Tour de Tirol - Ein Laufabenteuer!

Verschiedene Läufer haben mir schon seit ein paar Jahren von der Tour de Tirol vorgeschwärmt. Als ich dann im Frühjahr Annabelle davon erzählte, war sie sogleich Feuer und Flamme und wir meldeten uns für den 3-tägigen Laufevent in A-Söll an. Am Freitagabend steht jeweils der Söllner 10km-Lauf mit 3 Laufrunden à 85hm auf dem Programm, am Samstagmorgen geht es mit dem Kaisermarathon mit 42km und 2300hm weiter, bevor es am Sonntagmorgen schliesslich noch einen 23km Trailrun mit 1200hm zu bewältigen gibt.

Als es dann soweit war, zeichnete sich ab, dass mich Annabelle nicht begleiten konnte, da sie verletzungsbedingt eine längere Laufpause eingelegt hatte. Philippe würde mich begleiten, aber nur am sonntäglichen Trailrun mitlaufen und den Samstag für eine Biketour nutzen. So reisten wir am Freitagmorgen mit dem Zug und unseren Bikes nach A-Wörgl. Nach 5h Fahrzeit kamen wir schliesslich an. Da der Bus nach A-Söll erst über eine Stunde später gefahren wäre, war es natürlich von Vorteil, dass wir die Bikes dabei hatten und die 12km zum Austragungsort ohne Wartezeit zurücklegen konnten. Zuerst fuhren wir ins Hotel Alpenschlössl und deponierten unser Gepäck dort. Wieder war es von Vorteil, dass wir mit dem Bike unterwegs waren, war die Startnummernausgabe doch 2 1/2km vom Hotel entfernt. Als die Startunterlagen geholt waren, blieb noch genügend Zeit für eine kleine Mahlzeit, bevor ich mich kurz nach 17:00h zum Start des Abendlaufs aufmachte. Rund 600 Teilnehmer waren am Start, sowohl Gesamtstarter, als auch Einzelstarter, welche nur am 10km-Lauf teilnahmen.
Bei unseren östlichen Nachbarn geht alles etwas entspannter zu und her, so war erst kurz vor 18:00h das Racebriefing und der Start dann schliesslich um 18:02h. Das Feld setzte sich in Bewegung, nach 500m ging es schon mal während 1000m den Hügel hoch, bevor auf einem längeren Kiesweg ein Auf und Ab folgte. Schliesslich ging es dann während etwa einem Kilometer wieder runter, bevor wir flach dem Ziel entgegen liefen. Diese Runde war 3x zu bewältigen und diese 10km hatten es schon in sich. Natürlich wäre hier etwas Zurückhaltung geboten gewesen, doch die meisten Läufer waren sehr motiviert und liefen sehr schnell los. Da es während dem Lauf schon dämmerte, machte ich mich gleich darauf auf den Weg zurück ins Hotel. Nach dem Abendessen checkte ich so nebenbei die Rangliste und war etwas überrascht, dass ich den 3. Platz in der W45 belegte. Die Siegerehrung hatte ich natürlich verpasst.
Am Samstag ging es dann richtig zur Sache. Der Organisator hatte versprochen, dass der Bergmarathon noch mehr Trails und weniger Asphalt als in den Vorjahren enthalten würde. Na, da war ich mal gespannt. Um 08:33h wurden wir mit 3 Minuten Verspätung losgeschickt. Zuerst ging es auf einer Schlaufe rund ums Dorf. Die ersten 200hm waren da schon bewältigt. Die erste Zeitlimite war streng angesetzt, musste man doch diese 7.5km nach spätestens 50min zurückgelegt haben. Nach 41 oder 42min passierte ich den Start erneut und weiter ging es auf vielen Wiesen- und Trailpfaden zur Rübenzahlhütte, wo schon fast die Hälfte der Strecke aber auch die Hälfte der Höhenmeter geschafft waren. Kein Vergleich mit dem Jungfrau-Marathon, wo man bis Km 26 wunderbar einrollen kann. Von da ging es weitere 400 oder 500hm hinauf  auf 1500m.ü.M. an drei wunderschönen Bergseen vorbei. Über einen anfangs steilen Abstieg wurden wir runter zur Gondelbahnstation Hexenwasser auf 1100m.ü.M. geschickt. Nun ging es ans Eingemachte. Noch fehlten 7km und 800hm. Zuerst marschierten wir eine steile Wiese hoch, bei mir machten sich nun Krämpfe in den Schienbeinen bemerkbar. Einfach die Zähne zusammenbeissen und weiter, ich konnte sogar noch andere Läufer überholen. Es folgte nochmal eine flachere Passage, bevor es dann auf dem letzten Kilometer steiler und steiler wurde. Auf den letzten 300m taten meine krampfenden Schienbeine bei jedem Schritt weh. Mit schmerzverzerrtem Gesicht bin ich da die letzten Meter bis zur Ziellinie hochgekraxelt. Leider war es neblig und kühl oben auf der Hohen Salve und die wunderschöne Rundumaussicht blieb uns verwehrt. Mit einem funktionellen Finishershirt und der Medaille machte ich mich mit der Gondelbahn auf den Rückweg, nachdem ich meine Tasche mit den Kleidern abgeholt und mich umgezogen hatte. Der Zufall wollte es, dass ich mit Liudmila und ihrem Partner