Das X-Bionic Ladies Tri Team ist mehr als die Summe seiner Ladies

Nach dem Napfmarathon Mitte Oktober, bei dem ich bewusst und emotional ziemlich berührt „meinen“ allerersten Wettlauf wiederhole, um in den Bergen meine Saison stimmig abzurunden, lasse ich mich gelöst in die Nach-Wettkampfphase gleiten. Danach packt mich ein nie dagewesenes Bedürfnis nach Evaluation und ich will strukturiert und gar schriftlich einen Saison-Rückblick initiieren. Vielleicht das Resultat meiner Wettkampf-Dichte von 2013? Wie auch immer. Ich klaube Fachbücher hervor, um zu schauen, über welche Punkte es sich zu reflektieren lohnen könnte.
Beginne ich nun mit regelmäßigem Visualisieren von erfolgreichem Schwimmen im offenen Gewässer? Könnte ich meine Ernährung optimieren, um im Herbst nicht übermäßig aus der Kompressionsbekleidung zu kippen? Sollte ich mich nicht vorerst mit jenen Aspekten beschäftigen, die positiv gelaufen sind und die ich beibehalten will? Keiner der Sportratgeber hat für mich einen knalligen Hinweis, der es Wert erscheint, mich intensiver mit ihm auseinanderzusetzen. Manchmal sprechen Lücken wahre Worte! Mir wird im Kontext von Individualsportart plötzlich bewusst, dass das Wort „Team“ keine Erwähnung findet. Und genau dies war und ist für mich eine Ressource, die ich nicht mehr missen möchte.

Nun ist es ein Jahr her, seit ich ins Team aufgenommen worden bin. Bin ich erst ein Jahr mit dabei? Ich habe so viel Bereicherndes mit und durch die Ladies und den Teamspirit erfahren, dass es mir wie ein Jahrzehnt vorkommt. Dass ich meinen Partner Mändu in erneut erwähne, kommt nicht von ungefähr: Er hat ein perfektes Fingerspitzengefühl dafür, mir meine Scheuklappen beiseite zu schieben und mir eine größere Offenheit zu entlocken. Als ich über ihn von Barbara erfahren habe, dass mir das X-Bionic Ladies Tri Team und die dahinterstehenden Ideen passen könnten, reagiere ich innerlich vorerst überkritisch. Ich und Team? Sport bedeutet Freiheit! Team bedeutet Anpassung. Will ich das? Mich mit meinen 46 Jahren und ohne jegliche Sportverein-Prägung in ein Team einfädeln? Aber hallo?!? Ein absoluter Winzling in mir meldet sich zaghaft: „Klingt doch spannend, ein reines Frauen-Team, das den Laden selber schmeißt und ihm vorsteht, Frauen von diversen Regionen, unterschiedlich alt und einander primär auf Grund der gemeinsamen Triathlon-Leidenschaft verbunden, keine auferlegten Wochentrainings oder unzählige Wettkampf-Verpflichtungen, die Emotionen, die zentral sind und die miteinander geteilt werden können …“

Fast ein wenig beschämt knacke ich die Homepage. Diese ist ebenfalls eine Eigenproduktion von einer der Ladies, von Cristina. Genial! Mit phantastischen Fotos vom „Hoffotografen“ Beni Soland, der nicht einzig sein Handwerk versteht, sondern ebenfalls Triathlon macht.

Eigentlich suche ich kein Team. Im Gegenteil: ich mache bewusst für mich alleine Sport, denn ich bin kooperierende Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter und beruflich im psychosozialen Bereich tätig. Irgendwo will ich meinen „Ego-Trip“ ungeniert auspowern können oder dezenter formuliert, meine Selbstachtsamkeit pflegen, nicht?

Ich muss lachen! Auf geknackter Homepage strahlen mich so viele coole Frauen an. Spannende Eindrücke! Ein Trainingstag? Wie und wo das? Ah, von ihrem Team-Coach Diane organisiert und geleitet… Die unbeschwerte Stimmung, die durchschimmert, wirkt einladend auf mich! „Komm schon“, sagt der rasant wachsende Winzling in mir, „du verbockst dir nichts, wenn du dich auf Barbaras sympathisches Angebot eines Gesprächs einlässt. Ist eh nicht selbstverständlich, gib dich nicht so arrogant.“ Ich bekenne: noch während des Gesprächs mit Barbara habe ich mich subito dazu entschieden, mich zu „bewerben“. Nicht dass es zur Aufnahme ein offizielles Anpreisen gebraucht hätte. Eher verlief es so, dass ich mich plötzlich in der Position fühlte, unbedingt einen Platz in diesem Frauenteam erobern zu wollen. Barbara hat das Leuchten in ihren Augen bei der Team-Beschreibung nicht verbergen können und hat mich im Nu angesteckt.

