start, um ja aus dem 1. Block der Volksläufer starten zu können, was sich wirklich bewährte. Langsam aber sicher stieg die Nervosität. Doch ich sagte mir, einfach mein Rennen laufen und geniessen. Die ersten 10km vergingen wie im Flug, obwohl die Schneeverhältnisse alles andere als top waren, weicher mehliger Schnee, wo man zum Teil 10cm einsank, was ganz schön kräfteraubend war. Bei km10 war auch der 1. Verpflegungsposten. Nach 2 Becher Wasser und noch ein Stück Ovo-Schoggi (mit der geht es ja nicht besser aber länger und ich hatte ja noch 32,2 km vor mir :-) ging es weiter. Wie erhofft, ging es beim 1. Anstieg zur Sprungschanze hoch ohne Wartezeit. Zu meiner Freude ging alles noch tiptop. Ich spürte der Rücken, aber noch alles im grünen Bereich. Einer meiner Sorgen-Abschnitte war noch vor mir. Die Abfahrt vom Stazerwald. Ich hatte Angst vor einem Sturz. Ich weiss zwar, die Prothese hält, aber trotzdem geistert der Gedanke, wenn ich stürze und die Prothese bricht, habe ich einen Genick-Bruch (so doof :-). Aber noch mehr Angst als selber zu stürzen war, dass jemand dann noch in mich reinfuhr. Aber wie heisst es so schön, Augen zu und durch und es klappte alles wunderbar. Nach 1h57 erreichte ich Pontresina und somit die Rennhälfte. Ich war immer noch topfit, die Beine zeigten keine Ermüdung. Schnell noch etwas trinken und wieder ein Stück Ovo und weiter gings.

Die nächsten 10km ging es flach über den Flughafen Samedan, eigentlich eine Strecke zum Gas geben. Aber ein heftiger Gegenwind bläste uns entgegen. Bei km 22 bekam ich einen Stock einer Mitläuferin zwischen die Beine und viel ganz unglücklich auf die rechte Hand, welche beim Weiterlaufen ganz schön schmerzte und ich konnte mein Stock gar nicht mehr richtig halten. Aber an Aufgeben war gar nicht zu denken. Ich schnappte mir ein grösserer Mann, mit einen für mich rassigen Tempo und liess nicht mehr locker und lief einfach hinter ihm her, obwohl der Rücken bei jedem Schritt mehr reklamierte und die Schmerzen immer stärken wurden und die rechte Hand und somit Arm nicht mehr wirklich zu gebrauchen war. (Danke lieber Unbekannter fürs Ziehen).

Doch es klappte ganz gut, bis ca km 35 wo die Golan-Höhen anfingen. Ich merkte, dass bergauf gar nichts mehr ging, die Schmerzen im Rücken waren unerträglich und keine Kraft mehr im Oberkörper, um bergauf zu laufen. So quälte mich über die letzen Kilometer und verlor leider viel Zeit. Ich war so erleichtert, als das Schild kam, noch 2km bis ins Ziel. Da wusste ich, dass ich es schaffen werde. Die letzten 500m im Zielgelände wollten nicht mehr aufhören. Doch auf der Zielgerade entdeckte ich mein Partner an der Bande stehen, welcher schon länger im Ziel war und da strömten nur noch die Tränen (konnte gar nicht mehr sehen wo ich fuhr) Tränen vor Erleichterung, Erlösung, aber vor allem vor Stolz, es geschafft zu haben, nach diesem schwierigen Jahr. Ich fühlte mich als Siegerin und war einfach nur wahnsinnig glücklich und zufrieden, stolz und einfach nur happy, mein über alles geliebter Sport wieder ausführen zu können.


Und noch stolzer bin ich, seit ich vernahm, dass dies einer der härtesten Rennen war wegen den Schneeverhältnissen und viele meiner Kollegen bis 30min länger brauchten wie letztes Jahr und ich es aber in einer 5min schnelleren Zeit schaffte.


Es war mein grösser Sieg dieser Lauf. Und ich wünsche und hoffe mir ganz fest, dass es weiter so aufwärts geht.

Auf diesem Weg noch ein ganz grosses Dankeschön an das X-Bionic Ladies Tri Team, welche an mich glaubten und mich in ihrem Team ab 2016 aufnahmen. Ich bin stolz zu euch zu gehören und danke X-Bionic für die tollen Kleider, die goldwert sind und ihre Unterstützung.

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Kommentare: 5
  • #1

    Susanne (Dienstag, 15 März 2016 19:35)

    WOW!! Was füre Leistig und was füre Pricht! Härzlichi Gratulation zu dere grandiose Leistig und dim Kämpfe! Dankä, dass du üs a dinä Erläbnis, Emotionä und am Erfolg läsch la teilneh! Witer so.... liäbi Grüäss Susanne

  • #2

    Manz Jeaninne (Dienstag, 15 März 2016 21:45)

    Liebe Karin
    Herzliche Gratulation!!!
    Du kannst mega stolz auf dich sein :-). Es ist schön deinen Bericht zu lesen, ich fühlte mit dir. Man spürt, dass der Sport dir viel Freude bereitet. Ich wünsche dir weiterhin viele tolle Erlebnisse im Sport und mit uns Ladies ;-)
    Liebe Grüsse
    Jeaninne

  • #3

    Karin (Mittwoch, 16 März 2016 07:34)

    Viele herzliche Dank für euche Kommentar. Da chömmet mir grad namol Träne :-)

  • #4

    Kathrin (Donnerstag, 17 März 2016 22:16)

    Liebe Karin, am Trainingsweekend habe ich bereits ein wenig mit Dir Bekanntschaft schliessen dürfen, im Wissen, 'wie' gerne Du mit dabei gewesen wärst. Ich wünsche und hoffe ganz fest mit Dir, dass es weiterhin 'so' und à la Engadiner Ski-Mara aufwärts gehen wird. Alles nur erdenklich Gute und Gesunde für Dich. Danke, für Deinen offenherzigen Bericht. Bis bald in Echtheit... Bei der x-bionic-Kleider-Probe, im Velodrom... Häb Sorg zueder!

  • #5

    Karin (Freitag, 18 März 2016 07:26)

    Liebi Kathrin Viele Dank für dini liebe Wort. Jetzt hät mich zwar grad no ä mega Gripp verwütscht :-( Aber bin zueversichtlich und sehr positiv, dass es jetzt witer so ufwärts gaht. Ja, han extra min Arbeitstag abtuuschet, damit ich am 16. April bir Kleider-Prob chann däbii sii. Freue mich uf euch alli. Dir au alles Liebe und Guete und bis gli