Tortour Challenge, 15. August 2014

Auch nach drei Tagen bin ich immer noch völlig im Flash wenn ich an das Abenteuer Tortour Challenge zurückdenke. Es ist immer noch wie im Traum und ich bin überglücklich, dass Nicole und ich dieses Abenteuer so souverän gemeistert haben.... Nun der Reihe nach.

Als wir uns im Januar für dieses Abenteuer eingeschrieben haben, war alles noch so weit weg und uns wurde erst im Verlauf der letzten zwei Monate während der Vorbreitung bewusst was da auf uns eigentlich zukommen sollte. Noch nie hatten wir ein Rennvelorennen absolviert - geschweige denn waren wir so lange am Stück auf dem Rad. Doch wie soll man wissen ob man es schafft wenn man es nicht einfach probiert.

 

Das Wetter war seit Juni ein stetiges auf und ab genau gleich wie meine Motivation. Im Mai war das Wetter so gut, dass ich so viele Kilometer abspulte wie noch nie zuvor und schon bald im Juni hatte ich meine erste Motivationskrise... doch zum Glück habe ich neben dem Radsport noch das Klettern und Bergsteigen welches mir immer wieder die nötige Distanz und Abwechslung brachte.

 

Denn genau eine Woche vor der Tortour konnte ich zusammen mit meinem Chef ein weiteres langersehntes Projekt realisieren. Gemeinsam haben wir den Salbit Westgrat unter 11 Stunden erklettert. Leider mussten wir dann noch einen Abstieg von 2000 Höhenmetern zu Fuss bewältigen... der daraus entstandene Muskelkater begleitete mich dann tatsächlich noch bis zwei Tage vor der Tortour... doch ich war frei und bereit für das nächste grosse Abenteuer.

 

Am Donnerstagmorgen früh fuhr ich zusammen mit meinem Vater nach Basel zur Settelen AG. Dank Stephan Settelen bekamen wir ein günstiges Mietbüsli für unser Projekt. Anschliessend fuhr ich alleine mit dem Büsli weiter nach Schaffhausen in unser Bed & Breakfast wo ich mich mit Nicole und unserem Betreuer Werner traf. Gemeinsam gings zum Check-In und anschliessend direkt zum Briefing in die IWC Arena, welches auch unser Start- und Zielpunkt sein sollte. Nach der wohlverdienten Pasta Party gings zurück zu unserer Basis dem Bed & Breakfast wo wir ein ganzes Haus zur Verfügung hatten. Herzlichen Dank an Beat Hofstetter. Dieses B&B können wir nur weiterempfehlen.

 

Kurz nach 18 Uhr trafen dann auch unsere zwei weiteren Supporter Maria und Dani in Schaffhausen ein. Die Henkersmahlzeit, eine selbstgemachte Lasagne von Nicole und die letzten Teambesprechungen rundete den Tag für Nicole und mich ab. Während wir uns kurz für knapp 3 Stunden aufs Ohr legten machten unsere Supporter noch die letzten Vorbereitungen für einen reibungslosen Ablauf während der Tortour. An Schlaf war nicht zu denken, zu viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Ich war froh als ich endlich aufstehen und mich fürs Rennen bereit machen konnte.

 

Dann um 01.15 Uhr wurden Nicole & ich in die dunkle Nacht entlassen. Die ersten 50km absolvierten wir gemeinsam. Unser Teambus fuhr hinter uns her und per Funk wurden wir richtig geleitet. Es war ein riesen Chaos, so viele Fahrer und immer diese Teambusse die im Weg waren. Ein stop and go.... und dann noch der Fight mit dem anderen Frauen Couple. Die beiden waren mit Triathlonrennrädern unterwegs und dementsprechend windschnittig und schnell...

Bei der ersten Timestation passierte schon das erste Missgeschick. Für Nicole war hier Pause angesagt und ich musste weiterfahren. Zuerst wollte ich aber noch kurz meinen Bidon bei den Betreuern wechseln, steuerte in Richtung Trottoirauffahrt, als mir irgend so ein komischer Zuschauer in die Quere kam, ich kurz ausweichen wollte und mein Vorderrad wegrutschte und ich voller Wucht seitwärts auf den Asphalt knallte. Meine rechte Hüfte und der rechte Unterarm sowie der Kopf schmerzte.... ich hob mein Rennvelo auf und stürmte mit sturmen Kopf meinen Betreuern entgegen. Kurz was essen und weiter gings. Die Schmerzen waren hart und ich musste echt beissen. Ich konnte nicht mehr wie gewünscht Druck auf die Pedale geben und auch mein Schädel brummte. Ach wie ich mich verfluchte.... warum dieses Missgeschick.... ich war zu fest im Rennfieber... irgendwie versuchte ich die schlechten Gedanken wegzubringen... es wird schon irgendwie gehen sagte ich mir. Die nächsten 65km war ich alleine unterwegs und versuchte die Pace möglichst hoch zu halten... doch mein rechter Rücken schmerzte und ich musste mich immer wieder aus dem Sattel heben....

