Tour de Suisse Challenge - Morgarten Memorial 14.6.15

Nach dem Höhenflug an der Tortour Challenge im August 2014 zusammen mit Nicole folgten für mich einige Tiefschläge. Nach einem Bergunfall Anfang September, wo ich mir ein Schleudertrauma zuzog, meinte ich, mich ziemlich rasch erholen zu können. Die Psyche war bald wieder parat und auch die Wunden heilten ziemlich rasch. Doch das eine solche Verletzung viel tiefgründiger ist, ahnte ich zu dieser Zeit noch nicht.

Im Herbst und Winter hatte ich dann ständig mit mir unbekannter Müdigkeit zu kämpfen und war viel krank und langsam aber sicher nagten diese Umstände an meiner Psyche. Auch auf meinen geliebten Skitouren konnte ich nicht mehr das gewohnte Aufstiegstempo laufen und war oft, wenn ich wieder mal zu viel wollte gleich wieder krank.

Eine Blutuntersuchung brachte mir dann das Resultat Pfeifferisches Drüsenfieber. Eine unnötige und demotivierende Diagnose. Aber immerhin wusste ich nun was los war und ich versuchte alles etwas ruhiger zu nehmen. Trotzdem konnte ich natürlich nicht auf Sport verzichten. Jedoch nehme ich nun alles etwas gemütlicher.

Nach Ostern holte ich dann mein Rennvelo und das Bike aus dem Winterschlaf und die ersten Ausfahrten bei frühlingshaften Temperaturen warteten auf mich. Auch hier fuhr ich einfach jeweils mein Tempo und liess mich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mich wieder mal jemand in einem Aufstieg oder so überholte.

Die ersten zwei Juniwochen verbrachte ich zusammen mit meinem Freund in Italien. Wir genossen das herrliche Wetter und die schöne Landschaft in der Toscana bei ausgedehnten Ausflügen mit dem Rennvelo. Als Abwechslung zum Velofahren nutzten wir den guten Wind für ein paar Tage Kitesurfen in Talamone. Auch ein Abstecher mit dem Bike auf die coolen Freeridetrails in Punta Ala durfte nicht fehlen. Als krönender Abschluss absolvierten wir noch ein paar lange Pässefahrten im Vinschgau. Noch nie habe ich so viele Velofahrer auf einem Haufen gesehen wie am Stilfser Joch! ;-) In diesen zwei Wochen konnte ich meine Form wieder etwas aufbauen und die Freude ist zurück. Auch wenn es noch nicht so schnell geht wie vor einem Jahr! ;-)

Gut trainiert und total motiviert stand ich am 14. Juni an der Tour de Suisse Challenge in Rotkreuz am Start. Leider habe ich mich zu langsam eingeschätzt und ich musste im zweitletzten Startblock starten. Ein grosser Fehler. Denn die meisten Frauen starteten in den Startblöcken vor mir, einige sogar im ersten Startblock. Die Zeit zählte direkt nach dem Startschuss, obwohl es für mich noch einige Sekunden wenn nicht eine Minute ging bis auch ich endlich in Bewegung kam! Die ersten paar Kilometer war ich dann damit beschäftigt volle Pulle nach Vorne zu fahren. Ich gab einfach alles was ich hatte und überholte Fahrer um Fahrer. Doch die vordersten Gruppen waren einfach schon zu weit weg. Dann kam auch schon der erste längere Aufstieg Richtung Sattel. Den Bergpreis konnte ich somit begraben, weil ich die Frauen aus den ersten Startblöcken natülich nicht einholen konnte. Ich fand dann irgendwann meinen Rhythmus und eine gute Gruppe wo ich mich anschliessen konnte.

Zusammen fuhren wir um den Aegeri und Zugersee. Es war ein riesen Erlebnis, bei den Abahrten keine Angst vor Gegenverkehr zu haben, denn alle Strassen waren für uns gesperrt. Überall Fans am Streckenrand, Begleitfahrzeuge, Polizeicorps etc. Ich fühlte mich fast wie ein Profi! ;-) Die Jungs in meiner Gruppe pushten jeweils die kleinen Rampen hoch und ich legte dann jeweils einen Sprint hin um den Anschluss nicht zu verpassen. Schon bald holten wir andere Gruppen und auch Frauen ein. Bei der ersten Zieldurchfahrt nach 60km waren wir eine Gruppe von rund 20 Fahrern, darunter mit mir vier Frauen.

Dann kam schon bald der steile 5km Anstieg. Leider habe ich mir das Höhenprofil zu wenig gut angeschaut, dachte ich doch der Aufstieg sei nur kurz eine steile Rampe. Also drückte ich von Anfang an grosse Gänge und versuchte die anderen drei Frauen abzuschütteln. Als dann plötzlich ein Zuschauer meinte, weiter so, es sind nur noch 3km Aufstieg!! phhuuu da wusste ich so kann ich nicht weiterdrücken, das verbläst mich. Und ich musste runterschalten. Die drei Frauen schlossen dann bald zu mir auf. Ich versuchte dran zu bleiben, doch ich mit meiner Grösse und meinem Gewicht bin nicht gerade ein Bergfloh und musste die drei irgendwann ziehen lassen. :-( Da wünschte ich mir wieder mal etwas kleiner und zierlicher zu sein! Aber was solls. Die letzten 10km waren dann nochmals ziemlich flach. Doch alleine konnte ich den Anschluss nicht mehr schaffen. Kurz vor dem Ziel konnte ich dann einer Gruppe anschliessen, doch ich schaffte es nicht mehr die drei Frauen einzuholen. Nach 82km mit einer Fahrzeit von 2h und 26min überquerte ich glücklich und zufrieden die Ziellinie. Ich habe alles gegeben, nie überdreht und mein Ziel mehr als erreicht. Beim nächsten Mal werde ich mich einfach auch in den ersten Startblock stellen!

Dank Manuela habe ich dann noch zusammen mit ihr die Rangverkündigung abgewartet und war total überrascht dass ich bei den Frauen Masters (bin halt schon über 30) sogar gewonnen habe! :-) Welch Überraschung. Ein 12-Pack Bier und Shampoo für das Haar ab 40ig ;-) war dann mein Preisgeld!

Ein cooler Event und guter Saisonstart und merci Manuela fürs Anfeuern und die Bilder!!

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Kommentare: 3
  • #1

    Nicole (Dienstag, 16 Juni 2015 09:27)

    Cristina, ganz e tolle Bricht. Nimm dä Schwung mit und heb wiiterhin viu Freud am Radlä. Dis grosse Ziel naht und das chunt sehr, sehr guet :-).

  • #2

    Petra (Dienstag, 16 Juni 2015 11:13)

    Spannender Bericht. Weiterhin gute Genesung und häb Sorg!

  • #3

    Kathrin (Donnerstag, 18 Juni 2015 12:58)

    Dein Bericht ist wunderbar erfrischend. Ich wünsche Dir, dass Du wieder voll zu Deinen "Ursprungskräften" kommst und dass Deine Begeisterung und Freude nun definitiv andauern:-) Herzliche Gratulationen auch zu Deinem tollen Ergebnis!