Spannender Bericht von unserer Kathrin

„KP“, kriege ich von meinen jugendlichen Kindern knapp und unisono zur Antwort, wenn ich nachfrage, wie ihr Wochenende ausschauen werde. Die mimische Rückmeldung spricht eher Bände: Verständnisloser Blick, der ins Verdrehen der Augen übergeht, bevor sich alle drei solidarisch und kopfschüttelnd ansehen. Begleitet wird das Spektakel von einem tiefen Seufzer.

Was es mir sagen will? Hey Mam, bist zwar ein Schatz, gehörst aber echt nicht zu unserer Generation und scheinst krass von einem anderen Planeten zu kommen.

 

Hätte ich das „KP“ nicht bereits im notwendigen Jugendkult-Voca verinnerlicht, würde ich mich in optimistischer Weise freuen. Meine Teenager gehen prompt ihr Konditionsprogramm an oder sie wollen sonst wie ihre Kreislaufpumpe anregen. Falsch. Zur Adoleszenz meiner Schützlinge scheint zu gehören, sich durch diametral entgegengesetztes Verhalten von mir als Mam abzugrenzen. Da die angesprochene Mam ihren Bewegungsdrang auslebt, als hätte sie ein verkapptes ADHS und erst noch keinen Ritalin-Support, müssen die drei zwingend kräftig pennen. Falsch. Bezogen auf die KP-Aufschlüsselung. Richtig hinsichtlich Realität: Sie sind meisterhaft im Ausschlafen. Kochen und Putzen als ironisch gemeinter Weekendausblick von ihnen? Tatsächlich haben sie einen Zacken zugelegt und beteiligen sich viel stärker an den Haushaltsverpflichtungen. Wunderbar! Umfangssteigerung von deutlich mehr als 10% im Vergleich zum Vorjahr und dies ohne Motzen und Übertrainings-Gebrechen. Dennoch ist KP in diesem Bedeutungszusammenhang am Wochenende nie angesagt und wenn, dann leider mit negativen Vorzeichen.

 

Diese Schlaufe habe ich wohl unbewusst wegen dem 23.11. Und dem 26.11. eingebaut. Sanfte pädagogische Rückendeckung für die zwei andern Team-Ladies, die ebenfalls Mütter und Sportlerinnen in einem sind. Tanja hat am 23. ihren Sohn Cédric geboren und mit Brigitte habe ich an unserer GV vom 26. eine weitere Mutter und sympathische, künftige Teamkollegin kennengelernt. Mutter-Sein ist psychologisches Ausdauertraining vom feinsten und ermöglicht, sich in allen Facetten neu kennenzulernen.

„KP?“ Keinen Plan! In Bezug auf das Weekend haben Basil, Mia und Jodok am späten Freitagabend stets KP. Gibt es unter uns eine Sportbegeisterte, die sich das vorstellen kann? Ein Wochenende ohne Plan? Meine Pläne sind jeweils so umfassend, dass ich jeden zweiten Tag ein Wochenende einbauen könnte und nach wie vor nicht durch wäre mit all meinen Plänen.

 

Nun zum Wesentlichen. Bestimmt habt ihr euch bereits gefragt, was das alles mit dem x-bionic-ladies Triteam und Wettkampferlebnissen zu tun hat. Hat es sehr wohl. Letzthin habe ich von Conny, einer der beiden Co-Präsidentinnen ein Mail gekriegt. „… Weiter bitte ich euch noch, mir den beiliegenden Wettkampfplan 2014 bis am Freitag, 06.12.2013 auszufüllen und zu retournieren…“ Mein impulsiver Gedanke: KP! Differenzierter ausgedrückt und schon leicht deprimiert: KWP. Kein Wettkampfplan.

 

Ich kann meinen beiden Söhne und meiner Tochter nun ein wenig besser nachempfinden. Ihre momentane Welt ist dermassen gefüllt und vielseitig, wie sollen sie da locker aufzählen können, was in den kommenden 48-60 Stunden passieren soll? Mir geht’s bei Connys Aufforderung ähnlich und ich bin nahezu überfordert, prompt und klar zu beantworten, was in den 365 Tagen im 2014 bei mir laufen soll. Stichwort Laufen. Ihr kennt mich, nicht? Laufen werde ich auf alle Fälle! Mit Spass und wahrscheinlich auch wettkampfmässig. Gleichwohl bekenne ich, dass meine letztjährige Wettkampf-Planung ein reines DNF-Desaster war. Einen einzigen Triathlon habe ich Cristina, unserer Webdesignerin für’s 2013 angeben können. Seelandtriathlon, MD, Murten. Den habe ich erst noch sausen lassen. Schande über mich! Zu meiner Ehre kann ich einbringen, dass ich nebst der Gigathlonwoche mit 6 Läufen noch bei weiteren 5 Läufen und einem Triathlon mit dabei war. Ganz spontan und OP, ohne Plan.

