Einmal einen etwas anderen Lauf – Wings for Life World Run „Laufen für diejenigen, die es selbst nicht können“

Diesen Sontag sind Alex und ich an einer, einmal etwas anderen Laufveranstaltung gestartet. Statt in der schnellstmöglichen Zeit einen festgelegten Abschnitt zu laufen ging es gestern darum, möglichst lange nicht vom „CatcherCar“ eingeholt zu werden. Den eine halbe Stunde nach dem allgemeinen Startschuss begann, das Auto „Catcher Car“ seine Fahrt mit weltweit gleicher festgelegter Geschwindigkeit. Sobald man vom „Catcher Car“ überholt wurde, war der Lauf vorbei.

Vor einiger Zeit erzählte mir Kusi, einen sehr guten Freund von mir, erstmals von diesem Lauf, bei dem das gesamte Startgeld der Stiftung „Wings for Life“ zugute kommt. Die Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, Querschnittlähmung als Folge von Rückenmarksverletzungen heilbar zu machen. Kusi, hatte vor ca 3 ½ Jahren einen schweren Unfall, wobei er bei einem Gleitschirmflug die Kontrolle verlor und zu Boden stürzte. Er brach sich dabei den elften Brustwirbel. Dieser quetschte das Rückenmark durchtrennte es aber zum Glück nicht. Durch das gequetschte Rückenmark traten Lähmungen ab dem Bauchnabel abwärts auf. Bei einer Rückenmarktquetschung kann erst nach der Abschwellung festgestellt werden, wieviel Behinderung übrigbleibt.

Es folgte eine erste Operation im Berner Inselspital und weitere Behandlungen und eine längere Rehabilitation im Schweizer Paraplegiker Zentrum in Nottwil. Kusi hatte riesiges Glück und die Lähmungen bildeten sich langsam zurück. Somit begann einen langen Weg zurück als Fussgänger. Heute, nach unzähligen Physio Stunden und harter Arbeit, ist bereits fast alles wieder möglich. Und seien dies Spaziergänge, Spinning Lektionen im Fitnesscenter, Bike Touren im schönen Berner Oberland oder auch Rennradtouren. Der Ehrgeiz mehr sportliche Aktivitäten zu betreiben steigt und so versuchte Kusi auch das laufen/joggen. Anfangs waren nur ganz kurze Strecken möglich mit anschliessenden heftigen Wadenkrämpfen und Muskelschmerzen. Doch aufgeben war natürlich keine Option, den der Wings for Life World Run war als Ziel für den Sontag, 04. Mai 2014 bereits gesetzt.

 

Als ich davon erfuhr, war ich sofort begeistert und erzählte Alex, aus unserem X-Bionic LADIES TRI Team, davon. Auch Alex war von der Idee mit unserem Sport etwas „Gutes“ zu tun sofort begeistert und baute mir diesen Lauf in meinen Trainingsplan ein und reservierte sich das Datum. Sie hatte auf ihren Flitterwochen in Südafrika bereits einmal von diesem Lauf gehört. Wir meldeten uns beide für den Lauf am 4. Mai in Olten an und nahmen uns vor, diesen Lauf als Longjog Trainingseinheit zu absolvieren.

 

Wir machten uns also am Sonntagmorgen auf den Weg nach Olten. Das ankommen in Olten weckte in Alex und mir etwas Gigathlon – Feeling. Und wir schwelgten in den Erinnerungen an den Gigathlon 2012 und waren äusserst froh, dass wir zum laufen nach Olten kamen. Denn wir konnten uns beide noch bestens an die nicht endende Schwimmstrecke von Altreu nach Solothurn erinnern, in einer Aare fast ohne Strömung.

Nachdem wir die Startunterlagen in der noch fast leeren Sporthalle abgeholt hatten, machten wir ein gemütliches Ausfährtchen auf dem Rennvelo Richtung Frick, bei dem wir noch vom Ivo dem Mann von Alex begleitet wurden.

Eine Stunde vor dem Start tauschten wir das Velodress mit dem Laufdress und verpflegten uns noch einmal gut. Wir waren beide topmotiviert und freuten uns riesig auf den gemeinsamen Lauf. Beim einstehen in den Startblöcken und dem letzten Toilettenbesuch sahen wir dann auch noch Kusi mit seiner Freundin und einem Kolleg und so konnten wir den drei noch viel Glück wünschen. Dieser Lauf war für alle drei der erste Lauf überhaupt!

