Der 13. Gemmi-Triathlon und meine 2. Triathlon-Erfahrung

Um mich kurz zu halten ;-), gebe ich vorerst die wichtigsten und sichtbaren Wettkampf-Pfeiler durch:

 

Alpiner Triathlon von Sierre (523 m.ü.M.) hinauf zum Gemmipass (2346 m.ü.M.). 0.9km Schwimmen, 23.4km Rad, 3.8km Lauf. Wunderschön einladende Natur, die im letzten Aufstieg zu einer imposanten Felskulisse führt. Die Umgebung scheint einen umarmen zu wollen!

 

Etwa 100 Einzelstarter sind gemeldet, davon ca. ein Fünftel Frauen. Toll, ist Sara vom Team dabei! Der Triathlon kann auch als Dreierteam mit Disziplinen-Splitting gemacht werden, als Steilwand-Walking oder als Duathlon. Gemäss Walliserbote seien bei dieser 13. Ausgabe 202 Athleten und Athletinnen und rund 80 Helfende dabei gewesen.

 

Für mich ergibt sich daraus ein gelöster, familiärer Rahmen. Trotz personeller und materieller Bescheidenheit tritt die Familie gar trilingue auf (deutsch, italienisch, französisch), was Ferienatmosphäre vermittelt und keinesfalls eine verbissen anmutende, internationale Wettkampfstimmung aufkommen lassen würde.

 

Bei der Startnummernausgabe am 7. September (Wettkampftag) zeigt sich eine durchdachte Logistik und Organisation. Speziell beeindruckt bin ich hinsichtlich der abgegebenen beschrifteten Kleidertaschen und deren Transporte in die eine WZ (Laufsachen) ins Ziel (warme Klamotten) und zurück zum Abschlussort Leukerbad (Schwimmsachen). Perfekt!

 

Der Gerundensee hat angenehme Spätsommertemperaturen von rund 18°C. Er ermöglicht ungefragt eine Schlamm-Masken-Kur. Das seichte Algen-Wasser ist vor dem Start auf der Frauentoilette Thema Nr. 1.: Ich erfahre, dass die Männer-Neulinge nicht nur grün hinter den Ohren seien, sondern klebrig-grün um ihre unrasierten Bartstoppeln herum. Entsprechend sei bei den Gemmi-Tria-Wiederholungstätern die Total-Rasur auf sicher.

 

Zur Radstrecke ist zu bemerken, dass der Verkehr normal zirkuliert. Es gibt keine Absperrungen oder spezifische Hinweise auf die Sport-Veranstaltung. Die Radfahrer und Radfahrerinnen sind jedoch gut und konsequent angeleitet durch Helfende, die an Kreuzungen positioniert sind. Es gibt - angesichts der Kurzradstrecke - erstaunlicherweise einen Verpflegungsposten. Für die Heimischen?

 

Die Laufstrecke lässt sich am ehesten mit der Frage des diesjährigen Siegers angesichts der Gemmi-Wand umreissen: „Und dort gibt es einen Weg hinauf?“ (Er hat ihn diesen in unglaublichen 42‘ geschafft!). Ich schätze, dass er an den beiden Getränkeposten nicht lange pausiert hat.

 

Für meine starken Teamkolleginnen soll in der Gesamtschau erwähnt sein, dass der Gemmi-Triathlon keine wahre Ausdauer-Herausforderung ist. Die Wettkampfzeit bleibt tendenziell unter 3 Std. Er ist auch nichts für Downhill-Freudige. Es geht nur einmal „opsi“. Die Downs sind einzig mental feststellbar.

 

Strecke und Landschaft sind selbstredend und daher muss ich nicht einbringen, was mich selber zum Starten motiviert hat.

 

Zu meinem unsichtbaren, inneren Wettkampf…:

Ich stehe am Ufer und lasse meinen Blick über den Gerundensee schweifen, ich betrachte die sich einschwimmenden AthletInnen. Auffällig, wie stark sich Markierungs-Bojen und Köpfe gleichen. Zumindest in Bezug auf das farbliche Erscheinungsbild. Ich sehe rot, bzw. schwarz, weil ich eh ein Grundproblem mit Orientierung habe. Wenn das bloss gut geht… Mein Aufwärmen im Wasser spricht dafür. Und der aufstellende Schwatz mit Sara ebenfalls. Ich fühle mich bereit und gut, bin in einer passenden Balance zwischen körperlicher Anspannung und mentaler Unbekümmertheit. Letzteres werde ich leider in Kürze verlieren.

 

Startschuss und … vas-y! Ich lasse die Meute vorpreschen und gehe mein eigenes Rennen an. Trotz bewusst gewählter Aussenseiterinnen-Position kriege ich zwei, drei Hiebe, die ich cool wegstecke. Ich gratuliere mir - innerlich und vorschnell - zu meinem etablierten Rhythmus und erfahre prompt neue (Schwimm-)Züge an mir. Aus dem Nichts heraus kriege ich Bammel. Aus dieser verniedlichten Angst wird echte Panik. Ich bemühe mich, meine rote Denk-Boje zu mobilisieren, um herauszukriegen, was da abgeht. Mist! Leider bleibe ich nicht einzig gedanklich stecken und werde selbst im Stillstand auf mein hektisches Atmen zurückgeworfen. Marionettenhaft wechsle ich zu Brustschwimmen, um mein Hyperventilieren in den Griff zu bekommen. So ein Schei…! Nun denn, Ärger über mich ist zumindest erträglicher als Angst um mich. Es macht mich sauer, dass ich mein antrainiertes Kraulen sausen lassen muss und ich nehme mir vor, den Stil baldmöglichst rückgängig zu machen. Kaum als Vorsatz abgehackt, spüre ich, wie sich meine Zeitmessfessel löst. Chips adé! Das darf nicht wahr sein! Ich greife danach… ins Leere … Ich tauche danach …super. Einen Teilerfolg! Nun kann ich Dianes technische Übung mit der Faust als Ausdauertest erproben. Brustschwimmend, weil ich nahezu koche und ans Kraulen weiterhin nicht zu denken ist. Meine Rettung liegt im Solidarisieren mit einem männlichen Muskel-V vor mir, ebenfalls brustschwimmend und sehr zügig unterwegs. Ich bleibe dran und freue mich tröstend darauf, nach diesem Schwimmdesaster meine Neopren-Saison zu beenden. Diesen Trost koste ich aus und ich bin in der WZ entsprechend im Zeitlupentempo unterwegs. Meine Umkleide-Strategie bewährt sich hingegen: ich bin einzig mit einem Sport-BH und den Trisuit-Hosen im Neo und gönne mir die Minuten, um ein trockenes und mit Gel bestücktes x-bionic-Radtrikot anzuziehen. So brauche ich anschliessend keine unnötige Energie, um mich (und das Trisuit-Shirt) aufzuwärmen.

