Erlebnisbericht Ironman 13. Oktober 2013

Ein Traum wurde war.....ich kann es noch immer nicht glauben als ich im 27Grad warmen Pazifik plantschend auf den Startschuss warte. Es ist Wirklichkeit; ich nehme an den Ironman Worldchampionships 2012 auf Hawaii teil. Es ist der 13. Oktober 2012, kurz vor 7Uhr in Kailua-Kona, Big Island, Hawaii. Aber das Ganze von vorne.

Begonnen hat alles mit dem Ironman Nizza am 24. Juni 2012: ich habe dieses Rennen als Qualifikationsrennen für die WM auf Hawaii auserkoren. Es hatte mehrere Gründe: ich kannte die Strecke von meiner letzten Teilnahme im Jahre 2009, als ich 4. meiner Kategorie wurde. Damals kam ich zu der Erkenntnis, dass ich mich mit den Besten meiner Agegroupe messen konnte. Die Radstrecke ist abwechslungsreich, sehr coupiert und selektiv, was mir als "Bergfahrerin" entgegen kommt. Zudem bereitet der Massenstart mit über 2500 Athleten mit der Skyline von Nizza im Hintergrund ein Gänsehautfeeling. Ich mag es im Meer zu schwimmen, ein weiterer Grund Nizza zu wählen. Zudem kommen mir die hohen Temperaturen entgegen. Der abschliessende Marathon entlang der "Promenade des Anglais" ist mental sehr vordernd, da man 8x die gleiche 5km Strecke ablaufen muss. Ideal , um sich an die Gegebenheiten von Hawaii zu gewöhnen. Der Wettkampf sollte ein Spiel auf Messer`s Schneide werden, haarscharf konnte ich mich als 3. meiner Agegroupe noch für Hawaii qualifizieren, weil wir zwei zusätzliche Slots erhalten haben. Die Zweitplatzierte verzichtete zudem auf ihren Startplatz und so freute sich auch die Vierte auf ein Ticket nach Hawaii. Nizza 2012 wird für mich immer in besonderer Erinnerung bleiben, nicht zuletzt auch deshalb, weil mein damaliger Freund und jetziger Ehemann Ivo am gleichen Tag seinen ersten Ironman bestritt und kurz vor mir ins Ziel einlief. Er wartete unter dem Zielbogen auf mich.

Nach dem Ironman Nizza war erstmals Erholung angesagt. Die Regeneration dauerte länger als erwartet, zu früh habe ich wieder mit Training und Wettkämpfen begonnen, ich entkam nur haarscharf einem Uebertraining. Aber es sollte sich alles zum Guten wenden. Die Reise nach Hawaii stand vor der Tür: habe ich alles eingepackt, was ich benötige? Wettkampfdress von 2XU (Longdistance Singlet sowie weisse Aermlinge, beides mit kühlendem Fasergewebe ausgestattet). Es sollte sich bewähren. Zudem Zeitfahrvelo, Aerofelgen (von Ursi, einer meiner X-Bionic Ladies Tri Team Kolleginnen), Velohelm (bewusst nicht den Aerohelm, wegen den hohen Temperaturen, die in Hawaii vorherrschen), Schwimmsuit (Neopren ist ja nicht erlaubt und auch nicht nötig)......ich möchte euch nicht mit einer Auflistung aller meiner Utensilien langweilen.

Nach dem Check-in in Zürich-Kloten flogen wir via London und Los Angeles nach Kona auf Big Island, die grösste Insel von Hawaii. Kurz vor der Landung wünschte der Pilot uns Athleten alles Gute für den bevorstehenden Ironman, eine weitere nette Geste von den Amerikanern. Bereits auf den Flughäfen von London und Los Angeles erhaschten wir bewundernde Blicke vom Flughafenpersonal, als sie den Grund unserer Reise erfuhren. Man konnte fast ein bisschen stolz sein.

Als ich aus dem Flugzeug stieg erwartete ich eigentlich eine erdrückende Hitze. Da es aber bereits 19:30 Ortszeit war, kam mir eine warme Brise entgegen, äusserst angenehm. Nach über 17h Flugzeit mal was anderes. Wir wurden vom Team Eitzinger vom Flughafen abgeholt und zu unseren Hotels am Alii Drive gefahren. Man fühlte sich sehr gut aufgehoben, das gab Vertrauen.