 

Der Lauf ging ohne Stress oder Gerangel um Punkt 12.00 Uhr, auf der ganzen Welt gleichzeitig los. Alex und ich fanden rasch in einen regelmässigen Tritt und quasselten munter während dem gesamten Lauf. Unser Ziel war es zwei Stunden zu laufen. Falls wir früher vom „CatcherCar“ eingeholt würden, so nahmen wir uns vor, trotzdem noch etwas weiter zu laufen. Der Weg führte vorbei an wunderschön blühenden Rapsfeldern, durch Wälder und vorbei an kleinen Dörfchen. Als wir auf einer Anhöhe liefen und uns langsam Motorräder überholten, welche das nahen des unvermeidlichen „CatcherCar“ ankündigten, stieg plötzlich die Nervosität. Alex und ich hatten noch knapp einen km zu laufen, bis wir die Halbmarathonmarke knackten. Als wir kurz nach der Halbmarathonmarke waren, holte uns das „CatcherCar“ ein. Die Stimmung war super. Aus dem Auto ertönte mit Mikrofonen die Meldung wer nun alles eingeholt wurde. Alex und ich strahlten in die Kamera und liefen nun gemütlich hinter der Caravane von dem „CatcherCar“ und den Medienfahrzeugen her bis zum nächsten Shuttlebus der uns zum Start Gelände zurückbrachte.

 

Im Anschluss genossen wir noch ein Kaffee an der Sonne und plauderten mit unseren drei Freunden über das erlebte. Es war einen super tollen Event und wenn es irgendwie möglich ist, werden wir das nächste Mal bestimmt wieder am Start stehen.

 

Das Spezielle daran war, dass dieser von Red Bull gesponserte Lauf rund um den Globus auf allen 5 Kontinenten in über – 40 Länder und zu den unterschiedlichsten Licht- und Wetterverhältnissen statt fand. So war es zum Beispiel in Kalifornien erst 03.00 Uhr Nachts während die Läufer in Taiwan abends um 18.00 Uhr und bei uns in der Schweiz mittags um 12.00 Uhr starteten.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Kathrin (Montag, 05 Mai 2014 20:28)

    Wunderschön Susanne, Deine Gedanken und eure Erlebnisse zu lesen. Ich habe vom Lauf gelesen und mich hätte es ebenfalls angespornt, in dieser Form meiner "Gesundheit" zu danken und die Stiftung zu unterstützen. (Ich war "leider" in Italien) Echt berührend, wie Du das Durchhalten und Dran-Bleiben von Kusi beschreibst. Ihm gratuliere ich und euch natürlich ebenso! Super, dass ihr die Halbmarathonmarke geknackt habt :-)

  • #2

    Kusi (Dienstag, 06 Mai 2014 08:49)

    Danke Susanne für Deinen Bericht und Deine Unterstützung während dieser Zeit. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und dann geht es hoffentlich noch ein paar km weiter.

  • #3

    Daniela (Donnerstag, 08 Mai 2014 09:58)

    Hey Susanne,schön auf diesem Weg mal wieder von dir zu hören.Kusi,dir ganz herzliche Gratulation! Jeden Schritt den du gelaufen bist ist Gold wert! Für deinen Durchhaltewille in den letzten fast 3 Jahren hast du meinen grössten Respekt.Ich weiss,du hast das fast Unmögliche möglich gemacht.Kusi,ich brauche einen Coach,dann laufe ich nächstes Jahr mit dir. Big Kiss

  • #4

    Brigitte (Freitag, 09 Mai 2014 11:12)

    Super Sache, das habt ihr toll gemacht!!!

  • #5

    Gordon (Montag, 12 Mai 2014 22:24)

    Super Bericht Susanne und Hut ab vor dir Kusi, mach weiter so.
    Hab irgendwie Lust bekomm, werd versuchen das mal einzurichten das ich nächstes jahr dabei bin =) (werd wohl nich viele KM packen, aber dabei sein zählt)
    Vielleicht findet ja Susanne mal Zeit für nen kleine Laufschule, bin ohne meine 2 Räder eher unsportlich ^^