Dann bei der zweiten Timestation passierte nochmals ein Missgeschick. Im Roadbook unserer Betreuer war die Timestation falsch eingezeichnet... als ich dort ankam herschte ein riesen Chaos, keine Timestation war da und auch andere Fahrer waren da gestrandet und wussten nicht wie weiter. Ein Begleittöff war am Funken mit der Zentrale... so gingen die Minten vorbei. Irgendwann packte ich wieder das Velo und sagte bei mir auf dem GPS stand noch 1.5km... Nicole und alle Betreuer stiegen wieder ins Auto und folgten mir. Dann tatsächlich nach 1.5km kam die richtige Timestation... auch das kostete uns wieder wertvolle Minuten....Nun konnte ich eine Pause einlegen, während Nicole die nächsten 70km von Obrriet bis Chur absolvierte...

 

In Chur hatte ich gerade noch kurz Zeit für einen Toitoi Stop bevor Nicole auch schon mit einem riesen Smile angebraust kam. Der Wechsel funktionierte tadellos und für mich ging es weiter auf die nächsten 65km bis nach Disentis... Dank der Massage von Maria ging es dem Rücken wieder besser... nur jetzt strahlte es ins rechte Knie aus... auch dies versuchte ich wegzudenken und ich konzentrierte mich aufs Fahren.... dieser Streckenabschnitt war landschaftlich sehr schön und liess die Wehwechen etwas vergessen. Es lief mir gut und unser super Betreuerteam unterstützte mich wo sie nur konnten mit Anfeuerungsrufen, Cola- und Bouillonstops etc... Dank den Sonnenstrahlen war es angenehm warm. Ich war froh als ich endlich Disentis erreichte und dort sogar von Res und Christof (Mann von Nicole) empfangen wurde. Sowieso herschte unter den Fahrern und den anderen Betreuerteams immer eine super Stimmung und man feuerte sich gegenseitig an.

 

Nun kam die happigste Etappe für Nicole. Von Disentis musste sie zuerst den Oberalp und dann noch den Furka bezwingen. Zuerst schien die Sonne und dann auf dem Oberalp wurde es arschkalt und regnete in Strömen. Zum Glück war dann der Aufstieg auf den Furka wieder trocken und dank der Bouillon konnte sich Nicole jeweils wieder etwas von innen wärmen...

 

Auf dem Furka übernahm wieder ich den Chip. Bei Regen und Nebel ging es gleich in die erste Abfahrt nach Gletsch... von Gletsch kam der kurze Gegenanstieg auf die Grimsel... es blies ein fieser Gegenwind, dass ich zum Teil richtig hart trampen musste um überhaupt vorwärts zu kommen. Oben auf der Grimsel empfing mich strömender Regen und dicker Nebel. Ich liess mich nicht beirren und fuhr gleich in die Abfahrt. Wegen dem Wind musste ich auch in der Abfahrt derart trampen, dass ich nie kalt hatte... ich überholte einige Fahrer und auch Autos und war so richtig im Flow... das nasse Terrain und die difuse Sicht machte mir unheimlich Spass... meine Supporter kamen anscheinend etwas ins Schwitzen weil sie mir fast nicht folgen konnten und sich anscheinend (unbegründent) auch noch Sorgen um mich machten, weil ich doch tatsächlich bis zu 90km/h runterblochte!! ;-)

Im Aufstieg zum Brünig wurde es dann wärmer und in meinen Regenhosen schwitzte ich gehörig, doch abziehen kam für mich nicht in Frage, ich wollte ohne Pause durchziehen. Die Abfahrt vom Brünig war dann trocken und dort konnte ich nochmals richtig Gas geben, nurz zwei Rotlichtsignale haben meine rasante Abfahrt leider etwas gebremst. Zum Glück gab Dani mit dem Teambus nochmals richtig Gas, so dass sie Nicole gerade rechtzeitig an der Timestation ausladen konnten!

 

Nicole absolvierte dann die nächsten 50km bis nach Sempach und zog ein super Tempo durch, obwohl sie die letzten 5km noch so richtig verschifft wurde.

 

Meine letzte Etappe von Sempach nach Glattfelden startete auch bei Regen. Mittendrin hörte es wieder auf, bevor es dann nochmals bis am Ende so richtig aus Kübeln regnete. Auf dieser letzten Etappe lief so einiges schief, einmal habe ich mich kurz verfahren und dann gleich verflucht und weiter musste ich an jedem Lichtsignal warten, ich hatte die Rote Karte gezogen.... das nervte mich gehörig... doch über Rotlicht fahren war an der Tortour leider nicht erlaubt! ;-) Und dann bekam ich rund 20km vor Schluss auch noch Besuch vom berühmt berüchtigten Hammermann!! Er zeigte es mir so richtig und nur dank meinem super Team im Hintergrund konnte ich diese schlechte Phase überwinden und für die letzten Kilometer nochmals ungeahnte Energie freischaufeln... in Glattfelden wurden wir von meinen Eltern, meiner Schwester, Res, Christof, Conny, Katrin und Rolf und vielen weiteren Fans mit Applaus empfangen... Hühnerhaut pur... ich konnte es kaum fassen, für mich war hier Schluss und wir waren immer noch so gut drin und Nicole musste es nur noch heim fahren...

