Patrouille des Glaciers

"Weiterkommen am Berg" genau nach dem Slogan unseres Startplatzsponsors und meines Arbeitgebers bergpunkt.ch kann man unsere Teilnahme an der diesjährigen Patrouille des Glaciers in kurze Worte fassen. Aber nun der Reihe nach:

Im September letzten Jahres kam mir spontan die grandiose Idee an der nächsten Patrouille des Glaciers teilzunehmen. Bereits im 2010 als absoluter Skitourenneuling bin ich kurzfristig in einem Frauenteam eingesprungen und habe damals mit den beiden finishen können. Eigentlich wollte ich mir diese Strapazen nie mehr antun, doch irgendwie glustete es mich trotzdem wieder.

In meinen zwei Kletter- und Bergsteigerkolleginnen Andrea und Maria fand ich sofort zwei begeisterte und total motivierte Teamgspändli. Ich musste den beiden zwar am Anfang schon sehr gut zureden, doch schon bald waren sie Feuer und Flamme und ich meldete uns an. Dann begann die Geduldsprobe, denn erst Ende Dezember 2013 wurde bekannt, dass wir einen der begehrten Startplätze ergattern konnten.

 

Das Training konnte beginnen. Nur wo blieb der lang ersehnte Schnee. Meine Skitourensaison begann erst im Januar und auch hier liess der Schnee zu wünschen übrig. Gemeinsam unternahmen wir auch ein paar Mal ein Abendtraining der Piste entlang - nicht gerade etwas was wir den Tag durch machen würden! Aber in der Nacht sah uns ja niemand und wir mussten uns nicht schämen! ;-)

 

Aber mehrheitlich unternahmen wir gemeinsame Skitouren abseits des Rummels in tollem Pulverschnee und konnten uns so aneinander gewöhnen.

 

Die Zeit verging wie im Flug und schon bald war es April und der Schnee bei uns praktisch weg. Und so stieg die Nervosität. Plötzlich verfielen auch wir in Gewichtssparirsinn. Eine leichte Schaufel und Sonde konnten wir zum Teil ausleihen oder besorgten wir uns günstig. Zum Glück haben wir alle drei neben unseren breiten Latten, einen etwas schmäleren, aber immer noch recht breiten aber immerhin leichteren Ski. Ich besorgte mir noch einen leichten Dynafit Rucksack (den kann ich auch auf dem Bike gebrauchen). Nur leider waren meine Skis für die Halterung zu breit und ich musste etwas improvisieren. Nur einen engen Rennanzug, nein das war dann doch zuviel und um so etwas anzuziehen hatten wir dann doch zuviel stolz! :-)

 

Dann die Hektik ein paar Tage vor Start. Es schneite und schneite und die Wetterprognosen versprachen nichts Gutes. Dann die Nachricht, dass der Start um 24 Stunden auf den nächsten Tag verschoben wurde. Mit grossem Ungewissen ob wir wohl überhaupt starten können, reisten Andrea, Maria und ich am 30. April ganz nervös mit dem Zug nach Zermatt. Ab Visp war der Zug pumpenvoll mit 3er Patrouillen. Zum Glück hat uns während der Fahrt nach Zermatt keiner zugehört. Aus lauter Nervosität plapperten wir so viel Mist zusammen, dass man hätte denken können wir sind pupertierende Jungs!! ;-)

 

In Zermatt ging es direkt zur Material und ID Kontrolle. Es lief alles wie am Schnürchen und die Militärjungs hatten bestimmt Freude an uns! Ein Witzchen da und ein Lächeln dort und geschmeidig kamen wir durch jede Kontrolle und bekamen sogar noch Schokolade und sonstige Süssigkeiten! Auch sah ich einige bekannte Gesichter von Gigathlon und sonstigen Ausdaueranlässen. Dann bekamen wir ein tolles 4-Sternhotel zugeteilt wo wir uns auf den Start vorbereiten konnten.