in der gleichen Gondel runterfuhr. Wir begannen zu plaudern, stellten fest, dass wir den gleichen Jahrgang hatten und es war mir bald bewusst, dass sie eine gute Läuferin und Langläuferin ist. Die beiden übernachteten ebenfalls im Hotel Alpenschlössl und nahmen mich von der Talstation mit dem Auto mit zurück ins Hotel. So blieb mir ein 3 oder 4km langer Fussmarsch erspart, worüber ich nicht unfroh war. Wir plauderten dann noch davon, dass die Siegerehrung um 17h wäre. Ich dachte, ja da muss Liudmila hin, aber ich wohl nicht. Ein Blick auf die Rangliste etwas später zeigte dann aber, dass ich in der Kategorie W45 hinter ihr auf Platz 2 gelaufen war. Was für eine Ehre mit ihr auf dem Podest zu sein. Diese Siegerehrung liess ich mir dann nicht entgehen. Nach einem feinen Mehrgangmenü im Hotel Alpenschlössl legten wir uns schlafen. Ich hatte einen Riesenrespekt vor dem Trailrun am Sonntag, zumal mir einige Leute erzählt hatten, dass es diverse rutschige Stellen gäbe. Blöderweise regnete es dann in der Nacht und am Morgen beim Start auch noch und besonders frisch fühlte ich mich auch nicht gerade, als ich am Morgen aufstand.
Um 9:30h wurden wir auf die Strecke geschickt. Wir waren mehrheitlich auf Wiesen, schmalen Wald- und Schotterwegen unterwegs. Nasse Wurzeln und Holzbrücken sowie schlammige Stellen im An- und Abstieg machten das Ganze nicht einfacher. Zwei Kilometer nach dem Start kam der Tatzelwurm das erste und einzige Mal für 1 oder 2 Minuten bei einer engen Passage zum Stillstand. Was soll es, ich zog mir Jacke aus, da ich schon warm hatte und stellte mich in die Reihe, was die meisten anderen Teilnehmern mit wenigen Ausnahmen auch machten. In den Downhills würde ich sowieso Zeit verlieren. Ich hatte mir insgeheim zum Ziel gesetzt diese Strecke in 3h zu schaffen. Nach 4km ging es erstmals ziemlich steil hoch und dann ziemlich steil auf einem schmalen Pfad runter. Zum Glück konnte ich mich an der steilsten Stelle an einem Seil halten. Anschliessend ging es durch einen Steinbruch, welcher nur am Renntag geöffnet war und dann hinauf zum höchsten Punkt. Wenn immer es eine steilere Variante als den normalen Wanderweg gab, wurden wir direkt hochgeschickt. Einige Male musste man schon schauen, dass man nicht gleich wieder rückwärts den Berg runter rutschte. Beim höchsten Punkt ging es etwa 150hm steil im Wald runter. Zum Glück war genug Platz da, so dass man sich nicht gegenseitig behinderte und ich passierte diese Stelle für meine beschränkten Downhillfähigkeiten einigermassen vernünftig, auch wen mein Fuss einmal in einer fiesen dünnen Wurzel hängenblieb. Ich konnte mich aus dieser Situation befreien ohne zu stürzen. 4km vor dem Ziel gab es nochmals ein steiles enges Waldstück den Berg runter, an welchem ich nicht so sehr Freude hatte. Am Schluss ging es noch 2 oder 3x hoch und runter bevor man es dann auf einer Asphaltstrasse runter ins Ziel rollen lassen konnte. Knapp unter 3h war ich schliesslich im Ziel. Wenn ich technisch besser runter laufen könnte, hätte ich sicher noch 8-10 Minuten gut machen können, aber unfallfrei durchzukommen war mir wichtiger. Dies ist nicht allen gelungen. Jasmin Nunige musste sich im Ziel am Bein verpflastern und ein Top-Läufer, welcher nach 5km stürzte, lief mit gebrochenem Arm die Tour zu Ende. Zwischenzeitlich hat es sogar richtig Spass gemacht im Schlamm rumzurutschen, da die Schuhe eh schon komplett verschmutzt waren. Am Sonntag erreichte ich Rang 6 in der Kategorie, was schliesslich den 3. Gesamtrang in der W45 im Schlussklassement ergab. Die Siegerehrung musste ich sausen lassen, da der einzige Zug mit Velomitnahme bereits um 15h in A-Worgl abfuhr. Reto, ein Laufkollege, welcher den zweiten Platz in der M55 erreichte und auch in Wetzikon wohnt, hat mir dann den Pokal netterweise mit nach Hause gebracht.
Es waren drei tolle und intensive Tage an einem super organisierten Event. Die Reise nach Österreich hat sich definitiv gelohnt!

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrin (Mittwoch, 21 Oktober 2015 17:41)

    Gratuliere Dir von Herzen mit einem digitalen Pokal, Du göttliche Läuferin:-) Wie kriegst Du das bloss hin, so neckisch-unbeschwert von solchen Ultra-Anstrengungen zu schreiben? Saison-Pause nicht vergessen;-)!!

  • #2

    Ursi (Donnerstag, 22 Oktober 2015 20:12)

    Danke, liebe Kathrin - Die kommenden Wochen werden sportlich etwas ruhiger!