Uns blieb eine Woche zum Akklimatisieren vor dem grossen Tag. Ich kam erstaunlich gut zurecht mit den hohen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, zudem machte mir der Jetlag nur wenig zu schaffen. So konnte ich die "Prerace"-Tage richtig geniessen. Wir radelten einen Teil der Radstrecke ab, rannten einen Teil der Marathonstrecke am Alii Drive ab und gingen morgens kurz nach 7Uhr in der Kona-Bay schwimmen. Es kam mir alles vor wie in einem Märchen. Unser Hotel lag wunderschön an der Küste, vom Zimmer aus konnte man den Surfern zusehen, die bereits vor 6Uhr bei Sonnenaufgang auf dem Meer waren. Die Bucht vor dem Hotel galt als Hotspot für Schnorchler, eine der weltweit besten Destinationen. Es war einfach unglaublich, all diese bunten Fische, die Korallen. Wir konnten mit Meeresschildkröten schwimmen. Beim Standup Paddeln wurden wir von Delfinen begleitet. Aber so richtig loslassen konnte ich noch nicht, denn ich hatte Grosses vor und die Nervosität vor dem Rennen stieg von Tag zu Tag. Hinzu kam, dass ich mir eine starke Nackenverspannung vom langen Flug zugezogen hatte. Das Schwimmen bereitete mir Mühe. Dank den geschulten Händen einer Masseurin in Kona und mit Hilfe von Simone`s Therapiekünsten hat sich die Verkrampfung gerade rechtzeitig einen Tag vor dem Rennen gelöst.

Nebst lockeren Trainingseinheiten, Shopping auf der Ironmanmesse (inklusive Autogrammstunde mit Dave Scott, Mark Allen und Caroline Steffen) und Schnorcheln hiess es in der Woche vor dem Ironman ausreichend Kohlenhydrate aufzunehmen. Dank dem Carboloader von Sponser war dies ein leichtes Unterfangen.

13.10.2012: Raceday. Heute galt es früh aufzustehen, um 4Uhr schallte der Wecker. Da das Hotel nur aufgebackene Croissants anbot, musste ich meinen Vorrat an Bagels und Bananen aufbrauchen. Wenigstens gabs Kaffee-Kona Kaffee-wohl der weltweit Beste. Mit dem Eitzinger Team gings dann per Shuttle-Bus zum Startgelände an der Kona Bay. Als nächstes folgte das Bodymarking, wo einem die Startnummer auf beide Oberarme mit schwarzer Druckerfarbe aufgemalt wird. Danach wird man gewogen, für den Fall der Fälle, dass man während dem Wettkampf kollabiert und eine Infusion benötigt. Nicht selten, bei diesen klimatischen Verhältnissen.