Bei der Anmeldung ging es u.a. um die Frage, was mich motiviert, im Team dabei zu sein. Austausch unter Gleichgesinnten, sprintet mein erster Gedanke durch den Kopf. Logo. Ob es für die andern Ladies auch so sein könnte? Wenn ich nun - unstrukturiert und ohne Fachliteratur - auf meine Saison zurückblicke, so nimmt das Team einen bedeutsamen Stellenwert ein. „Unbedingt dabei bleiben“, ruft der riesige Winzling triumphierend in mir, „dieses Team ist eine deiner stärksten Ressourcen!“ Der Teamspirit lässt sich nicht kompensieren, weder durch Proteinshakes, noch durch Krafttraining oder durch eine Periodisierungs-Variation. „Mein“ Team wirkt wie ein nicht nachzuweisendes Doping, das mich unglaublich beflügelt.

Da gab es:
-die Jahresversammlung inkl. Apéro (Vorstandfrauen und Hauptsponsor),
-zwei professionell gestaltete Trainingstage (Diane, Teamcoach),
-einen X-Bionic-Teambekleidungstag in Lupfig bei Fuchs-Movesa an dem wir reich beschenkt wurden (Reto, Steffi, Seraina) und mit dem BMC-Vertreter von Cycling Emotion ins Gespräch kommen konnten,
-einen Mizuno-Laufschuh-Abend in Wangen an der Aare (Tinu Flückiger)
-und den Firmentriathlon mit Gratissauna auf der gesamten Strecke und gemeinsamem Nachtessen (Petra, Vorstand)…

Ich wurde nebst diesen Anlässen überrascht durch den starken Einsatz von unseren Co-Präsidentinnen Conny und Nicole, passende Sponsoren zu finden und zu behalten (nebst den erwähnten zudem 2XU, Sponser, SwissSportClinic) und phänomenale Bedingungen auszuhandeln. Ich fühle mich verwöhnt wie eine Pro-Athletin, wenn ich an die Angebote besagter Sponsoren denke. Vieles läuft bescheiden und gänzlich im Hintergrund, wie z.B. die Finanzen (Fabienne, Vorstand), Überlegungen betreffend Ethikrichtlinien, Nachwuchsförderung (Barbara, Vorstand), etc. Das alles zeigt eine Seite. Sie ist benennbar, lässt sich auflisten, fühlt sich natürlich wunderbar an und verdient mehr als ein großes Dankeschön.

Die andere Seite ist komplexer und mir fehlen die passenden Worte. Das haben Liebeserklärungen meistens in sich. Meine Eintrittsmotivation hat sich gnadenlos und nachhaltig bewahrheitet: Der Austausch unter Gleichgesinnten ist gegeben und inspiriert mich deftig. Es sind tatsächlich ‚gleichgesinnte‘ Ladies und keineswegs gleichgesteuerte oder Ladies mit gleichen Möglichkeiten und/oder Zielen. Es ist die Gesinnung, die gemeinsam ist, was anspornt. Geteilte Tria-Begeisterung ist potenzierte Begeisterung!

Jede Frau und Athletin ist zwar für sich unterwegs, hat ihre eigenen Vorstellungen, lebt ihre persönlichen Vorlieben und ist allenfalls noch anderweitig vernetzt und verclubt. Insofern hat alles Platz (bis auf illegale Substanzen, Wettkampf-Mogelei, Grenzverletzungen und so). Ein Zusammenhörigkeitsgefühl ist gleichwohl spürbar, weil das gegenseitige Interesse und die Unterstützung kontinuierlich laufen. Manchmal geschieht das Anfeuern direkt (beispielsweise während der Gigathlon-Woche), zuweilen auch digital, jedoch stets mit viel Herz. Die gemeinsamen Anlässe sind wohl dosiert und fördern den Teamgeist daher umso stärker, gerade weil sie besondere Highlights im Sportjahr sind. Ich habe mich jeweils sehr auf die Begegnungen mit den Ladies gefreut. Denke ich ans nächste Date, den 26.11.13, wird mir „tätsch-bumm zappelig z‘muet“. Dies alles finde ich grandios und ich bedanke mich bei allen. Besonders bei den engagierten Vorstandsfrauen, den großzügigen Sponsoren und den anteilnehmenden Teamkolleginnen. Applaus, Applaus!

Das Team ist eben mehr als die Summe der Mitglieder. So paradox es klingen mag und in Bezug auf meine anfänglichen Scheuklappen: In diesem Team zu sein, gibt mir Rückhalt, meinen eigenen sportlichen Weg zu gehen. Ihn vielleicht (selbst-)bewusster zu gehen. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Es ist der dahinterstehende Dialog im Team, der mich viele Aspekte rund um den Triathlon klarer erkennen lässt. Ich erlebe mich dadurch anders. Alleine Sport treiben ist für mich u.a. Selbstvergewisserung. In einem solch offenen Team zu sein, kann ebenfalls zu einer Form von Selbstvergewisserung führen. In Martin Bubers Philosophie ausgedrückt: „Der Mensch wird am Du zum Ich“.

