Mörlialp-Duathlon: Eine gelungene Premiere

Bei meiner Wettkampfplanung anfangs Jahr war für mich klar, erneut einen Triathlon anzugehen. Da dies im 2014 nicht drinnen lag, will ich meine Idee sachte umsetzen. Warum nicht mit einem Lauf beginnen und anschliessend via Duathlon zum Triathlon gelangen?

Ausnahmsweise keine Qual der Wahl, denn die Ausschreibungsschlagzeile des Mörlialp-Abenteuers “der Duathlon für Bergziegen“ überzeugt mich auf Anhieb.
9 (Lauf-Km) – 11 (Rad-Km) bei einigen Höhenmetern sollten machbar sein. Gedacht und bereits angemeldet. Sympathisch ist mir zudem der Gedanke, dass es eine doppelte Premiere sein würde. Die erste Durchführung des Mörlialp-Duathlons und meine eigene als Duathletin. Schaut doch vielversprechend aus, nicht?
Bei meinen Erkundigungs-Streifzügen in Internet und Bücherwelt wird mir allmählich angst und bange zumute.
Die Mörlialp liegt knappe drei Kilometer unter dem Glaubenbielenpass (Verbindung zwischen Giswil/OW und Schüpfheim/LU). Im Durchschnitt beträgt die Steigung satte 8.5%. In der Grafik des Buches zu den 50 schönsten Pässen sehen diese Prozente dramatisch aus. „Eine seriöse Herausforderung“ steht irgendwo in Bezug auf die Tour de Suisse Etappe 2012. Schweizmobil stellt als Wegweiser mit Routennummer gar eine Art „Warnschild“ auf: „14km Steigung und 1100hm bis zur Passhöhe!“. Und ungewollt lasse ich mich verlinken und lande auf www.quaeldich.de.
Ich bin zusehends verunsichert, ob ich den Bergziegen-Duathlon verniedliche und mich selber knallig überschätze. Entsprechend dränge ich meinen Partner Mändu, wieder einmal unseren Salvisberg-Stutz als Schlussbouquet in eine von unseren Touren einzubauen. 18% lese ich auf dem Verkehrsschild vor unserem Hausberg, was mich vorerst ausatmen lässt, bevor ich ins anaerobe Pusten komme. Das ist deutlich steiler als die 8.5% des Mörlialp-Anstieges. Und dort sei die maximale Neigung 11%. Prima! Weil sich meine Gräuel-Phantasien nichts desto trotz hartnäckig festhaken, fahre ich die Strecke zur Mörlialp ab.
Dabei werden meine persönlichen Herausforderungen fassbarer: Mein Trinkverhalten auf dem Velo ist - gelinde gesagt - geprägt von Zurückhaltung. Unter den fürsorglichen Blicken von Mändu habe ich mich entsprechend darauf konditionieren müssen, auf Passfahrten und bei ersten Anzeichen von flach werdenden Strassen unmittelbar zum Bidon zu greifen und mindestens einen Schluck zu trinken. Die Panoramastrasse Richtung Glaubenbielenpass  wird hingegen nie, nie, nie eben. Geschweige denn abfallend. Alles Aufwärts. Also keinen Anreiz, der meine Trink-einen-Schluck-Konditionierung spontan auslösen würde. Mit einem kleinen Schluck aus der Flasche erschwer ich mir das Trampen um einiges und riskiere, aus dem Rhythmus zu fallen, vom Velo zu kippen und einen DNF an Land zu ziehen;-).
Daher erstaunt es nicht,  dass die Veranstalter auf die Verpflegungsstände entlang der Radstrecke verzichten. Die knappe Stunde auf dem Rennvelo muss man schlicht mit 10km/h-14km/h durchziehen und dabei jede Bewegung ökonomisieren. An einen Stopp ist erst nach der Zieldurchfahrt zu denken.
Die zweite Herausforderung betrifft das Koppeln. Obwohl der Wechsel vom Laufen auf das Rennrad moderater ist als umgekehrt, geht er angesichts des Aufwärtspushen an die Substanz und lässt meine kleinen Oberschenkel-Mukis grossartig motzen.