 

Dann endlich um 21.45 Uhr war es endlich soweit und der Startschuss ertönte. Zusammen mit rund 75 anderen 3er Patrouillen machten wir uns auf den Weg. Zuerst ging es rund 550hm zu Fuss mit den Skis am Rücken auf Richtung Stafel. Wir starteten gemütlich. Es war sowieso eine riesen Kolonne auf dem Wanderweg und überholen hätte nur Kraft gekostet. Dann in Stafel erwartete uns Domi, der Freund von Maria. Es hiess Turnschuhe ausziehen, Skischuhe an und ab auf die Skis Richtung Schönbielhütte. Zeitlimite bis Schönbiel war drei Stunden. Da ich nicht genau wusste wie weit es noch war drückte ich etwas aufs Gaspedal, damit es auch reichen wird. Dann bei der Schönbielhütte hatten wir genügend Reservere und mussten ab sofort angeseilt den weiteren Weg unter die Skis nehmen.

 

Weiter gings Richtung Tête Blanche. Es hatte zwei Spuren und kamen immer mehr Patrouillen, auch schnellere die später gestartet sind. Schon bald mussten wir anstehen, weil eine etwas steilere Querpassage kam und viele Patrouillen mit den schmalen Skis und dem eisigen Gelände überfordert waren. Das kostete Nerven und Geduld war nicht gerade unser dreier Stärke. Doch aufregen nutzte auch nicht viel. Sowieso war es ein riesen Durcheinander mit den Seilen, den Überholenden etc. oft liess ich einfach andere Patrouillen passieren, weil es mir zu doof war in ein Seilgerangel zu kommen. Und selber überholen liessen wir aus Kraftgründen bleiben, dann trotteten wir halt einfach hinterher. Dann auf ca. 3200müM bekam ich plötzlich wie aus dem Nichts grosse Probleme mit der Höhe. Mir wurde kotzübel und ich fühlte mich total scheisse. Wir mussten wegen mir etwas langsamer laufen, Cola trinken und gutes Zureden und verjagen von negativen Gedanken halfen mir über die Runden. Doch der Weg bis Tête Blanche kam mir sehr sehr weit vor... und dann noch die Kälte. Mit dem Windchill ergab es auf der Tête Blanche -18 Grad. Ich war gottenfroh um meine warme Daunenjacke, die Daunenhandschuhe und dass ich nicht in einem solchen dünnen Renndress unterwegs war. Ein netter Angestellter der Schweizer Armee half mir meine Schuhe für die Abfahrt zu schliessen, weil ich die Finger nicht mehr spürte.

 

Dann kam die Abfahrt am Seil. Maria und ich, wir haben das zum Glück zusammen geübt. Ich war Seilerste und Maria hatte den schwersten Part in der Mitte. Für Andrea war es das erste Mal und deshalb natürlich auch noch etwas ungewohnt, aber gemeinsam meisterten wir die erste Abfahrt durch tollen Pulverschnee, hier waren Maria und ich dankbar für unsere breiten Skis!! :-) dann kam nochmals ein kleiner Gegenanstieg. Und hier hatte Andrea leider mit starken Bauchkrämpfen zu leiden. Wir kamen nur sehr schleppend voran und mussten Andrea motivieren weiterzugehen, sie biss sich super durch. Die Abfahrt war für Maria und mich ziemlich spassig, wir genossen den Pulverschnee und liessen einige Juchzer fallen. Andrea hatte zu kämpfen und es musste hart für sie gewesen sein. Doch zum Glück kamen wir noch rechtzeitig nach Arolla. In Arolla erwarteten uns die Eltern von Andrea mit Esswaren und frischen Getränken. Leider war mein Appetit nicht wirklich gross und ich brachte praktisch keinen Bissen runter, wenn das nur gut kommt?