 

Nicole absolvierte dann die letzten 44km bis nach Schaffhausen. Unterwegs hatten wir oder besser gesagt Nicole nochmals ein paar Schutzengel. Auf einer unübersichtlichen Strasse kam eine Autofahrerin mit einem viel zu hohen Tempo entgegen und als sie abbremste schlidderte sie geradewegs auf Nicole zu... ich musste es zum Glück nicht mitansehen, doch unsere Supporter waren richtig geschockt denn nur ganz knapp vor Nicole kam das Auto zum Glück zum Stillstand.... Werner hat ihr dann klar gemacht, dass noch weitere Velofahrer unterwegs sind und sie doch bitte anständig fahren soll... Nicole liess sich gar nicht viel anmerken und fuhr weiter.... Dann schon bald waren wir in Schaffhausen angekommen und wir fielen uns vor Glück in die Arme...

 

Eine Begleiteskorpe mit zwei Töffs begleitete uns noch bis ins Ziel in die IWC Arena wo wir mit tosendem Applaus von unseren Fans empfangen wurden... Glücklich, zufrieden und total happy haben wir gemeinsam dieses Abenteuer geschafft. Mit 22h Fahrzeit waren wir sogar über eine Stunde schneller als auf unserem geplanten Timetable und dies bei den schwierigen Verhältnissen! Ich bin unglaublich stolz auf uns und kann es immer noch kaum glauben.

 

Ein herzliches Dankeschön an unsere drei super und unglaublichen Supporter Maria, Dani und Werner. Dank euch war dieses Erlebnis erst überhaupt möglich ihr wart einfach Weltklasse. Danke auch an X-Bionic für die super Bekleidung für jedes Wetter, Sponser für die Energie unterwegs, Swiss Cycling für den tollen Funk, Settelen für unsren Teambus und natürlich an alle die an uns gelaubt haben und uns auf I believe in you finanziell unterstützt haben! Auch die vielen SMS, Mails und Unterstützung unterwegs am Streckenrand...

 

und der grösste Dank gilt Nicole - merci für dieses geniale Abenteuer, die vielen gemeinsamen Trainings die Unterstützung bei Hochs und Tiefs, die vielen Lacher unterwegs und einfach alles! Du warst Spitze.

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Kommentare: 9
  • #1

    Cone (Dienstag, 19 August 2014 20:15)

    Einsame Spitze!!! Und super Bericht - Hühnerhautfeeling pur!!

  • #2

    Susanne (Dienstag, 19 August 2014 20:47)

    Sehr ä coolä und packände Pricht! Ig gratuliäre euch härzlich zu däre Wahnsinns Meega Leistig! Gniässed ds Nachfeeling i vollä Züg und guäti Erholig! :-)))

  • #3

    Nadine (Dienstag, 19 August 2014 21:16)

    Eifach geniau! Ganz härzlechi Gratulation!!!

  • #4

    Linda (Mittwoch, 20 August 2014 10:40)

    Wooow!!! Ich bin voll beidruckt vo Euiärä Leistig!!! Bravo und das bi dänä Bedingigä!!
    Ächt ä super Leistig!!! Ich bin meeega Stolz uf Eui!! Gnüssäd no das "after race Feeling"..*liebdrückEuch*

  • #5

    Yvonne (Mutti von Nicole) (Mittwoch, 20 August 2014 13:43)

    E super tolli Leischtig bi dem Wätter ond e usfüehrliche, schöne Bricht. Nomol härzlichi Gratulation Nicole ond Christina!!

  • #6

    Katrin (Mittwoch, 20 August 2014 13:49)

    super Bricht und natürlich mega super Leistig! Gratuliere!

  • #7

    Brigitte (Mittwoch, 20 August 2014 17:47)

    Waauuuu, super Leistung erst noch bei diesem Sauwetter!

  • #8

    Tanja (Mittwoch, 20 August 2014 20:12)

    Super Leistig vo oi 2! Und en coole Bricht:-)
    BRAVO!!!
    PS: Die andere zwei Fraue versaged ihr nächst Jahr;-)

  • #9

    Kathrin (Samstag, 23 August 2014 18:17)

    Feste Umarmung, ihr zwei tollen Ladies! Seid stolz auf eure Zusammenarbeit im Duo und im Team und natürlich auch über euren Erfolg: Grandios! Der Bericht lässt mich "mit-tschudderen". Danke, eure Gedanken und Emotionen lesen sich seidenfein! Naja, noch heute wünsche ich gutes Après-high-flash und beste Erholung. Ein grosses Merci geht auch an unsere präsenten Team-Schutzengel :-)