Und nun bin ich wieder dort angelangt, wo ich mit meiner Geschichte anfing: im warmen Pazifik plantschend. Ruhe vor dem Sturm, es war nur die hohe Brandung zu hören, die tosenden Wellen, die gegen die Klippen prallten. Das wird kein einfaches Schwimmen heute, aber der Ironman Hawaii ist ja bekannt dafür der härteste Triathlon der Welt zu sein. Und auf einmal ertönte der Startschuss. Ich hatte mich ganz links aussen eingereiht, dort, wo die langsamen Schwimmer sich einzuordnen hatten. Je schneller, desto weiter rechts. Ich versuchte mein gewohntes Tempo zu schwimmen und dabei im ganzen Startgemenge so wenig Schläge wie möglich abzukriegen und nicht zuviel Salzwasser zu schlucken. Beim Blick auf den Meeresboden stellte ich jedoch fest, dass ich mich kaum von der Stelle bewegte, so sehr ich mich auch abmühte. Ich hatte eine starke Gegenströmung erwischt, links und rechts schwammen die Anderen an mir vorbei. Jetzt nur die Ruhe bewahren und versuchen im Wasserschatten der Anderen mitzuschwimmen. Es funktionierte, dennoch kamen mir die fast 2km bis zur Wendeboje sehr lange vor; ganze 50min, das gibt's doch nicht. Ich fing an nervös zu werden, wurde mir doch vorgängig mitgeteilt, dass einem auf dem Rückweg eine noch stärkere Strömung entgegenkommt und man für diesen Teil der Schwimmstrecke noch länger benötigt. Aber es sollte nicht so sein, die Wellen "pushten" mich zurück in Richtung Kona Bay. Ich benötigte 10Minuten weniger als auf dem Hinweg und konnte nach rund 1h30 aus dem Wasser steigen. So lange habe ich noch nie gebraucht für eine Ironmanschwimmstrecke, wenngleich es fast 3.9km waren statt die üblichen 3.8km. Nun lag der "kühlste" Part hinter mir, von nun an hiess es mit der Hitze kämpfen. Bereits in den Morgenstunden stieg das Thermometer gegen 30°C, keine Wolke am Himmel. In der Wechselzone wurde ich von zwei netten Volunteers unterstützt, mit Sonnencreme eingeschmiert, mit Flüssigkeit versorgt und beim Umkleiden geholfen. Was für ein Luxus. Danach hiess es so schnell wie möglich mein Rad zu schnappen und die verlorene Zeit auf dem Velo wieder einzuholen. Entlang des Piers und um die Wechselzone herum hatten sich unterdessen sehr viele Zuschauer eingefunden, die Stimmung war grandios. Ich machte mich auf in Richtung Palani Road, die erste happige Steigung, umzingelt von zurufenden Fans, Betreuern und Zuschauern-fast wie auf der Alp d`Huez. Sobald ich Kona hinter mich liess kehrte Ruhe ein, ich konzentrierte mich auf mein Tempo, den Wind und das Zurren der Aerofelgen in den Ohren. An den im Schnitt alle 10km aufgestellten Verpflegungsposten verhielt ich mich immer gleich: zuerst eine grosse PET-Flasche mit Wasser schnappen und damit die Arm-und Schulterlinge sowie den Kopf benetzen. Dann ein Gel oder ein Stück Powerbar essen und mit Wasser oder isotonischem Getränk runterspülen. Das ging eine Zeitlang gut, ab Km 60 bemerkte ich eine leichte Uebelkeit, sobald ich feste Nahrung zu mir nahm. Also wechselte ich auf Flüssigkost. Mittlerweile nahm der Gegenwind, den wir seit Beginn der Radstrecke verspürten, an Stärke zuzunehmen bis 70km/h. Teils mit böigem Seitenwind assoziiert. Mit Aerofelgen nicht so witzig. Nun hiess es Kopf runter und strampeln, was die Beine hergaben. Langsam machte sich mein linkes Knie bemerkbar, ein leichter Schmerz, den ich bereits in den Vortagen verspürte. Hoffentlich kommt das gut, schliesslich liegen noch über 90km Radstrecke und ein Marathon vor mir. Ich lenkte mich ab, genoss die wunderschöne Landschaft. Die Lavafelder hatte ich mittlerweile hinter mir, es folgte eine steppenartige Landschaft mit Sträuchern, eine schöne Meeresbucht und kurz vor Hawi, dem Wendepunkt der Radstrecke, wurde es richtig grün. Satte Wiesen mit weidenden "Fribourger" Kühen. In Gedanken versunken tauchte auf einmal ein Motorrad neben mir auf, der Mitfahrer, ein Schiedsrichter, streckte mir eine gelbe Karte entgegen. Ich wurde wegen Windschattenfahrens gebüsst, hatte nicht bemerkt, dass ich gute 2 Minuten zu nahe auf eine Konkurrentin aufgefahren war; 7 statt der erlaubten 10m. Wie konnte dies passieren? Ich hielt mich bisher immer an die Regeln und ausgerechnet an einer Weltmeisterschaft musste mir das passieren. Jammern hilft nichts. In Hawi musste ich in die Penalty-Box, 3min Zeitstrafe. Diese kam mir vor wie eine Ewigkeit. All die Frauen, die ich bis hierher überholen konnte, flitzten an mir vorbei. Sehr ärgerlich. Nach 3min durfte ich weiterfahren, nun das erste Mal mit starkem Rückenwind. Wow, was für ein Gefühl. Der Genuss sollte nicht lange anhalten, bei Km 120 drehte der Wind erneut in Gegenrichtung, heisser Wüstenwind. In der Ferne sah man den Flughafen von Kona, welcher 10km vor der Wechselzone lag. Es war ein mühsames Ankämpfen gegen den Wind, Abwechslung boten jeweils die Verpflegungsstellen mit den tanzenden Zuschauern, gute Musik und ausgelassene Stimmung. Aber zum Feiern war's noch zu früh. Endlich erreichte ich die Abzweigung auf die Palani Road, kurz danach die Wechselzone. Nun sollte der härteste Teil des Rennens kommen. Wird sich mein linkes Knie wieder bemerkbar machen? Auf dem ersten Stück der Laufstrecke wurde man von den Anfeuerungsrufen der Zuschauer förmlich getragen. Rennen auf dem berühmten Alii Drive: vieles habe ich darüber gelesen, nun kann ich den berühmten " Laufsteg der Triathleten" selbst einmal unter die Füsse nehmen. Auf meiner Rechten lag der pazifische Ozean, Palmenstrände. Zwischendurch erblickte man einen Surfer. Wie gerne wäre ich jetzt auch im Wasser; stattdessen musste mein Körper gegen die hohen Temperaturen ankämpfen, der Asphalt reflektierte die Hitze gnadenlos. Seit dem Ende der Radstrecke konnte ich auch keine Gels mehr zu mir nehmen, mein Magen rebellierte, was wohl auch an den klimatischen Bedingungen lag. Bei jeder Verpflegungsstation (alle 2-3km) trank ich 2 Becher isotonisches Getränk und Wasser, zwischendurch auch mal Cola. Zudem deckte ich mich mit Eiswürfeln ein, stopfte diese unter meinen Sonnenhut, in meinen BH und unter die Ärmel, um zu verhindern, dass die Körpertemperatur nicht zu stark anstieg.