Wir wussten nun wird es eng, die nächsten Zeitlimiten sind streng und wir müssen wieder etwas mehr Gas geben. Andrea wusste, dass es mit solchen Bauchschmerzen nicht weitergeht und sie liess Maria und mich zu zweit weiterziehen und beendete in Arolla das Rennen.

 

Und weiter gings. Ab Arolla folgten 700 steile Höhenmeter den Skipisten entlang. Gleichzeitig sind Patrouillen auf der kleinen Strecke von Arolla nach Verbier gestartet. Diese waren natürlich noch frisch und munter und es war schon ziemlich hart wenn dich diese wie aus dem nichts überholten. Wir trafen aber immer wieder dieslben Patrouillen an. Dann kurz vor der ersten Portage überholte uns die schnellse Frauenpatrouille. Mit Andrea Huser und Milena waren Sportprofis am Werk und die hatten natürlich eine Hightech Ausrüstung. Aber es tat gut als ich sah, dass Andrea von ihrer Teamkollegin an einer Reepschnur abgeschleppt wurde. Das machen übrigens ganz viele Patrouillen. Wenn der eine nicht mehr mag, wird er am Klettergurt mit enem Karabiner und Reepschnur angemacht und der fitteste der Patrouille schleppt diesen ab. Leider hatten Maria und ich keinen Abschleppdienst!! ;-)

 

Dann beim Col de Riedmatten, welchen wir in einer super Zeit erreichten mussten wir rund eine Stunde anstehen bis wir endlich am Fixseil runter konnten. Das war eine Geduldsprobe und auch eine ziemlich kalte Angelegenheit. Die schnellen Teams wurden auf der rechten Spur einfach durchgelassen.... Der Event ist einfach mittlerweile viel zu gross, es kann doch nicht sein dass man unterwegs eine Stunde warten muss.... sie würden besser die kleine Strecke nicht mehr anbieten. Dann gäbe es auch keinen grossen Stau.

 

Dann kam schon bald der mühsame Streckenabschnitt, die 4km dem Stausee entlang bis La Barma. Wir fellten auf und kamen ziemlich zügig vorwärts, doch es war bereits brütend heiss und die Sonne strahlte mit voller Kraft auf uns runter. Beim Streckenposten in La Barma verpflegten wir uns und Maria sass gemütlich in den Schnee. Irgendwann ging es weiter. Am Anfang noch recht gut. Wir beide liefen einfach unser Tempo und Maria hatte zum Glück ihren I-Pod dabei, da war ich auch etwas eifersüchtig! Plötzlich wie aus dem Nichts wurde mir wieder kotzelend, die Hitze machte mir zu schaffen. Ich überhitzte fast. Maria versuchte mich zu motivieren, wollte mir den Rucksack abnehmen, doch ich zickte nur rum. Ich legte mich kurz in den Schnee, zog Jacke, Stirnband, Handschuhe einfach alles aus. Und versuchte mich zu kühlen, leider gab es aber niergends einen schattigen Platz. Ich wusste es gab nur einen Weg und zwar den Richtung Rosablanche. Irgendwie schleppte ich mich zum nächsten Wechselpunkt wo wir wieder die Skis auf den Rucksack binden mussten und es zu Fuss weiter ging. Auch hier gingen wir beide unser Tempo. Wow... es lief plötlich wieder wie am Schnürchen, die neue Bewegung tat gut und je höher ich kam, je mehr kam ein frischer, kühler Wind auf, der in mir wieder das Leben erweckte. Ich überholte viele Läufer und war richtig im Element. Oben angekommen empfing mich Alain, der Freund von Andrea, mit Cola, Käse und netten Worten. Ich wusste nicht, dass der Hammermann nun bei Maria angekommen war. Sie litt und hatte Mühe. Oben wartete ich sehnsüchtig auf sie und war fro als ich sie sah. Nun war die Zickerei auf ihrer Seite. Wir sind halt einfach Weiber und wenns nicht läuft wird gezickt. Zum Glück wissen wir beide, dass wir es sowieso nicht so meinen und es war nie ein Problem. Ich versuchte einfach nicht zu viel zu sagen und sie irgendwie zu motivieren. Dass noch so eine doofe lange Traverse mit Skaten und Stöckeln kam wusste ich echt nicht, aber auch diesen Abschnitt und den letzten kurzen Aufstieg von 200 Höhenmeter auf den Col de la Chaux meisterten wir. Dann kam die letzte langersehnte Abfahrt nach Verbier. Zum Teil mussten wir kurz aus den Skiern und die Skis ein Stück weit tragen.

