Ironman70.3 Worldchampionship Zell am See

30. August 2015, mein grosser Tag stand bevor. Da mein Start an der Ironman70.3 WM erst um 11Uhr45 angesagt war, konnte ich ausschlafen und gemütlich in den Tag starten mit einem ausgiebigen Frühstück in Anwesenheit des amtierenden IM70.3 Weltmeisters Javier Gomez, der in der gleichen Pension übernachtete.  Meine Nervosität in den Vortagen hielt sich in Grenzen. Ich wusste, dass ich nichts zu verlieren hatte und die Resultate der aktuellen Saison haben mich so zufrieden gestellt, dass alles, was noch kommen sollte, nur noch das Tüpfchen auf dem i bedeuteten.

Um 11Uhr15 begab ich mich in den kristallklaren, 21°C warmen Zellersee zum Einschwimmen. Schwimmend konnte man den anderen Athleten beim Start zusehen, denn jede Altersklasse wurde einzeln ins Rennen geschickt. Um 11Uhr45 war dann auch meine Agegroupe (AK40-44) an der Reihe. Die Stimmung im Vorstartbereich war angenehm entspannt, alle schienen es locker zu nehmen. 3 Minuten vor dem Start wurden wir ins Wasser gelassen. Seit über einem Jahr, nach meinem Qualifikationsrennen am IM70.3 Wiesbaden, freute ich mich auf diesen Tag; die monatelange Vorbereitung hatte nun ein Ende.
Dann der Startschuss: ich versuchte vom Wasserschatten der anderen Schwimmerinnen zu profitieren und achtete gleichzeitig darauf die Bojen korrekt anzupeilen um das Schwimmen von Extrametern zu vermeiden, so wie ich es in den Openwater Trainings von Swimhohlic gelernt habe. Vom Schwimmen aus sah man die zahlreichen Zuschauer am Seeufer stehen, in der Ferne hörte man den Lautsprecher der Wechselzone. Nach knapp 35min konnte ich aus dem See steigen; die Zeit lag innerhalb meiner Erwartungen, obwohl ich gerne 2-3 Minuten schneller geschwommen wäre. Nun konnte ich meine Aufholjagd starten.


Schnell fand ich auf dem Rad mein Tempo. Dadurch, dass alle Agegroupes einzeln gestartet waren, gab es kein Gedränge, man konnte die geforderten 10m-Windschattenabstände gut einhalten. Ein weiterer Vorteil war, dass ich nur Frauen meiner Altersklasse um mich herum hatte. Jede Frau, die ich überholte, brachte mich einen Platz weiter nach vorne auf der Rangliste. Die Strecke verlief zunächst flach auf komplett für den Verkehr gesperrten Strassen. Nach ca 20km begann die Strasse stetig an zu steigen, zuerst angenehme 5-10%, auf den letzten Kilometern dann knackige 15%. Als Schweizerin kam mir diese Bergstrecke sehr entgegen, die Radübersetzung passte. Andere mussten ihr Rad schieben. Der Filzensattel mit rund 1290m.ü.M. war der höchste Punkt der Radstrecke, danach gings in Haarnadelkurven wieder runter, 15km Abfahrt. Auch dort hatte ich einen Vorteil durch meine Passfahrtenerfahrung. Ich konnte Platz um Platz gut machen, dies ohne ein zu grosses Risiko einzugehen. Die letzten 40km der Radstrecke waren geprägt durch zahlreiche kleine Gegensteigungen und scharfen Kurven, so richtig Tempo machen war da nicht einfach. Ich versuchte darauf zu achten mich ausreichend zu verpflegen, in regelmässigen Abständen zu trinken und Salztabletten einzunehmen. Ich wusste, dass eine unzureichende Salz-und Flüssigkeitsaufnahme bei diesen hohen Temperaturen (gegen 32°C) spätestens auf der Laufstrecke  seinen Tribut zollen würden. Noch konnte ich den Fahrtwind geniessen, was die Hitze erträglicher machte. Nach 2h45min Radzeit erreichte ich zum zweiten Mal die Wechselzone.


Nun kam meine Paradedisziplin, dachte ich zumindest. Aber bereits auf den ersten Kilometern fühlten sich meine Beine nicht mehr so locker an wie normalerweise bei solchen Wettkämpfen. Hatte ich auf der Radstrecke überzockt? Ich wollte wenigstens versuchen den 4:30min/km Schnitt zu halten, solange es ging. Jeder Kilometer musste sich erkämpft werden, kein Vergleich zu damals an der Challenge Roth vor 7 Wochen, als ich den Marathon relativ locker abspulen konnte. Ich ersehnte jeweils den nächsten Verpflegungsposten herbei, um meinen Durst zu stillen und mich mit den nassen Schwämmen Abkühlung zu verschaffen. Trotz allem konnte ich immer wieder Läuferinnen und Läufer überholen. Die anderen litten wohl noch mehr als ich, einige konnten nur noch marschieren. Aufmunternd waren die Anfeuerungsrufe der Zuschauer, besonders die bekannten Gesichter aus dem Berner Oberland. Dann endlich, der letzte Kilometer; an den zahlreichen Strassencafés vorbei bis zum Einbiegen auf die Finishline. Wow, was für ein Empfang. Nach 5h10min überquerte ich die Ziellinie mit meiner schlechtesten Halbmarathonzeit ever (1h40). Aber jetzt war mir alles egal, die Freude und die Erleichterung, das Rennen beendet zu haben, überwogen. Nach einer überaus wohltuenden Massage begab ich mich zurück in die Pension. Erst dort erfuhr ich, dass ich den 7. Rang in meiner Altersklasse belegt habe. Noch immer glaube ich zu träumen, ein Top 10-Rang war reines Wunschdenken und ausserhalb meines realen Denkvermögens. Zell am See, der Austragungsort der ersten IM70.3 Weltmeisterschaften auf europäischem Boden, wird für immer in positiver Erinnerung bleiben: eine wunderschöne Gegend, sehr gastfreundliche Leute, eine Super-Stimmung und der Ort eines meiner bisher grössten sportlichen Erfolge.
Ein grosses Dankeschön geht an das X-Bionic Ladies Tri Team und unseren Ausrüster X-BIONIC, SPONSER für die perfekte Verpflegung in Training und Wettkampf und ZEROD, für den genialen Neoprenanzug, den ich das erste Mal in einem Wettkampf tragen durfte.

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Kommentare: 1
  • #1

    Kathrin (Samstag, 12 September 2015 23:20)

    Ich komme reichlich spät mit meinen Glückwünschen... Hoffentlich bist Du heute nach wie vor erfüllt von Deinem super Wettkampf. Ich find's genial, wie Du sowohl strategisch-mental als auch physisch Deinen eigenen Wettkampf durchziehen kannst und Dir am Ende bei einem so stark besetzten Triathlon unter einen Platz unter den besten 10 ergatterst. Wow! Weiter so - wenn nicht diese, dann wiederum nächste Saison:-) Ich schätz', ich sollte auch 'mal mit Gomez zmörgele;-)