Notabene ihr lieben x-Bionic Tri Team Ladies: Ihr würdet es alle auch packen, da bin ich mir sicher. Die Panoramastrasse wird zudem ihrem Namen gerecht. Fantastisch! Der Ausblick auf das Tal und den Sarnersee verdrängt die Anstrengung. Zudem finde ich es während dem Wettkampf motivierend, beim „Hinuntergüxlen“ viele Co-Athleten in den Kurven zu sehen, winzig und fleissig wie Ameisen. Zugegeben, ich werde dabei meiner Strategie „Schau immer nach vorne und nicht zurück“ untreu… Im Rennen selber kommt mir die Radstrecke viel kürzer vor. Die Temperaturen sind perfekt, der Verkehr auf der zuweilen einbahnigen Strasse mässig und die Zuschauer geben beim Applaudieren ebenfalls 100%igen Einsatz. Die letzten zwei Kilometer stellen mich hart auf die Probe. Jeder Kilometer der Strecke ist markiert und ich wünsche mir am Ende, die Signale würden mich alle 250 Meter anlachen, um mein Durchhaltevermögen zu festigen. Mein Schlusssprint sieht man von aussen vermutlich nicht. Ist ehrlicherweise wohl eher ein inneres Empfinden. Meine Sherpa-Rolle für‘s Bidon war nicht umsonst. Das Rebellieren der Oberschenkel bleibt erträglich. Meine sorgfältige Vorbereitung hat sich bewährt;-). Begleitet von super tollem Sound komme ich nach 1:39 und als Drittplatzierte meiner AK im Ziel an. Ich fühle mich überglücklich. Yeah – ein wunderbarer Duathlon-Auftakt!
Zurück zur zeitlichen Chronologie, obwohl die Radstrecke klar als Kronjuwel herausragt.
Den Ausgangspunkt des Mörlialp-Duathlons setze ich bei der guten Stimmung. Mändu und ich sind früh in Giswil und bekommen mit, wie sich die Duathlon-Szene einfindet. Alle scheinen sich zu kennen und wirken gleichwohl offen. Im Gespräch mit den beiden Hauptorganisatoren erfahren wir, dass sie mit rund 80 Personen gerechnet haben. Haben rechnen müssen, um bei der Premiere keine roten Zahlen zu schreiben. Datacom ist zwar präzise doch nicht ganz gratis. Umso aufstellender, dass sich fast 150 Sportler und Sportlerinnen gemeldet haben. Dass es bei der Startnummernausgabe zu einer längeren Schlange kommt als jener vor den Toiletten, scheinen die meisten gelassen hinzunehmen. Ansonsten ist die Organisation schlicht top. Da sind leidenschaftliche Profis mit Eigenerfahrungen am Werk. Verbesserungsideen schwirren für die Austragung im Juni 2016 bereits in der Luft. Das Dealen mit der Polizei zum Beispiel, um aus Sicherheitsgründen die Panoramastrasse für den Verkehr vorübergehend schliessen zu können. Im Tal war dies schon der Fall.
Vor dem Lauf bin ich überrascht, wie gewissenhaft sich die Duathleten aufwärmen. Auf Grund der angekündigten Vorstartrunde hätte ich erwartet, dass diese dem „Auseinanderzöttelen“ der Läufermasse dient und für mich als warm-up ausreichen sollte. Schätze, ich raffe das Prinzip „Vorrunde“ nicht... Auf den Start wartend bin ich wie gewohnt zappelig drauf und froh, wenn es endlich losgeht. Heja – unglaublich: Die Ersten preschen vor, als ginge es um einen 100m Sprint. Ich suche meinen Rhythmus und bin weiterhin verwundert in Bezug auf das angeschlagene Tempo. Extrem. Irgendwann ahne ich, dass auch diese Vorrunde zur Gesamtzeit zählen könnte und ich an Geschwindigkeit zulegen sollte.