 

Endlich auf dem Rad bin ich total vertieft ins Anpeilen eines runden Bergauf-Trittes. Wow – jetzt kommt wieder Freude in mir auf. Heyaho – ist einfach göttlich, wie rasant mein Rad die Rebberge hinaufkurvt und ich stetig mit einem Blick in die sich entfernende Rhone-Ebene belohnt werde. Es läuft mir echt gut. Macht Spass, nun all die Schwimmprofis überholen zu dürfen. Nebst dem Wissen, dass mein Liebster irgendwo am Strassenrand stehen wird, verleiht mir das chronische Überholen einen mentalen Notvorrat. Den muss ich später anzapfen, da ich mich brav an die Verkehrsregeln halte und bei der Rot-Ampel (Baustelle) noch braver `runterschalte, um bravstens vom Rad abzusteigen. Als ich und die Ampel (mittlerweile beide auf Rot) von einer Rennradfahreransammlung fröhlich umfahren werden, bin ich gleichwohl flexibel genug, den Turbo zu zücken und erneut zu überholen. Lässig – alle Beteiligten bleiben bei ihrem Lachen und in aufrichtiger Freudenstimmung.

Zeit und Strecke huschen im Nu vorbei. Kurz vor Leukerbad komme ich mir wie eine schwangere Frau vor, die denkt: nun kann das Bébé zur Welt kommen und es wird überleben. Nun kann die Rad-Panne kommen und ich und mein Rad werden ohne Werkzeug und Schlauchersatz überleben. Trari-trara 

Vor einem Jahr und meinem ersten Triathlon fand ich die Reihenfolge der Disziplinen nicht wirklich logisch. Ich hätte es naheliegend gefunden, das Evolutions-Kontinuum zu berücksichtigen: Vom Wasser ans Land vom Land und Lauf zu den technischen Errungenschaften (sprich Rad). In der zweiten WZ erkenne ich den tiefsten Sinn der bekannten Disziplinen-Reihenfolge: Die süsse, kraftspendende Nachspeise als krönender Abschluss. So soll es sein! Ich könnte meine ausgepackten Laufschuhe küssen, endlich ist es soweit und ich darf die zwirbligen Serpentinen hochsprinten! Ich entscheide mich, zu Beginn trippelnd zu laufen und erst beim felsigen Aufstieg im letzten Drittel ausfallende Schritte zu nehmen, um meine „Wadlis“ nicht zum Krampfen zu animieren. Das bewährt sich. Weniger ausbezahlt hat sich, dass ich einen Augenblick niemanden vor mir sehe. Ich nutze dummerweise die Gelegenheit, um meiner Orientierungslosigkeit eine Chance zu geben und um einen anderen Weg einzuschlagen. Welch‘ Glück, picknicken dort zwei Verliebte, die mich zurückdrängen. Auf dem Daubenhorn hätte ich spätestens gecheckt, dass ich der falschen Zick-Zack-Fährte gefolgt bin. Mein Mändu-Schatz meint nachher lachend: Eine Zusatzschlaufe gehört zu Dir, der direkte Weg passt nicht!

 

Eine weitere winzige Lauf-Verunsicherung kommt auf, als ich meine Teamkollegin Sara vor mir erkenne. Überholen? Gemeinsam ins Ziel einlaufen? Parallel zu meinen Gedanken motiviert mich Mändu, läuft einige Schritte mit Rucksack und Fotoapparat neben mir her und hat echt noch die Puste, mich mit „weiter so!“ anzufeuern. Der Ärmste hat wie ein Touri die Seilbahn nehmen müssen, um mich rechtzeitig im Ziel willkommen zu heissen. Vorher haben er und Saras Partner Karsten uns in der WZ in Sierre und Leukerbad Energie gespendet. Es gibt daher nur eins: Für diese Anpassungsbereitschaft und aufmerksame Betreuung ist ein Dankes-Endspurt angesagt! So freue ich mich auf dem Gemmipass, gesund und im „Alles-gegeben-Modus“ anzukommen. Von hier aus denken Sara und ich fokussiert an Nicole und Christoph: Tout le bon ihr Schätze!!!!

Die Schwimmkatastrophe ist mittlerweile verdaut und alles andere ist in bester Erinnerung. Mir hat’s rüdig Spass gemacht. Welche Welten in 2:29:13 Triathlon stecken können, ist für mich schlicht abartig und grandios. Der 4. AK-Rang ist dabei eine schöne Facette für mich.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Kathi (Donnerstag, 03 Oktober 2013 23:04)

    Klasse Bericht! Hab mich köstlich amüsiert...merci kathi