Dieses Konzept sollte sich bewähren. Nach ca 8.5km folgte der erste Wendepunkt in Keauhou kurz vor unserem Hotel bei der schönen Kirche. Dort zu heiraten wäre ein Traum. Auf dem Rückweg in Richtung Kona kreuzte man die anderen Athleten. Zurück in Kona lagen noch 25km vor einem, ein Grossteil auf dem Queen Ka'ahumanu Highway (kurz Queen K Highway) bis zum berühmt berüchtigten Energy Lab. Fast 40Grad Lufttemperatur, wie in einem heissen Ofen, der Asphalt flimmerte. Erschwerend kam hinzu, dass ich zunehmend Mühe hatte mich zu verpflegen. Feste Nahrung konnte ich schon seit Stunden nicht mehr aufnehmen, nun wurde mir auch nach Einnahme von isotonischen Getränken übel. Auf den letzten 25km trank ich nur noch Cola und Wasser, zur Regulierung des Salzhaushaltes nahm ich im Schnitt alle 2h eine Salztablette ein. Zum Glück hatte ich auf eine gute Kohlenhydrate-Versorgung (mit Hilfe von Sponser Carboloader) im Vorfeld des Rennens geachtet, so hatte ich keine Probleme mit der Energieversorgung. Beim Wendepunkt am Energy Lab, rund 13km vor dem Ziel, wurden meine Beine langsam schwer, die Krampftendenz nahm zu. Jetzt hiess es durchbeissen, die härtesten Kilometer eines Ironman standen mir bevor. Ich versuchte mich mental abzulenken von der aufkommenden Müdigkeit und den Schmerzen. Das war mir alles nicht neu, 10 Langdistanztriathlons hatte ich bereits absolviert in meinem Leben. Zum Glück verspürte ich keine Probleme mit meinem linken Knie. Ich bestaunte den wunderschönen Sonnenuntergang. Wenige Kilometer vor dem Ziel stieg die Strasse leicht an, bevor man wieder in die Palani Road einbug und ins Stadtzentrum von Kona runterrannte. Noch 2km bis zur Finish Line; nun wusste ich, dass mich nichts mehr vom Zieleinlauf abhalten konnte. Ich musste meine Tränen unterdrücken; zu schön war das Gefühl, dieser Augenblick kurz vor Schluss. Seit Jahren träumte ich von diesem Moment, nun sollte er Realität werden. Trotz der verkrampften Beine genoss ich jeden Schritt der letzten 500m auf dem Alii Drive, dann die Finish Line. Die Zurufe der Zuschauer, die Stimmung im Bereich des Zielbogens war überwältigend. Die ganze Triathlonwelt richtete ihre Blicke in diesem Moment nach Kona. Nach 11h49min durchquerte ich den Zielbogen, wurde von zwei Volunteers empfangen, die einem Hilfe hätten anbieten können, wenn man nicht mehr auf den eigenen Beinen stehen konnte. Das war zum Glück nicht nötig. Ich konnte diesen Augenblick in vollen Zügen geniessen. Hawaii Finish; ein Traum ist Wirklichkeit geworden.

Nachdem ich mich mit einem Recoveryshake verpflegt hatte, ging`s ins Hotel zurück (via Eitzinger Shuttle Bus), nun galt der Regeneration die höchste Priorität. Nach einem gemütlichen Znacht in einem mexikanischen Restaurant liessen wir es uns nicht nehmen kurz vor Mitternacht an die Finish Line Party zu gehen und den Einlauf der letzten Triathleten zu applaudieren.

Ein wunderbares Erlebnis, von dem ein 2 Tage dauernder Muskelkater und unzählige schöne Erinnerungen übrig blieb. Im Anschluss verbrachten wir eine erholsame Woche auf Big Island und eine weitere Woche auf Maui.

Hawaii werde ich wieder besuchen, keine Frage und am liebsten wieder als aktive Triathletin, falls es mit einer Qualifikation wieder klappen sollte. Aloha. (Alex)

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Kommentare: 3
  • #1

    petra (Samstag, 09 März 2013 18:46)

    super spannender bericht. danke dir alex.

  • #2

    kathrin (Donnerstag, 14 März 2013 16:10)

    Wow Alex, es ist wunderbar, lesend von Dir auf Deine Triathlonreise mitgenommen zu werden. Eindrücklich -
    Merci für Deine sportlichen Impressionen!

  • #3

    Jeannine (Samstag, 13 April 2013 04:34)

    Schöner,lebendiger Bericht,da werden Erinnerungen wach.Bravo für die Leistung:-)