Super – Seit einem Jahr gehöre ich zum allerfeinsten Frauentriathlon-Team. Ich hätte für mich kein passenderes erfinden können. Der Winzling in mir, der längst über sich hinausgewachsen ist, meint: „Gibt goldigen Podest-Platz, AK-übergreifend!“

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Kommentare: 12
  • #1

    Nadine (Donnerstag, 31 Oktober 2013 08:52)

    Kathrin, du hast das wunderschön geschrieben, einfach passend. Mir geht es genau so und ich bin unheimlich stolz in diesem Team sein zu dürfen! Ladies, es macht einfach mega Spass mit euch!

  • #2

    Alex (Donnerstag, 31 Oktober 2013 12:05)

    Das hast Du ganz toll formuliert, ich kann mich dem nur anschliessen. Ich finde es super zu den X-Bionic Ladies zu gehören; es spornt mich an, jeweils mein Bestes zu geben und ich fühle mich sehr gut verstanden unter Gleichgesinnten. Danke!

  • #3

    Manu (Donnerstag, 31 Oktober 2013 12:13)

    Kathrin, dein Schreibstil ist schlicht genial. Es macht richtig Spass deine Texte zu lesen! Mir geht es auch so, ich bin mega stolz ein Teil dieses Teams zu sein und es motviert einfach unglaublich... Danke allen vielmals!!

  • #4

    Katrin (Donnerstag, 31 Oktober 2013 12:35)

    Ich kann mich nur anschliessen! Super Text Kathrin! Macht echt Spass deine Berichte zu lesen!
    Auch ich bin stolz eine X-Bionic Lady zu sein, es ist einfach toll mit euch! Merci!!

  • #5

    Kathrin (Donnerstag, 31 Oktober 2013 13:03)

    Frauen, ihr seid einfach Schätze! Eure Kommentare und Reaktionen freuen mich enorm. Et voilà, c'est ça: Ihr vitalisiert unseren Teamgeist spontan, herzlich und tatkräftig. Liebe Umarmung an alle

  • #6

    Petra (Donnerstag, 31 Oktober 2013 13:18)

    woooow, ist ja ein hammer bericht, danke dir kathrin. schön gibt es dieses einzigartige ladies team in der schweiz :-) und ich bin ein teil davon :-)

  • #7

    Nicole (Donnerstag, 31 Oktober 2013 14:58)

    Kathrin, vielen Dank für diese wunderbaren Zeilen! Sie machen süchtig ;-) - ich freue mich auf den nächsten! Es ist so schön die tollen Kommentare von euch allen zu lesen. X-Bionic Ladies - ihr seid grossartig! Ich bin eine echt stolze Co-Präsidentin und ein stolzes Teammitglied!

  • #8

    Sara (Donnerstag, 31 Oktober 2013 19:00)

    Ich kann mich nur anschliessen. Vielen Dank für die vielen schönen Worte Kathrin!
    Ich bin stolz Mitglied eines so tollen Frauenteams zu sein.

  • #9

    Kathi (Donnerstag, 31 Oktober 2013 21:53)

    Liebe Kathrin! So toll, deine Zeilen. Obwohl ich keinen von euch Frauen kenne, muss ich zugeben ein heimlicher Fan von eurem Team zu sein. Euer Teamspirit, sei es am Wettkampf über Socialmedia oder via Homepage, ist für mich jedesmal begleitet mit einem riesigen Smile über's Gesicht. Macht weiter so!

  • #10

    Barbara (Donnerstag, 31 Oktober 2013 23:18)

    Danke Kathrin für diese grosse Wertschätzung und die tolle Beschreibung deiner Erfahrungen, deiner persönlichen und sportlichen Entwicklung durch die Teamzugehörigkeit.
    Bleib dran und erhole dich gut :)

  • #11

    Tanja (Freitag, 01 November 2013 21:15)

    Mega gut geschrieben und extrem zutreffend! Super Kathrin - hat echt spass gemacht deinen Bericht zu lesen! Wie ihr alle, bin ich auch stolz und happy ein X-Bionic Lady zu sein! Obwohl ich in diesem Sommer nicht viel zum Trainieren gekommen bin, freue ich mich auf die nächsten Treffen und Events. ...und das erste X-Bionic Baby freut sich natürlich auch schon auf euch! :-)

  • #12

    Cristina (Montag, 04 November 2013 20:22)

    Danke auch von meiner Seite für diesen spannenden, witzigen und treffenden Text über unser tolles Team. Auch ich bin dankbar und stolz in diesem Team dabei sein zu dürfen. Ich werde am 26. November an euch denken, während ich in Spanien gerade meine Freiheit auf dem Meer beim Kitesurfen geniesse! Bis bald ich freue mich auf den nächsten gemeinsamen Trainingstag.