Nebst einer Schlag- kenne ich auch eine Überholhemmung. Ich komme mir beim Überholen von Läuferinnen meist allzu dreist vor. Heute will und muss ich diese Blockade wegstecken, wenn ich die Vordersten noch annähernd im Auge behalten will. Mir läuft es bestens und ich hole ein, überhole, hole auf und überhaupt… ich bleibe bei mir, bleibe in meinem Takt und meine Beine laufen lockig-flockig von alleine. Ein Hochgefühl sondergleichen. „Hurra, hurra, hurra!“ würde meine bFaZ Carmen lachend mit einem Luftsprung frohlocken
Die Laufstrecke birgt bloss eine einzige Steigung von ca. 150 hm in sich. Ein bekömmliches, da regelmässiges Aufwärts-Laufen. Ein energieraubendes Hakenschlagen auf Grund von abrupten Kurven fällt ebenfalls weg (gell Alex, les „20km de Lausanne“ laissent saluer;-). Der Lauf zeigt sich insgesamt als ideal, um in einen kontinuierlichen, rhythmischen Run zu gleiten.
Vergessen gehen darf auch nicht der prächtige Flecken Natur. Entlang der Laui, scheinbar dem grössten Wildbach der Schweiz, über einige Holz-Stege hinüber und auf vielen natürlichen Pfaden. Das gefällt mir und lässt mich federleicht dahinschweben. Eigentlich mag ich meinen Lauf nicht wirklich beenden. Muss sein. Vor mir taucht die Wechselzone auf.
Ein Erinnerungsbild, das kaum zu verkraften ist. Ich wirke „rüüde lámaaschig“ in meinen Bewegungsabläufen und checke einmal mehr mit den Begleitworten eines helfenden Kontrolleurs aus: „Startnummer  drehen!“ Ach herrje, Übergänge sind nicht mein Ding. Das bezieht sich übrigens nicht einzig auf die Sportwelt.
Zumindest läutet Sultan, mein Velo motivierend die Radstrecke ein.
Die Umstellung durch die zwei ersten Kilometer auf der Ebene ist angenehm für Körper und Geist. Als Retourkutsche werde nun ich überholt - von zwei schnittigen Rennradfahrern. Da Windschattenfahren erlaubt ist, könnte ich mich dranhängen. Keine Chance. Schon gar nicht, wenn ich wegen den atemberaubend schönen Zeitfahrmaschinen das Pedalen vergesse…
Linksabbiegung und jetzt geht es ran an die Sache. Vor mir der bereits erwähnte Aufstieg, während dem ich nur noch einer einzigen Duathletin den Vortritt gewähre.
Die Mörlialp-Duathlon-Premiere wird in bester Erinnerung bleiben. Bei mir und bei vielen andern, was die News der attraktiven Homepage (www.moerlialpduathlon.ch) verraten. Ein absolut empfehlenswerter Wettkampf! Nicht bloss für Bergziegen, sondern auch für Ladies, die einen spezifischen Wettkampf-Reiz setzen wollen, für Natur- und Bergliebhaberinnen, für alle, die sich gezielt an andern Athletinnen und Athleten messen wollen (diese Saison war die Besetzung meines Erachtens unglaublich stark), als Vorbereitung für jene, die mit dem Gemmi-Triathlon liebäugeln und für Sportbegeisterte, die eine familiäre Atmosphäre schätzen und einem „jedermann“-Event den Vorrang geben. Das Wetterglück, das wir hatten (bis nach der Siegerehrung blieb es trocken), lässt sich bekanntlich nicht arrangieren. Aber auch bei Schnee und Hagel werden Herzwärme und Begeisterungsfunken des OKs durchschimmern, davon bin ich überzeugt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Alex (Montag, 20 Juli 2015 14:56)

    Liebe Kathrin,
    ich bin erst jetzt dazu gekommen deinen Bericht zu lesen. Ich danke dir für die spannenden Zeilen, toll geschrieben! Und nachträglich herzliche Gratulation zum 3. Rang, den ich irgendwie nicht mitgekriegt habe. Sorry! Der Mörlialp Duathlon muss ein ganz spezielles Erlebnis sein; auf jeden Fall eine Reise wert.
    Herzliche Grüsse
    Alex