 

Als wir in Verbier ankamen waren am Dorfrand meine Eltern und meine Schwester die uns in Empfang nahmen. Ich musste meine Tränen unterdrücken als ich sie sah... so schön, die haben so lange ausgeharrt und waren so stolz auf uns beide.... dann mussten wir noch rund einen KM durch das Dorf marschieren bis wir endlich überglücklich und auch stolz über unsere Leistung und den grossen Durchhaltewillen die Ziellinie überqueren konnten. Wir fielen uns in die Arme und ein riesen Steinbrocken fiel mir vom Herzen. Diese Strapazen zu teilen war einfach unglaublich und ich bin so stolz auf Maria, sie ist unglaublich fit und ohne sie hätte ich mich unterwegs irgendwo in den Schnee gelegt und wäre nicht mehr aufgestanden.

 

Andrea erwartete uns bereits sehnsüchtig im Ziel und es war schön sie wieder zu sehen und gemeinsam über das Erlebte bei einem Bierchen anzustossen.

 

Unterwegs habe ich mich tausendmal verflucht, dass ich mir sowas antun muss. Doch nun nach einem Tag wieder im Büro und gutem Schlaf überwiegen nur noch die positiven Gefühle und ich bin einfach nur dankbar dass wir es geschafft haben und die Freundschaft zu Maria und Andrea hat dieses Erlebnis nur vertieft und wir kennen uns noch besser und werden bestimmt noch in 10 Jahren darüber lachen und Witze erzählen können.

 

Merci an alle die an uns gedacht haben uns mit SMS und lieben Worten vor und nach dem Rennen unterstützt haben. Das ist einfach der Wahnsinn.... merci liebe Frauen des X-Bionic Ladies Team

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Cöneler (Samstag, 03 Mai 2014 16:57)

    Du bisch u bliebsch eifach mi Held und ig zieh ganz ehrfürchtig der Huet vor dir! We eini sone monster Wettkampf meistere cha, ob körperlech oder im Chopf, de bisch das duuu!!! Gratuliere dir/euch uf dem Weg einisch meh - siter der Hammer!!! Und danke für de mega cooli Bricht, ha Hüehnerhüt gha bim lese!!

  • #2

    Kathrin (Samstag, 03 Mai 2014 23:33)

    Liebe Cristina - Woooow! Gratuliere!!! Ihr drei Frauen dürft total stolz auf euch sein. Wahnsinn, was ihr gemeinsam in Angriff genommen habt. Du schreibst wunderschön und ich habe mich ebenfalls in den Schnee fallen und verankern lassen. Und das Schnürchen war genauso spürbar. Alles läuft von alleine daran :-) Gefühlsmässig habt ihr mit Haut, Haar und Herzen im Dreier-Frauen-Team gefinisht. Toll! Euch allen wünsche ich gutes Erholen und weitere schöne gemeinsame Stunden zusammen. Merci für den lässigen Bericht Cristina!
    Kathrin

  • #3

    Katrin (Montag, 05 Mai 2014 14:44)

    Wow, Huet ab vor dere super Leistig, gratuliere! für mich als Flachländerin total unvorstellbar wie mer so öppis schaffe chan ;-)

  • #4

    Margarite Mcnees (Samstag, 04 Februar 2017 10:03)


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