Auf meine miserable Planung angesprochen würde ich wohl ähnlich wie meine Kinder argumentieren. Ich müsste nach dem kräftig pennen (bzw. der Saisonpause) vorerst schauen, wie es mir geht, erkunden, was alles angeboten wird und was mir dabei am meisten Freude machen würde, überfliegen, ob ich da überhaupt hinkomme und wenn nicht, ob mich mein Mändu und sein Auto begleiten würden, ich müsste vorerst die Wetterverhältnisse abwarten und und und. Die Wettkampfplanung ist für mich eine hochkomplexe Herausforderung angesichts der vielen verführenden Möglichkeiten und den diversen Aspekten, die es zu berücksichtigen gilt. Wo beginne ich bloss mit meiner Planung?

 

Wow, war ich beeindruckt an der GV. Viele der Ladies liebäugeln bereits mit Herausforderungen und Qualifizierungsmöglichkeiten, schmelzen innerlich vor Wonne über einen künftigen Triathlon an der Wärme, ziehen sich mit kleineren Anlässen wie dem Silvesterlauf vom 15.12. den Wettkampf-Speck durch den Mund oder motivieren einander, gemeinsam in Rappi zu starten… Ich habe mich emotional anstecken lassen, ohne am Ende nachzufragen, wie sie vorgehen, um ihre Stecknadel im Heuhaufen aller Sportereignisse zu finden.

Andere Gesichtspunkte der Jahresplanung fallen mir leichter, weil ich da mogeln kann. Diese Nägel oder Stecknadeln mit Köpfen muss ich nicht so deutlich setzen und schon gar nicht nach aussen tragen. Das Periodisieren z.B. soll eh nicht stur umgesetzt werden, sondern dem Jahresziel dienen, das Gewichten eines Schwerpunktes wie Tempohärte oder Krafttraining darf sich je nach Erfolg ebenfalls im Verlaufe des Jahres verflüchtigen und das Thema Trainingslager wird für mich vermutlich aktueller, sobald meine drei Kinder flügge sind. Ein weiterer unbeschwerter Punkt meiner Jahresplanung ist natürlich die vorgeschlagene Team-Agenda mit Trainingsweekend, gemeinsamen Triathlon in Uster, der GV… Alles klar und natürlich vorgemerkt.

„Tu doch nicht so kompliziert, würden mir die Kinder sagen. Bist doch selbstständig genug und du musst gar keine Angaben machen, solange du nicht weisst, wo du teilnehmen willst.“ Da stimme ich ihnen zu. Meine Eigenständigkeit und Konturierung als Athletin habe ich – wie erwähnt -, vor allem unserem Teamgeist zu verdanken. Wo bitte liegt das Problem? KP. Kein Problem, eine Feststellung. Ich bin inzwischen absolut verwöhnt mit dem, was Conny in ihrem Mail ebenfalls betont: „…So können wir eure Einsätze wiederum auf Facebook verfolgen und einander unterstützen...“ Das Anfeuern und Mitgehen der Teamkolleginnen würden mir fehlen und diesen Teil mag ich mir echt nicht verhunzen.

 

Wenn ich am 6.12. keine Wettkampfpläne angebe, so gibt es zwei Szenarien und beide sind schrecklich.

1.Schreckensszenario. Ich behalte die Sponti-Entscheidungen für mich und höre dann von den an den Wettkämpfen anwesenden Team-Ladies: „Toll Kathrin, bist du auch hier und erst noch als Wettkampf-Teilnehmende. Mach’s guet!“ Das ist schön und stärkend. Die wirksamste, da notwendigste Stärkung (für mich als gewohntes Vor-dem-Start-schlotterndes-Nervenbündel) passiert vorgängig auf der homepage. Diese Aufmunterungen sind halt schlicht genial. Auf die will ich nicht mehr verzichten müssen. Merci Conny und Nicole!

2. Schreckensszenario. Ich müsste analog 2013 erneut Cristina stalken. Wiederholt habe ich sie dieses Jahr mit Mails zugetext und belästigt, bloss um meine ungeplanten Wettkampfanmeldungen von ihr im Wettkampfplan nachtragen zu lassen. Bei diesen Bildern aus der Vergangenheit fühle ich mich ziemlich beschiess…

Ich komme nicht darum herum, mich intensiver mit meiner knorzigen Wettkampfplanerei auseinanderzusetzen. Das trauen mir meine Kinder zu, weil ich von ihnen regelmässig P und Verbindlichkeit erwarte.

Wettkampfplan.

 

Tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Konzentration auf das Ausatmen, das beruhigt sowohl körperlich als auch mental.

Ich denke an den Spätsommer und an meine Trips in die Berge. Die haben mich enorm beflügelt. Killian Jornet, der Ausdauersportler hat in seinem Buch bezüglich Trailrunning eindrücklich beschrieben, was das Laufen in den Bergen mit ihm macht (frei nach mir): Das kraftvolle Gefühl, beim Abstossen des Vorderfusses vom Terrain die darunterliegenden Kontinente verschieben zu können … das Empfinden, leicht wie ein Adler dahinzuschweben, wenn der Körper in die Flugphase gleitet…Im Gebirge mit Erdmittelpunkt und himmlischer Weite verbunden zu sein…

Ab in die Berge, sage ich mir!

Tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Zum dritten Mal auf den Napf?

Tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Ein Marathon+ wäre vielleicht eine spannende Herausforderung… Die Gegend muss passen. Das ist mir extrem wichtig, mich bereits vor einem Wettkampf auf die Landschaft freuen zu können.

Tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Jura, Lac de Joux… Dort war ich vor etwa 25 Jahren das letzte Mal. Auch spontan. Denn meine Freundin hatte sich das Bein gebrochen und wir konnten nicht wie vereinbart nach Dänemark, obwohl wir dermassen perfekt vorbereitet waren und nahezu dänisch miteinander parlieren konnten. Die Ersatz-Velotour mit anderen Kollegen zum Lac de Joux hat Dänemark längst wettgemacht. Sooo unbeschreiblich friedlich und betörend! Da verschmelze ich unweigerlich mit der Natur.

Tief einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Trail de la Vallée de Joux, 56km, 2750 HM, 19.Mai 2014, bloss 5% Goudron

Einatmen…

So früh im Jahr ? Vergiss es. Letztes Jahr konntest du nicht einmal Ende Mai auf den Niesen spurten… Und im Bettenhochhaus des Inselspitals macht trainieren wenig Vergnügen, selbst wenn es ideale Treppen hätte…

…ausatmen, einatmen, ausatmen.

Ausrede, bestimmt finde ich ein anderes Gelände, um meinen Beinen auf dieses Datum hin Beine, bzw. Beinmukis zu machen. Und während des anstehenden Winters würde ich meinen Mändu bestechen, mit den Langlaufskis in genau dieser Region auf Entdeckungstouren zu gehen.

Einatmen…

56 km, 3 Gipfel? Bin ich grössenwahnsinnig geworden?

…ausatmen, einatmen, ausatmen.

„Gehe immer einen Schritt weiter als du dir vorgenommen hast, siehe, du schaffst es.“ Ist nicht mein Spruch, jedoch einer, der mich anspornt. Diese zusätzlichen 14km will ich packen!

Einatmen…

Start um 6.00 Uhr morgens. Da brauche ich wohl eine Übernachtung im Hotel

…ausatmen, einatmen, lange ausatmen.

Bagatelle. Ich mach’s. Stecknadel mit Kopf. Dieser Wettkampf, das Vallée de Joux, die feinen Gerüche von Lärchen und Seeluft, die sogleich präsent werden… Yeah! Meine „Ausgangslage“ steht hiermit. Sie lässt mich innerlich jauchzen und verführt zu weiteren Träumereien. Gibt es nicht einen Tria in dieser Region? Das habe ich zumindest bei Karin noch nachgefragt (merci euch, Karin und Alex für die Mitfahrgelegenheiten an die GV in Lupfig, bzw. heimwärts und das damit verbundene Plaudern!). X Terra-Erfahrene Ladies gibt es. Es sind jedoch Mountainbikerinnen gefragt. Nix für mich….

Ich werde mit der Idee, diese Region als Orientierung für meine Wettkämpfe 2014 zu nutzen, noch ein wenig schwanger gehen. Bin gespannt, was sich daraus entwickelt. Also Kompromiss:

UWP  Da lachen die Götter und Göttinnen. Unverbindlicher Wettkampfplan! Nicht wahr, ich bin einen deutlichen Schritt weitergekommen und habe das KP hinter mir gelassen! Mit der Planung ist es wie mit der Umsetzung: Der erste Wettkampf in der Saison ist nicht ohne. Der erste fix geplante Wettkampf ebenso.

Jetzt freue ich mich auf den 6.12. Nicht wegen dem Chläuslen. Mein Jüngster steht inzwischen als Schmutzli gegenüber von aufgeregten Kindern und ich knabbere ohne Familie Nüssli. Wegen dem Teamwettkampfplan und den dahinterstehenden Anregungen, die nach dem 6.12. auf die Website kommt, ist Vorfreude naheliegend.

Der nonverbale Kommentar meiner Kinder wäre der gleiche wie ich ihn zu Beginn beschrieben habe. Der Ausgesprochene: Voll irre! Zum Glück Mam, müssen nicht ‚wir‘ herhalten sondern kannst du deine Verrücktheit mit deinen Teamkolleginnen ausleben und gleich mit ihnen abspacen!

 

Ladies, ich geniesse es, mit euch zwischendurch eine Mikro-Prise durchgeknallt sein zu dürfen. Wie schön, Nicole und Petra, dass ihr - über diese Knallerei hinaus - anregt, in der vorweihnächtlichen Zeit beim Apérölen allenfalls Prosecco-Korken knallen zu lassen

 

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